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Spain

Vamanos!
Wir sind parat, parat für Ferien. Der nächste Roadtrip steht an. Ziel: der Norden Spaniens. Alle haben wir bereits am Freitag frei. Der Wecker weckt uns trotzdem zu gewohnter Zeit. 900 Kilometer liegen vor uns. Um acht Uhr sind unsere sieben Sachen im Auto verstaut und wir fahren los. Fast alles wird heute im Auto erledigt. Nur für den Fahrerwechsel und den WC-Besuch legen wir ein paar kurze Stopps ein. So kommen wir zügig vorwärts und sind bereits um sechs Uhr an unserem ersten Ziel etwas ausserhalb von Bordeaux. Hier unterbrechen wir die Fahrt für eine Nacht. Die Kids dürfen zu ihrer grossen Freude zum Austoben ins Hotel-Gym. Nach dem Sport fahren wir zu Papas grosser Freude zu Buffalo Grill. Damit ist auch schon fast alles Wissenswerte zu heute erzählt. Einzig zum Schluss noch dies: seit heute kennen wir die neue Klasseneinteilung von Anina ab der Oberstufe. Sie ist happy… und irgendwie doch durch den Wind.

Bilbao
Von Bordeaux ist es nicht mehr weit bis an die spanische Grenze. Alle im Auto jubeln, als wir mit 120 Sachen am Schild „Espagna“ vorbei düsen. Unser erstes Ziel heisst Bilbao. Bevor wir aber die Stadt erkunden, schauen wir uns etwas ausserhalb das erste Unesco Welterbe dieser Reise an: die Brücke Vizcaya. Wie ein Ufo fliegt die Schwebefähre von der einen Seite des Flusses auf die andere. Wir schauen uns das Ganze auch von oben an und laufen in 45 Meter Höhe über den Nervion. Der Clou des Konstruktes: alle Schiffe – egal wie hoch – können immer ohne Probleme unten durchfahren und es braucht keine Brückenauffahrten, für die es zum Baustart sowieso keinen Platz mehr gegeben hätte. Deshalb auch das aussergewöhnliche Konstrukt. Retour fahren wir wie alle auch mit der Fähre. Platz hat es immer für sechs Autos, ganz viele Fussgänger, einige Velos und Mofas. Kurz fühlen wir uns dann auch noch wie in Hongkong. Wir finden eine Rolltreppe, die mitten in der Stadt die Fussgänger bequem den Hügel hinauf befördert. Danach ist es Zeit für die ersten Tapas. Der nette Herr am Tresen spricht zum Glück Deutsch und erklärt uns genau, was in der Vitrine aufliegt. Wir probieren uns durch die interessantesten Kombos. Einigen schmeckt es besser als anderen 🙂 Schliesslich geht es weiter nach Bilbao. Wir fahren direkt zum Spot Nummer 1, dem Guggenheim Museum.

Spain, Bilbao, Guggenheim

Die Konstruktion ist imposant. Wir laufen einmal rund herum und staunen auch ab den diversen sonst noch zu findenden Kunstwerken. Im Hotel gibt es schliesslich eine wohlverdiente Pause und ein Apero. Danach zieht es uns auch noch in die Altstadt. Den Rat im Lonely Planet befolgen wir: the best plan is to have no plan. Wir lassen uns deshalb wie gaaaaanz viele Einheimische einfach treiben. Flanieren und Aperöle scheint hier Volkssport Nummer 1 zu sein. Spätestens als ein ganzer Platz zu einer Guggenmusik beginnt zu tanzen, ist klar, dass hier alle ziemlich locker drauf sind. Da jede Beiz und jede Bar bis auf den letzten Platz gefüllt ist, landen wir schlussendlich für das Znacht im KFC. Ein Stilbruch, aber zum Glück haben wir schon am Mittag ein paar Tapas, die hier übrigens Pintxos heissen, abbekommen.

Spain, Bilbao, Bridge

Altamira
Zu unseren Lieblingssehenswürdigkeiten gehören ja Höhlen. Also eigentlich nicht wirklich, aber heute steht aufgrund des Unesco Status wieder mal eine auf dem Programm. Diese geht zum guten Glück in die Kategorie rasch und sehr einfach zu besichtigen. Da Sonntag und damit alles gratis ist, empfiehlt es sich rechtzeitig dort zu sein. Wir timen genau richtig und kommen tout just vor dem vollen Car an. Entsprechend müssen wir nicht lange warten und stehen bald im Höhlen-Nachbau, wo unter anderem eine Herde Wisente an die Decke gezeichnet wurde. Da wir ähnliches auch schon im Original besichtigen durften, sind wir nicht übermässig beeindruckt.

Spain, Altamira, Cave

Beeindruckt ist der Rest der Familie eher als ich ein kleines Mädchen, dass seinen Eltern davon gerannt ist, mit meinen vier Sätzen fliessend spanisch beruhige und wieder zurück zu seiner Mama bringe. Gleich nach der Höhle stossen wir auf ein hübsches Kaff mit einem netten Casco antiguo. Kurzerhand parkieren wir den Dacia und schlendern an der warmen Frühlingssonne durch die hübschen Gassen. Irgendwo an einer netten Ecke gibt es Caffe con Lecche und Pintxos. Schon am zweiten Tag unserer Spanienrundreise sind wir zu Pinxtos- resp. Tapas-Fans geworden. Was gibt es praktischeres: Man geht in eine Bar, wählt was einem ins Auge springt, stillt den Hunger und kurze Zeit später ist man wieder ready für alles weitere was noch kommt. Bei uns kommen heute noch zwei Stopps am Meer. Einmal hoch oben auf den windigen Klippen und einmal auf Meereshöhe am Strand zwischen den Klippen. Leider ist der Wind am Meer noch sehr kühl und an Baden ist nicht zu denken. In Llanes, einem kleinen und unscheinbaren Kaff am Meer, wartet das heutige Nachtlager auf uns. Während gestern gefühlt alle auf der Gasse waren, ist heute gefühlt niemand unterwegs. Irgendwo finden wir dann doch noch ein Bar, wo wir ein super feines Glas Wein und die Kids eine Oreo-Glace bekommen. Dessert als Vorspeise nennt sich das 🙂 Zum Znacht gibt es danach Dürüm. Der Laden läuft. Ein Zeichen, dass es schmeckt. Aber auch ein Zeichen, dass man heute heute wirklich sonst nirgendwo etwas zwischen die Zähne bekommt.

Spain, Llanes, Beach

Orviedo
Unser Motto für diese Reise: jeden Tag ein Unesco Welterbe. Heute übernimmt diesen Part die Kathedrale von Orviedo. Praktischerweise sind das Museum und das Kloster gleich im Rundgang der Kathedrale integriert. Ansonsten wäre es eine Kathedrale wie viele.

Spain, Oviedo, Church

Die Lieblingssehenswürdigkeit der Mädchen ist aber sowieso der Ale-Hop. Diese bis anhin nur in Spanien angetroffene Ladenkette, wo alles mögliche an Krimskrams erhältlich ist, zieht sie voll in den Bann. Wann immer einer auch nur annähernd in der Nähe ist, stehen wir früher oder später vor den Regalen. Und dies obwohl es eigentlich überall das Gleiche zu kaufen gibt… Es lebe das Ferien-Sackgeld 🙂 Orviedo ist sehr relaxt. Es hat eine grosse autofreie Fussgängerzone, wo man alles findet – ausser Tapas zum Zmittag. Trotz zahlreichen Blicken in jede Bar entdecken wir heute keine dieser Leckereien. Vielleicht suchen wir auch am falschen Ort. Egal, im Supermercato um die Ecke finden schliesslich alle etwas, das schmeckt. Auf den Hügeln bei Orviedo gibt es als Supplement noch zwei munzige Kirchlein, die auch zum Unesco Weltkulturerbe zählen. Da wir zur Siesta-Zeit hier sind, können wir diese aber nur von aussen besichtigen. Auch am Meer ist unser Timing schlecht. Die grossen, ausgehöhlten Felsenbögen, die sich los Catedrales nennen, sind wegen der Flut nicht erkennbar.

Spain, Playa de las Catedrales

Am Abend gibt es Grill mit Unterhaltung. Die Hausmutter des Bed and Breakfast spricht ausschliesslich Spanisch und textet uns zu. Mit unseren leider bescheidenen Spanischkenntnissen können wir uns zusammen reimen, dass heute ihr Hund überfahren wurde. Sie ist sehr traurig und wir wohl die ersten, denen sie dazu ihr Leid klagen kann. Das reicht, um einen Platz in ihrem Herzen zu ergattern. Ab sofort stehen wir nämlich unter ihren Fittichen. Sie hilft uns beim Einfeuern, schaut, dass alles was es braucht da ist und verteidigt zum Schluss sogar noch unser Feuer vehement gegen die kanadischen Touristinnen aus dem Bungalow nebenan. Fun Fact: die Kanadierinnen scheinen noch nie mit Kohle gegrillt zu haben. Sie fragen jedenfalls ganz genau, was sie denn nun machen müssen, damit auch ihr Grillgut gelingt.

Melias 10ter Geburi
Heute lassen wir ruhig angehen. Melia feiert ihren 10ten Geburi und zur Feier des Tages gibt es schon zum Frühstück diverse Leckereien. Happy Birthday, unsere kleine, grosse Tochter! Wir haben dich mega fest lieb und sind sehr stolz auf dich! (Dito natürlich für Anina, die ihren 12ten Geburi vor zwei Wochen zu Hause bereits gefeiert hat!) Nach einer Stunde im Auto erreichen wir Lugo. Rund um die Altstadt führt eine römische Stadtmauer, die noch vollständig erhalten ist und – surprise suprise – Unesco Weltkulturerbe ist.

Spain, Lugo, City Wall

In der Morgensonne schlendern wir auf der Mauer um die Hälfte der Altstadt. Bei der Kathedrale verlassen wir das Bauwerk und schauen uns die Kathedrale an. Diese gehört neben ganz vielen anderen Sehenswürdigkeiten zum umfassenden Welterbe des Camino de Santiago, dem Pilgerwegnetz, welches nach Santiago de Compostela führt. Interessant sind vor allem die Schlangen vor den Beichtstühlen. Es scheint, als ob ganz viel Ablass notwendig ist. Die Altstadt sonst ist eher eine Enttäuschung. Dies vor allem weil es nicht viel mit einer Altstadt zu tun hat. Fast alles ist modern und neu und der noch alte Teil wird gerade neu gemacht. Da wir noch genug Zeit haben, machen wir auf der Weiterfahrt auch noch einen kurzen Abstecher zu einem Kloster unweit von Santiago. Dieses liegt ebenfalls auf dem Jakobsweg. Wir merken, dass wir die spanischen Siesta-Zeiten immer noch nicht im Griff haben. Dass es eine Siesta zwischen 13 und mindestens 16 Uhr gibt, will uns irgendwie nicht in den Kopf. Immerhin die Girls freut es, denn so bleibt ihnen der Besuch des spontan angesteuerten Klosters erspart :-). Nicht erspart bleibt uns ein aufklärendes, aber gutes Gespräch über Flüchtlinge. Am Eingangsportal des Klosters befindet sich nämlich sehr offensichtlich erkennbar eine Asylunterkunft. Derart direkt haben die Kids noch nie Flüchtende und ihre Unterkunft bewusst erlebt. In einem grünen Tal etwas ausserhalb von Santiago de Compostela beziehen wir schliesslich direkt am Camino für die nächsten drei Nächte eine Villa. Krasser könnte der Kontrast zur Flüchtlingsunterkunft kaum sein. Normalerweise erwarten wir ja nie eine Villa wenn „Villa“ steht. Aber dieses Mal ist es tatsächlich eine. 350 m² für uns ganz alleine. Zum Vergleich: unser Zuhause am Trachselweg in Bern hat knapp 100 m². Drei Schlafzimmer mit je einem Badezimmer plus ein zusätzliches viertes WC, eine riesige Küche (also eigentlich sind es zwei Küchen), ein Esszimmer, ein Voresszimmer, eine Lounge und ein erster Stock als Wohnzimmer mit nochmals einem Esstisch und einem Kamin gehört uns ganz alleine. Dazu ein Balkon und eine Terrasse und Umschwung. Wir sind überfordert! Die Hausführung per Video dauert über 3 Minuten. Alles ist im spartanischen 70iger Jahre Stil gehalten und könnte auch eine Konstruktion von Le Corbusier sein. Es ist ein bisschen too much und doch irgendwie mega cool. Hoffentlich finden wir bei der Abreise alle unsere Sachen wieder 🙂 Wir dekorieren Küche und Esszimmer Nummer 1 für Melias Geburifeier. Danach darf sie die restlichen Päckli auspacken. Zum anschliessenden Shopping fahren in eine riesige Mall. Das Wort „riesig“ wird nach dem Einkaufen relevant. Nini und ich finden das Auto nämlich nicht mehr und irren minutenlang orientieriungslos in der Garage herum. Was wir ohne Probleme in der Mall finden ist der spanische DM und der spanische Rosssmann. Die Shopping-Queens sind im Element. Und zur Freude von Odi gibt es für das Vorznacht sogar auch noch einen Taco Bell. Im Carrefour kaufen wir schliesslich alles weitere für die Geburiparty am Abend ein. Sogar Melias grosser Wunsch nach einer Pinjada können wir erfüllen. Mit einem Apero riche und einer Regenbogen-farbigen Geburitorte geht der Tag auf der Terrasse irgendwann zu Ende. Wir sind dankbar. Dankbar, dass wir uns haben, dankbar, was wir alles haben – einfach nur dankbar.

Herkules Turm
Für heute haben wir nicht viel geplant. Das einzige was wirklich auf dem Programm steht, ist der Besuch des Herkules Turms mit Unesco-Status in A Coruna. Das Wetter könnte nicht besser sein. Bei stahlblauem Himmel besichtigen wir das römische Bauwerk. Der Legende nach hat der griechische Herkules den Riesen Geryon hier enthauptet und über dessen Gebeine den Turm gebaut.

Spain, A Coruna, Hercules Tower

Nach dem Turm strecken wir ziemlich orientierungslos die Köpfe zusammen und suchen im Lonely Planet nach einem nächsten möglichen Programmpunkt. Wir beschliessen zum Kilometer 0 des Jakobsweg Nahe Finestra zu fahren. Vorher gibt es im Kaff selber Seafood für die Eltern und Pommes und Caprese für die Kids. Das Essen der Eltern ist mässig, das Essen der Kinder gut. Ob der Michelin-Kleber am Eingang wirklich echt ist? Die meisten Pilger beenden ihre Wanderung in Santiago de Compostela. Die ganz wilden wandern weiter bis zum Kap, wo der Stein mit dem Kilometer 0 den offiziellen Endpunkt des Weges markiert. Wir sind beeindruckt ab allen Wanderern, egal ob der Weg sie bis Santiago oder gar bis zum Kap geführt hat. Die vielen pilgerenden Menschen, die wir unterwegs – meist aus dem Auto notabene – gesehen haben, wirken irgendwie motivierend. Wer weiss, vielleicht legen wir ja auch mal ein paar Wandertage auf dem Jakobsweg ein… Leider haben wir die kurzen Hosen und auch das Badezeugs in der Villa vergessen.

Spain, Fisterra, Coast

Der Stopp an einem wunderschönen Sandstrand dauert deshalb nicht lange. Einige finden es viel zu heiß in den Jeans und wünschen sich die kurze Hosen herbei. Immerhin: Im Meer wäre wohl auch mit Badezeugs niemand gelandet. Das Wasser ist nur gerade 14 Grad warm… Zurück in der Villa machen alle wozu sie nach dem langen Tag gerade Lust haben. Nach dem Apero schlage ich entgegen den ursprünglichen Plänen vor, dass wir den schönen Abend doch in Santiago ausklingen lassen könnten. Und so verbringen wir die ersten Stunden in der schönen Altstadt. Wir fühlen uns in diesem geschichtsträchtigen Ort sofort wohl. Die Sonne und die Abendstimmung tragen das ihrige dazu bei. Das Resti suchen die Kinder aus – Asian Food. Praktischerweise gleich neben einem Ale-Hop…

Santiago de Compostela
In jeder spanischen Stadt scheint es genügend Parkhäuser zu geben. Wir finden deshalb auch heute Nahe der Altstadt easy einen freien Parkplatz. Dass diese zudem auch immer bezahlbar sind, ist eine weitere Überraschung. Interessanterweise ist die Menge an Verkehr trotzdem immer sehr überschaubar. Zum Glück wissen die Kids am Morgen noch nicht was sie heute erwartet. Sonst wären sie wohl nicht so fix aufgestanden 🙂 Wir werden nämlich rund sechs Stunden vor, auf, in und um die Kathedrale verbringen. Unser erstes Ziel ist das Portico de la Gloria. Obwohl es das eigentliche Eingangstor zur Kathedrale ist, dient es nicht mehr als Eingang und kann nur zum vorgebuchten Zeitpunkt besucht werden. Jede Gruppe bekommt 25 Minuten, um die vielen Figuren am Tor zu besichtigen. Tönt nach viel, ist es aber nicht unbedingt. Wir brauchen tatsächlich fast die ganze Zeit. Danach schauen wir uns das Museum inkl. anliegendes Kloster an. Das finden wir alle eher mässig spannend. Die ausgestellten Stücke sind für Laien wie uns doch in jeder Kathedrale immer wieder gleich und ähnlich. Vor dem nächsten gebuchten Programmpunkt lassen wir uns durch die autofreien Gassen der Altstadt zum lokalen Markt treiben. Wir verköstigen uns über die Gasse und landen irgendwann wieder vor der Kathedrale. Die Menge an Menschen auf dem Platz ändert sich ständig. Je nachdem wie viele Pilger ankommen ist der Platz unterschiedlich voll. Immer wieder ist lauter Jubel zu hören, wenn jemand – laut sind meistens die Gruppen – das Ziel erreicht hat. Die Stimmung ist einmalig und eindrücklich. Wieso pilgern eigentlich alle nach Santiago de Compostela? Nun, Santiago de Compostela ist der dritt wichtigste Wallfartsort der Katholiken – nach Jerusalem und Vatikan – und der Apostel Jakob ist hier begraben. Warum die Menschen überhaupt pilgern, ist eine individuelle und persönliche Sache und muss jeder für sich selber bestimmen. Der Höhepunkt des Tages folgt jetzt: wir gehen auf das Dach der Kathedrale. Die Tatsache auf dem Dach der Kathedrale zu stehen, ist spektakulär und der Perspektivenwechsel einfach toll. Zum Schluss folgt noch der Besuch der Kathedrale an und für sich. Diesen nehmen wir dann mehr oder weniger einfach noch so mit. Ziemlich erledigt, fahren wir retour zur Villa. Siesta… Ausgeruht geht es später nochmals zurück in die Stadt. Shopping und vor allem etwas zu Essen stehen auf dem Programm. Damit geht unser Besuch von Santiago de Compostela auch bereits zu Ende. Eindrücklich wars!

Spain, Santiago de Compostela, Cathedral

Der Aufreger des Tages folgt dann noch am Abend spät. Die Mädels schminken sich mit dem neu erstandenen Nagellackentferner ab… natürlich nicht absichtlich, sie dachten, sie hätten Make-up-Entferner gekauft. Mal schauen, ob es morgen trotzdem noch ein paar hübsche Fotos von den beiden gibt…

Las Medusas und eine unerwartete Osterprozession
Glück gehabt, die hübschen Gesichter sind immer noch hübsch. Nach drei Nächten am gleichen Ort packen wir alles wieder in unsere Koffer. Im Landesinnern fahren wir wieder in die anderen Richtung; in Richtung Osten. Unterwegs machen wir einen Stopp in Las Medusas (Weltkulturerbe). Die Landschaft mit den tiefroten Felsen gefällt und ist sehr fotogen. Die Römer haben hier Gold für ihr Reich schürfen lassen. Übrig geblieben ist die besondere Landschaft mit den roten, unbewachsenen Felsen. Für eine Wanderung fehlt die Motivation sowie die Ausrüstung und zum Glück auch die Zeit. So ist rasch entschieden, dass uns eine kurze selbst geführte Tour durch einen alten Minenkanal für heute reicht.

Spain, Las Medulas

In Leon beziehen wir direkt in der Altstadt unser Nachtlager. Die Dame an der Reception erzählt irgendetwas von einer Osterprozession, die heute um acht Uhr gleich auf dem Platz neben dem Hotel beginnen soll. Wir nehmen die Info dankend zur Kenntnis und haben keinen grossen Plan was das bedeutet. Spazierend geht es nun erstmals durch die Altstadt zur Kathedrale. Die Stadt ist voll mit Apero trinkenden Menschen. Als wir zum Einkehren ready sind, verschwinden auf einmal wie von Zauberhand alle Tische und Stühle vor den Bars. Ein erstes Mal dämmert uns, dass diese Prozession eine grössere Sachen werden könnte. Wir gehen zurück zum Platz beim Hotel und staunen nicht schlecht, als wir all die Menschen sehen, die sich dort versammelt haben. Auch hier sind freie Plätze in einer Bar, die auch draussen noch etwas serviert natürlich Fehlanzeige. Da unser Fenster im Hotelzimmer direkt auf den Platz geht, beschliessen wir, dem Treiben von oben zuzuschauen. Pünktlich um zwanzig Uhr fangen alle Glocken der Stadt an wie wild zu bimmeln. Dies ist der Startschuss für den Umzug, welcher nur ein paar Meter vor unserem Hotel beginnt und direkt an unserem Fenster vorbei führt. Von zwei Musikgruppen (vergleichbar mit einer Gugge bei uns, aber mit weniger fröhlicher Musik und ohne Fasnachtskostüme dafür in Uniformen) begleitet, laufen diverse nachdenklich wirkende Vertreter der katholischen Kirche am Umzug mit. Ganz besonders crazy, ist ein riesiges Podest mit Skulpturen von Maria und Jesus und einem riesigen Kreuz darauf. Dieses scheinbar sehr schwere Podest ist der wichtigste Bestandteil des Umzuges und muss von ganz vielen Männern getragen werden. Die Frauen dürfen in schwarzen Kleidern, die sie aussehen lassen wie Witwen, netterweise auch mitlaufen. Nach ungefähr zehn Minuten ist der Spuk vorbei – denken wir. Wir machen uns für das Znacht in der Altstadt parat. Leider hat aber der halbe Umzug in der Zwischenzeit wieder kehrt um gemacht und blockiert nun quasi den Hoteleingang. An ein Durchkommen ist nicht zu denken.

Spain, Leon, Procession

Da es nun auch noch angefangen hat zu regnen und es bereits wieder nach neun Uhr ist – in Spanien ja eigentlich die perfekte Znacht-Zeit, für uns aber langsam aber sicher höchste Znacht-Zeit – beschliessen wir es bei einer Nudelsuppe im Hotel zu belassen. Schade, mindestens ich hatte mich geistig auf Tapas eingestellt. Statt kulinarisches einheimisches gibt es somit heute Abend „nur“ kulturelles einheimisches. Die „Santa Semana“ und damit die Osterfeierlichkeiten haben damit offiziell begonnen.

Atapuerca und Burgos
Es ist nass, grau und kalt. Wie angekündigt hat das Wetter umgeschlagen. Die gute Nachricht: heute schlagen wir über die Stränge und schauen uns zwei Unesco Welterbestätten an. Nach zwei Stunden auf der Autobahn erreichen wir die Sierra de Atapuerca. 1901 sollte hier eine Eisenbahnstrecke gebaut werden. Dazu mussten auch Schneisen in die Landschaft geschlagen werden. In einer dieser Schneisen stiessen die Bauarbeiter auf Höhlen und in diesen Höhlen wiederum wurden Fossilien der frühesten Vorfahren der heutigen Menschen Europas gefunden. Die Skelette sind zwischen 780´000 und 120´000 Jahre alt. Wir schauen uns in einer Gruppe die Ausgrabungsstätte an. Tönt interessant, ist es aber nur bedingt. Erstens sieht man nicht viel und zweitens verstehen wir kein Wort von der spanischen Führung. Unser spanisch reicht mehr oder weniger für den Alltag, aber definitiv nicht für eine archeologische Führung :-). In Burgos gibt es dann wieder einmal etwas richtiges in den Magen. Im Taco Bell lassen wir es uns gut gehen. Unser Hotel ist einmal mehr ein Glücksgriff. Etwas kostspieliger als auch schon, aber aufgrund der Lage jeden Rappen wert. Es liegt nämlich Tür an Tür zur wunderschönen Kathedrale (Weltkulturerbe). Direkt vom Zimmer haben wir einen super Blick.

Spain, Burgos, Cathedral

Fairerweise müssen wir aber auch erwähnen, dass wir bald eine Kathedralen-Überdosis haben und wir diesbezüglich nicht mehr ganz so motiviert wie auch schon sind. Natürlich schauen wir uns das Bauwerk trotzdem auch von innen an. Das Städtchen ist auch sonst sehr schmuck. Aufgeräumt, sauber, lebendig, verkehrsfrei, überall Bars, Cafes, Shops, usw. Bezüglich Nachtessen sind wir lernfähig. Wir rücken nicht mehr allzu früh aus, sind aber immer noch ein paar Minuten früher unterwegs als die Einheimischen und finden so auch ohne Reservation einen Platz. Heute zur Abwechslung in einem Sushi-Restaurant. Jammie… Auch in Burgos gibt es am Abend eine Osterprozession. Weit nach zehn Uhr können wir die Musik im Zimmer hören. Wir bleiben im Bett liegen und verzichten heute auf eine erneute Teilnahme an der Osterprozession.

Tapas und Rioja!
Das Wetter ist immer noch regnerisch. Auf der Fahrt zu den Klöster Yuso und Suso (beide Kulturerbe) kommen uns ganz viele Pilger entgegen – heute mit Regenschutz ausgerüstet. Sie alle sind auf dem berühmtesten der Pilgerwege, dem Camino Frances, unterwegs. Teilweise hat das Ganze etwas von einer Völkerwanderung. Und trotzdem sind wir nach wie vor fasziniert. Die neuste (Furz-)Idee für die mittlere Zukunft: zur Pensionierung nehmen Odi und ich einen der Pilgerwege unter die Füsse und die Mädels nehmen uns am Ziel in Santiago de Compostela in Empfang. Schauen wir mal… 🙂 Bereits zu Hause haben wir erfahren, dass eines der beiden Klöster kurzfristig wegen Renovation geschlossen wird. Erst haben wir uns ein bisschen darüber geärgert. Aber nach dem ersten Kloster sind wir nun fast ein wenig froh darüber. Wiederum ist nämlich alles nur mit einer auf spanisch durchgeführten Tour begehbar. Vor allem die Kids finden dies langsam aber sicher ziemlich anstrengend, da sie ja noch weniger als wir verstehen und Klosterbesuche auch an und für sich nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehören. Da es auch noch in strömen regnet, fällt ebenfalls das Verweilen rund um die Bauwerke buchstäblich ins Wasser. Wir sitzen deshalb bald wieder im Auto und fahren weiter nach Logrono. Den Nami verbringen wir in der Ferienwohnung. Wir nutzen die letzte Waschmaschine der Reise, machen eine ausführlichere Runde Franz-Voci und chillen, um es in den Worten der Kids zu sagen, ein bisschen herum. Das Kaff selber scheint ziemlich untouristisch. Im Lonely Planet wird es trotzdem erwähnt; wegen der herausragenden Tapas-Szene. Und wegen des Rioja. Logrono ist die Rioja-Hauptstadt und umgeben von zahlreichen Weinanbaugebieten. Bevor es aber Zeit für Tapas und Wein ist, schlendern wir mit den Einheimischen durch die Fussgänger-Zone. Die Mädels gehen ein letztes Mal in den Ale-Hop. Ein gewisser Trennungsschmerz macht sich bemerkbar. Dann ist es endlich Zeit für die Tapas-Strasse(n). Gemäss Recherchen soll es hier auf 80 Meter 300 Bars geben. Und das gleich zwei Mal, weil es zwei dieser Strassen gibt. Wir haben gelesen, dass man unbedingt mehrmals einkehren muss. Denn jede Bar hat ihre eigenen Leckereien. Wir schaffen drei Besuche. Das Prozedere ist immer gleich: Tapas, Wein, Cola bestellen und geniessen. Beim Wein verlassen wir uns immer blind auf die Empfehlung des Hauses. Die Tapas suchen wir dem Auge folgend selber aus. Vor allem ich bin im Himmel!

Regen in den Pyrenäen
Unsere Planung wäre einmal mehr optimal: wir fahren direkt zum National Park rund um den Monte Perdido (Weltnaturerbe) und machen eine rund zwei stündige Wanderung. Soweit die Theorie. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung – mindestens einigen der Familie, aber dazu später mehr. Es schifft in strömen! Wir halten trotzdem beim Besucherzentrum und erhalten die gewünschte Wanderempfehlung.

Spain, Monte Perdido, Fog

Schmunzelnd, dass die Dame uns trotz Wetter voll motiviert die Wanderung empfohlen hat, fahren wir zum Parkplatz weiter hinten im Tal. Hier wird klar, warum die Dame so motiviert war. Der Parkplatz ist voll – und er ist riesig! Es scheint, als ob sich die Spanier nichts aus schlechtem Wetter machen und trotz notabene strömendem Regen wandern gehen. Na dann, müssen wohl auch wir wenigstens so tun, als ob uns das Wetter egal ist. Zugegebenermassen sind wir nicht richtig ausgerüstet für dieses Hundewetter. Ich bin dann auch die Erste die nach wenigen Minuten kehrt um macht und wieder zum Auto geht. Der Regen ist das eine, der matschige Wanderweg das andere Übel. Die drei anderen laufen tapfer noch ein paar Minuten weiter, kommen dann aber recht bald auch wieder zum Parkplatz. Schade Marmelade, so haben wir uns das logischerweise nicht vorgestellt. Aber immerhin: es regnet nur und schneit nicht auch noch… ein paar Höhenmeter weiter oben ist es nämlich weiss. Nach einem Apero im Hotel beschliesst Odi es doch nochmals zu versuchen. Wir Mädels bleiben am Trockenen resp. werden in der Badewanne kontrolliert nass. Odi zieht seinen Plan durch. Fast zwei Stunden ist er unterwegs. Teilweise im strömenden Regen. Unnötig zu erwähnen, was er danach war: nass, nässer, pflotschnass!

Valle de Boi
Es regnet immer noch. Und leider regnet es auch im Valle de Boi, unserem nächsten Ziel. Es scheint fast, als ob die Regenwolke über unserem Auto mitwandert. Immer wenn wir nämlich das Auto verlassen, fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten. Im Valle de Boi gibt es zahlreiche kleine Kirchen, die aus dem 11ten und 12ten Jahrhundert stammen. Alle haben ihre Eigenheit und als Gesamtes zählen sie zum Unesco Weltkulturerbe. Wir schauen die fünf schönsten Exemplare an.

Spain, Val de Boi, Church

Das Wetter ist weiterhin garstig. Inzwischen sind wir aber glücklich, dass es nicht schneit. Unsere App meldet nämlich Schnee. Nichts desto trotz gefällt es uns in den kleinen Dörfern mit den Steinhäusern. Das Ganze hat seinen eigenen Charme. Gefallen tut uns auch das Essen im Hotel. Wir lassen uns zum Zmittag und zum Znacht mit einheimischen Spezialitäten verwöhnen.

Andorra!
Heute verlassen wir Spanien und fahren nach Andorra. Ein spezielles Highlight unserer Reise, da dieses Land für uns Neuland ist. Das Wetter ist trocken und immer wieder sendet sogar die Sonne ein paar Strahlen in unsere Richtung. Die Temperaturen sind nach wie vor frostig. Links und rechts der Strasse liegt sogar etwas Schnee. Daran ändert sich auch in Andorra nichts. Wir machen einen Spaziergang hoch oben über der Hauptstadt im Vall Madriu-Perafita-Claror (Weltnaturerbe) und entdecken sogar einen Mini-Schneemann. Danach gehen wir auf Shopping-Tour in Andorra la Vella. Das Land gilt als zollfrei und deshalb als Shoppingparadies. Nun ja, wir fühlen uns eher wie im Duty Free am Flughafen. Und das wäre es dann auch schon, was man hier günstig erstehen kann: Zigaretten, Alkohol, Parfüm. Alles andere finden wir nicht wirklich speziell günstig und wir verfallen entsprechend auch nicht in einen Shoppingrausch. Zum Znacht landen wir einmal mehr in einem Ramen-Laden. Die Girls haben in diesen Ferien Ramen und Udon kennengelernt und lieben es. Uns Eltern freut es immer besonders, wenn die Kiddies wieder etwas neues kennen, essen und schätzen lernen.

Toulouse
Bevor wir das neunt kleinste Land der Welt wieder verlassen, fahren wir in die Höhe. Auf fast 2000 Meter über Meer gibt es eine spezielle Aussichtsplattform, die über den Felsen hinaus ragt und einen Glasboden hat. Eigentlich hätten wir es uns denken können: es haut uns nicht aus den Socken. Ähnliche Plattformen gibt es auch in der Schweiz. Nebenbei ist der Glasboden auch noch mit Schnee bedeckt, womit auch dieser Sondereffekt nichts bringt. Schnee sehen wir auch auf den letzten Kilometern in Andorra immer mehr. Je näher wir zu Frankreich kommen, desto weisser wird es. Wir fahren durch zahlreiche Skigebiete mit einer schier unfassbaren Anzahl an Hotels. Die Pisten sind immer noch präpariert und wir sehen doch einige Wintersportler, die motiviert die Piste runter kurven. Uns ist mehr nach Frühling und Wärme und wir fahren weiter nach Frankreich. In Toulouse werden wir heute die Heimreise unterbrechen. Die französische Stadt ist äusserst charmant und die Altstadt mit seinen zahlreichen autofreien Gassen sehr hübsch. Kaum zu glauben, dass wir in der vier grössten Stadt Frankreichs unterwegs sind. Hier begegnen wir auch noch ein letztes Mal dem Jakobsweg: die Kathedrale gehört zum umfassenden Welterbe des Camino.

France, Toulouse, Houses

Vichy
Am zweitletzten Tag stehen nochmals 1,5 Unesco Welterbe auf dem Programm. Die 1 gehört Chaine des Puys, einer Kette von vulkanischen Bergen, die sich über 30 Kilometer erstreckt und an die hundert erloschene Vulkane beheimatet. Wir fahren mit der Bahn auf 1465 Meter über Meer und damit auf die höchste Erhebung der Vulkankette, den Puy de Dome. Der Spaziergang rund herum dauert 40 Minuten. Die Fernsicht ist gut und wir können einige alten Vulkane sehen. Der Wind lädt nicht zum Verweilen ein und wir fahren nach dem Spaziergang bald wieder runter. Rund eine Autostunde weiter liegt Vichy, die 0.5. Vichy ist Teil des umfassenden Welterbes der europäischen Kurstädte. 12 Quellen entspringen im Stadtgebiet und werden auch heute noch genutzt. Für alles mögliche soll das Wasser mit den unterschiedlichsten Temperaturen und Mineralien helfen. Wir probieren von keinem. Wir haben die Flaschen im Auto vergessen… Hübsch ist es allemal. Noch hübscher wäre es, wenn nicht die Hälfte des Parks um die diversen Bäder herum eine riesige Baustelle wäre.

France, Vichy, Opera

Zum Znacht fahren wir in einen Vorort. Wir geniessen unser letztes Znacht dort, wo wir am ersten Abend auch eingekehrt sind: im Buffalo Grill. Fun Fact: die Kette ist das beliebteste Restaurant der Franzosen. Mindestens ist dies so auf Wikipedia zu lesen.
Damit endet unser diesjähriger Road Trip in Europa. Morgen geht es in einem Schuss zurück nach Bern. Spanien hat uns alle überzeugt. Wir werden bald wieder kommen und haben bereits zwei mögliche Routen im Kopf. In diesem Sinne: Hasta luego y gracias!

France

Tour de France
Finalement des vacances! Das Gepäck ist rasch im Kofferraum verstaut und wir damit bald ready für die Abreise. Die nächsten zwei Wochen machen wir einen Road Trip durch Frankreich. Wir werden mehr oder weniger das ganze Land einmal umkreisen und dabei möglichst viele Unesco Welterbe des Landes besichtigen. Den Anfang macht die Zitadelle von Besancon. Das Wetter ist schon fast sommerlich und der Spaziergang durch die Zitadelle nach der kalten Jahreszeit einfach nur schön. Weniger schön ist der Zoo, welcher hier auch noch integriert ist. Das hätten sie sich sparen können. Die Viecher haben es mässig nett und man verpasst nichts, wenn man diesen Teil ignoriert. Nach einem kurzen Stopp in einem Supermarkt, wo wir uns mit dem wichtigsten eindecken, fahren wir noch rund eine Stunde nach Beaune. Das Kaff liegt im Burgund und das Gebiet gehört als Weingegend zum Unesco Weltkulturerbe. Weinberge finden wir heute (noch) keine. Das Kaff selber ist sehr hübsch. Wir besuchen die Kathedrale, die Altstadt und ein sehr kleines Museum zum Burgund. Klares Highlight des Städtchens ist aber das Hôpital de Dieu. Bis in die 70er Jahre wurden hier bedürftige und kranke Menschen gepflegt. Der grosse Schlafsaal mit den Einzelkoien beeindruckt ebenso, wie das riesige farbige Schiefer-Dach.

France, Baune, Hospital

Im Kaff selber finden wir vor allem überfüllte Apero-Beizli. Alle zieht es an die frische Luft. Wir lassen diesen Programmpunkt deshalb direkt aus und suchen stattdessen etwas ausserhalb ein Restaurant. Mangels gescheiten Alternativen landen wir schlussendlich in einer uns bisher nicht bekannten amerikanischen Burgerkette im Restaurant-Styl. Zu unserer Überraschung schmeckt es allen richtig gut.

Nudelsuppe im Loire-Tal
Noch sind wir etwas unkoordiniert unterwegs und es dauert ein bisschen länger als üblich bis alles wieder seinen Platz im Auto gefunden hat. Nach einem Biss Baguette und einem Fotostopp in den Weinreben verlassen wir das Burgund auch schon wieder. Über Landstrassen fahren wir in drei Stunden nach Bourges. Hier wartet das nächste Unesco Weltkulturerbe auf uns: die Kathedrale. Das Timing könnte nicht besser sein. Wir treffen genau zum Ende der Messe ein. Kurz ist der Platz voller Leben. Bereits nach einigen Minuten wirkt das Kaff wieder wie ausgestorben. Der Sonntags-Groove lässt grüssen. Bevor wir uns das Innere der Kathedrale anschauen, verpflegen wir uns kurz und einfach im einzigen geöffneten Laden: dem Carrefour. Von innen ist die Kathedrale irgendwie wie jede andere. Aber vielleicht sind wir auch einfach nur einfach Banausen… richtig begeistert sind wir auf alle Fälle nicht. Nach einer weiteren Stunde kommen wir im Loire-Tal an. Es gibt hier unzählige Schlösser, die man besichtigen könnte und die natürlich auch zum Weltkulturerbe gehören. Wir haben zu Hause deren drei ausgewählt, auf die wir uns auf dieser Reise beschränken wollen. Es gilt zu verhindern, dass jemand aus der Reisegruppe den Schlösser-Blues bekommt. Den Anfang macht das Schloss von Chambord.

France, Chambord, Castel

Nett und schön, aber nicht annähernd wie Versailles und mehr als vergleichbar mit anderen Schlösser, die wir schon besichtigt haben. Im Hotel angekommen lagern die einen die Füsse hoch und die anderen versuchen die noch vorhandene überschüssige Energie los zu werden. Das Znacht wird genau so kurz und einfach wie das Zmittag. Die Kids wollten schon immer mal eine Instant-Nudelsuppe essen. Und da wir wussten, dass es hier wohl eher wenig bis keine Verpflegungsmöglichkeiten gibt und wir auch keine Küche haben, führen wir sie heute in dieses kulinarische Highlight ein. Beide sind begeistert und es scheint, als ob wir für künftige Engpässe einen praktischen Plan B gefunden hätten – gut so.

Happy Birthday, liebe Melia!
Heute wird Melia neun Jahre alt. Unglaublich wie die Zeit vergeht. Wir wünschen dir nur das Beste zu deinem Geburtstag, haben dich mega lieb und sind unendlich stolz. Auf dich, unsere wunderbare Tochter!
Zur Feier des Tages spielen wir ein bisschen Prinzessin. Nach dem ersten Ständchen und den ersten Kerzen, stehen die zwei weiteren Schlösser auf dem Programm. Zuerst fahren wir zum Schloss Chenonceau. Wir sind beeindruckt, wie das Schloss von der einen Uferseite zur anderen gebaut wurde. Gepaart mit den knall grünen Gärten, den blühenden Blumen und dem stahlblauen Himmel wirkt alles schon fast ein bisschen kitschig. Das Schloss ist eine Nummer kleiner als die Version von gestern und wurde ausschliesslich von Damen bewohnt. Auch die Anzahl Touristen ist überschaubarer. Noch eine Spur kleiner und hübscher und überschaubarer und romantischer ist das Schloss Aazay-le-Rideau. Wir sind uns alle einig, dass wenn wir denn müssten, wir wohl am liebsten hier gewohnt hätten.

France, Chenonceau, Castel

Nach der Besichtigung der beiden Schlösser verlassen wir das Loire Tal wieder und fahren in den Norden. Rund drei Stunden Autofahrt liegen vor uns, bevor wir DAS grosse Highlight unserer Reise erreichen. Schon ewig lange wollten wir hier hin und nun sind wir bald endlich da: Mont-St-Michel wir kommen. Die Fahrt geht Dank guter Autobahnen und wenig Verkehr rasch vorbei. Um fünf Uhr beziehen wir unser Cottage mit fast direktem Ausblick auf das Highlight. Schon aus der Ferne vermag die Insel im Meer zu beeindrucken. Für heute belassen wir es bei diesem Anblick und feiern noch ein wenig Melias Geburi. Papa macht ein Feuer und ein paar Würstli. Zum Dessert gibt es ein paar reich verzierte Mille feuille à la Anina. Das Geburikind ist glücklich und zufrieden und dann irgendwann doch noch ins Bett zu kriegen.

Mont St. Michel
Damit wir die grosse Flut nicht verpassen, stellen wir den Wecker. Wir haben zufälligerweise einen der wenigen Tage im Monat erwischt, wo die Insel vollständig von Wasser umgeben ist und somit auch wirklich zur Insel wird. Vom Parkplatz aus laufen wir die rund 3 Kilometer zur Insel. Es ist garstig, windig und ziemlich kalt. Trotzdem geniessen wir den Spaziergang – notabene ohne andere Touristen. Tatsächlich ist Mont St. Michel bei unserer Ankunft am Ende des Stegs zu Fuss nur mit nassen Füssen zu erreichen. Die Flut versperrt die letzten paar Meter auf zur Insel. Den Touristen bleibt nichts anderes übrig als geduldig zu warten bis der Übergang einigermassen frei ist. Das Wasser wird von Minuten zu Minuten sichtbar weniger. Irgendwann nutzen auch wir die Gelegenheit zwischen zwei Wellen und überqueren die letzten Meter auf die Insel. Einige Familienmitglieder bekommen trotzdem nasse Schuhe… Die Wasserhöhe kann in dieser Gegend zwischen Ebbe und Flut 15 Meter (!) ausmachen. Das ist Gezeitenrekord in Europa. Auf der Insel angekommen, laufen wir auf dem Hauptweg zum Kloster. Alles was man hier kaufen kann, ist total überteuert. Das merken wir spätestens als wir uns die teuersten Gummibärli ever kaufen. Leider haben wir den Gramm Preis nicht vorab gecheckt. Wie viel wir bezahlt haben, bleibt unser Geheimnis. Nur so viel, es war 4x mehr als in einem normalen Laden. In der Abbey lassen wir uns dem offiziellen Rundgang entlang treiben. Die Szenerie beeindruckt uns sehr und wir sind glücklich, dass wir es endlich hierher geschafft haben. Unter einem grossen Baum gibt’s ein Sandwich. Es gilt die gierigen Möwen von uns fern zu halten. Dank den riesigen Ästen gelingt uns dies zum Glück ohne Probleme. Danach ist es auch schon wieder Zeit die beeindruckende Insel zu verlassen. Wir sind uns einig, dass der Mont St. Michel unsere Erwartungen zu 100% erfüllt hat. Mit dem Shuttle fahren wir zurück zum Parkplatz. Nach einem kurzen Stopp im Ferienhaus steht noch ein bisschen Shopping auf dem Programm. Im Décathlon und Carrefour decken wir uns mit allen möglichen Dingern ein. Teilweise sind die Klamotten um sehr viel günstiger als zu Hause. Vor allem finden wir für die Kids T-Shirts, die in Bern nicht jeder an hat. Auf dem Rückweg suchen wir noch einmal einen anderen Blick auf die Insel. Jetzt sollte das Wasser den tiefsten Stand erreicht haben. Trotzdem fällt unsere kleine Wanderung wegen dem Schlamm eher ins Wasser resp. in den Schlamm. Den Abend verbringen wir in unserem Cottage und werfen noch einmal den Grill an. Das Wetter ist top. Die Sonne scheint weiter, aber der Wind ist garstig wie eh und je. Am Abend hätten wir nochmals die Möglichkeit die volle Flut zu bestaunen. Aber der Tag war lang und wir belassen es bei dem was wir bereits gesehen haben. Wir sind immer noch alle begeistert und werden Mont Saint Michel bestimmt in bester Erinnerung behalten.

France, Mont Saint Michel

Sur l’autoroute
Heute verbringen wir die meiste Zeit im Auto. Damit wir eine bestimmte Bootsfahrt machen können (mehr dazu Morgen), mussten wir unseren Zeitplan um einen Tag optimieren. Das Boot fährt nicht jeden Tag. Nach dem letzten Blick auf Mont Saint Michel in der Morgensonne geht es wieder südwärts. Fast 5 Stunden später machen wir einen kurzen Stopp beim Kloster Saint-Savin sur Gartempe. Natürlich gehört dieses auch zum Unesco Weltkulturerbe. Grund sind die uralten Fresken an der Decke der dazugehörigen Kirche. Nach dem kurzen Stopp nehmen wir die letzten zwei Stunden unter die Räder. In Royan beziehen wir quasi direkt am Meer das Hotel. Das Wetter ist immer noch eher kühl und windig. Trotzdem hat es schon Surfer im Meer und einige Unerschrockene, die in der Badehose am Strand sitzen. Daneben gibt es aber auch welche, die mit der Winterjacke und der Mütze die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings geniessen. Wir bewegen uns irgendwo dazwischen. Die Girls konnten nämlich den kurzen Hosen nicht widerstehen. In einer Pizzeria mit Meerblick geniessen wir zum Abschluss des Tages ein feines Znacht.

Leuchtturm von Cordouan
Während der Autofahrt habe ich gestern zufälligerweise gelesen, dass unsere heutige Bootsfahrt allenfalls etwas abenteuerlicher werden könnte, als erwartet. Je nach Gezeiten ist der Leuchtturm, den wir besuchen werden und sich notabene mitten im Meer befindet, nur durch das Wasser watend (= Wasser max. bis zu den Oberschenkeln) erreichbar. Umso gespannter sind wir nun alle was uns heute erwarten wird. Der erste Teil der Fahrt ist schon mal easy und ruhig. Mit einem grossen Schiff tuckern wir in Richtung Leuchtturm. Irgendwann können wir rechts von diesem eine lange Sandbank ausmachen. Und irgendwann kurz davor müssen wir dann auch vom grossen Schiff auf ein kleineres Amphibienfahrzeug umsteigen. Nach einer kurzen Fahrt im Wasser werden die Räder herunter gelassen und wir fahren die letzten Meter im ca. knöcheltiefen Wasser zum Leuchtturm. Entgegen meinen Befürchtungen kann uns das tolle Gefährt sogar direkt zum Leuchtturm bringen und wir steigen trockenen Fusses aus. Der Leuchtturm von Cardouen ist 60 Meter hoch und der einzige Leuchtturm, welcher mitten im Meer steht und offiziell besucht werden kann. Vor kurzem wurde dieser unter anderem deshalb zum Unesco Weltkulturerbe ernannt. Wir separieren uns von der offiziellen Führung und machen uns mit einem Prospekt auf Deutsch bewaffnet alleine auf Entdeckungsreise. 301 Stufen führen nach oben. Die Flut hat sich seit unserer Ankunft schon beachtlich zurück gezogen und wir können nun auch bereits den eigentlichen Steg mehr oder weniger ausmachen. Im Leuchtturm gibt es auch eine Kapelle und einen Königsraum. Ein König war zwar nie hier, aber immerhin war man so stets auf alles vorbereitet. Zwei eindrückliche Stunden später treffen wir am Ende des Steges quasi im offenen Meer wieder auf die Gruppe. Das Wasser hat sich nun derart weit zurückgezogen, dass man sogar zum grossen Schiff laufen kann. Wir verzichten darauf. Spätestens jetzt hätten wir die Schuhe ausziehen müssen. Zudem ist die Fahrt auf einem Schiff auf Rädern mindestens so toll. So oder so ist es einmalig quasi mitten im Meer Boden unter den Füssen resp. Rädern zu haben. Schon fast am richtigen Ufer angekommen, ist der Wasserstand dann immer noch derart tief, dass wir sogar nochmals ins kleinere Boot wechseln müssen. Der grosse Kahn kann nicht in den Hafen fahren und anlegen. Zufrieden und beeindruckt, haben wir schliesslich wieder festen Boden unter den Füssen.

France, Cordan, Lighthouse

Unser Nachtlager schlagen wir heute in einem für die Austernzucht berühmten Gebiet unweit von Bordeaux auf. Direkt an einem hippen Hafen beziehen wir ein tolles Zimmer – quasi ein Wasserbungalow. Zum Apéro gilt es Ernst: es gibt für Mama und Papa zum ersten Mal in ihrem Leben Austern. Wir setzen uns in eine Bar und lassen uns von der engagierten Inhaberin zeigen, was wir nun genau machen müssen. Zu unserem Erstaunen schmecken die Dinger gar nicht mal soooo schlecht.

Dune du Pilat et Bordeaux
Die höchste Düne von Europa, die Dune du Pilat, ist knapp über 100 Meter hoch. Heute wollen wir diese Düne besteigen. Wer will kann über eine Treppe relativ bequem in die Höhe. Wir wählen den natürlichen Weg und steigen im Sand nach oben. Der kühle Sand an den Füssen ist wunderbar. Auch der Ausblick ist cool. Die Düne endet direkt im Meer und dank der klaren Sicht und den unterschiedlichen Farben besonders eindrücklich. A taste of Namibia, nur mit der „falschen“ Sandfarbe, meinen die Kids. Am frühen Nami treffen wir in Bordeaux ein. Wir parkieren das Auto in der Hotel-Garage und machen uns auf die Stadt zu erkunden. Bordeaux gehört auch zum Unesco Weltkulturerbe. Die Stadt ist wirklich charmant und das französische Flair schlägt uns praktisch an allen Strassenecken entgegen. Leider haben fast alle Brunnen kein Wasser. Damit fällt leider auch das berühmte Wasserspiel resp. die Wasserspiegelung buchstäblich ins Wasser resp. ins Trockene. Stattdessen widmen wir uns dem kulinarischen Wohl: Gelati für die Kinder, Aperol für die Eltern. Gefolgt von Canele, einem kleinen Gugelhopf, den nur die Eltern fein finden. Zum Abschluss ein Glas Wein für die Eltern und ein Aperoplätti für alle. Wer auf der Durchfahrt ist: Bordeaux ist wirklich ein Besuch wert.

France, Bordeaux, Church

Saint-Emilion
Nur eine kurze Fahrt vor Bordeaux entfernt, liegt Saint-Emilion. Ein schmuckes Städtchen mit vielen Weinbergen, welches es wie viele Weingegenden zum Unesco Weltkulturerbe geschafft hat. Bei sommerlichen Temperaturen schlendern wir durch die engen Gassen. Es hat kaum Touristen. Einmal mehr haben wir das Gefühl in der totalen Nebensaison unterwegs zu sein. Warum das so ist, bleibt ein Rätsel. Im Städtchen selber hat es diverse alte Bauwerke, die man besichtigen kann. Zum Teil holt man einfach den Schlüssel im Tourismus-Büro und steigt zum Beispiel selber auf den Kirchenturm. Leider kann man die unterirdische Kirche nur mit einer Tour besuchen. Dieses Bauwerk lassen wir deshalb aussen vor. Wir sind trotzdem länger als erwartet in diesem Kaff unterwegs.

France, Saint Emilion

Nach einem Schluck Wein verlassen wir Saint-Emilion wieder und fahren weiter ins Val Vézère. Eigentlich ist erst der morgige Tag dieser Region und seinen zahlreichen Höhlen gewidmet. Da wir aber noch genug Zeit haben, wollen wir schon heute eine Sight anschauen. Hier in der Gegend hat der europäische Frühmensch – le cro-magnon – gewohnt und die Region zählt wegen der vielen Höhlenzeichnung aus dieser Zeit zum Weltkulturerbe. Die angesteuerte Sight, ein Museum, ist am Samstag leider geschlossen und die Alternative, auch ein Museum, haut uns nicht gerade aus den Socken. Wir erfahren immerhin wie sie hier gelebt haben könnten und was man so an Überbleibsel von ihnen gefunden hat. Aber diesen Eintritt hätten wir uns auch sparen können. Heute Nacht kommen wir in einem alten Landhaus unter. Die Wohnung ist derart toll und günstig, dass wir den ganzen Abend den Hacken suchen. Vergeblich 🙂

Val Vézère
An 16 Orten im Val Vézère wurden Hunderte von Höhlenmalereien aus verschiedenen Epochen entdeckt. Diese zählen zu den frühsten Kunstwerken Europas und sind 15´000 Jahre und mehr alt. Wie bereits gestern erwähnt, befinden wir uns in Unesco Gebiet. Die erste Höhle, die wir besuchen, ist eine Kopie. Das Original hat zu fest unter den Besuchern gelitten, so dass man in einer Höhle gleich daneben kurzerhand einen Nachbau hingestellt hat. In einer grösseren Gruppe lassen wir uns die Malereien – fast ausschliesslich Tierzeichnungen – zeigen. Wir sind sehr erstaunt, wie filigran und genau die Zeichnung sind. Die Menschen damals scheinen richtige Künstler gewesen zu sein. Danach versuchen wir es nochmals im Museum, wo wir gestern auf geschlossen Türen gestossen sind. Dieses Mal ist offen und wir erfahren auf eine interessante Art und Weise noch mehr von den Menschen und den Tieren, die hier während der Eiszeit gelebt haben. Am Nachmittag schliesslich haben wir uns intuitiv für die Höhle angemeldet (pro Tag sind nur 80 Personen zugelassen), in der als einzige in dieser Region noch Originalmalereien bestaunt werden können. Sehr eindrücklich, wenn man bedenkt, wie alt die Kunstwerke sind. Sogar die Kids sind voll bei der Sache. Eine Stunde weiter südlich verbringen wir in Cahors die Nacht. Wir machen nur einen kurzen Walk in der Altstadt, treffen aber vor allem auf viel (Hunde-)Kacke (oder haben die hier Kühe?) und übermässig viele dubiose Gestalten. Nicht wirklich einladend das Kaff. Da wir auch keine Lust auf das Hotelrestaurant haben, zaubern wir nochmals eine Nudelsuppe aus dem Vorrat.

3x Unesco
Heute erwarten uns drei Unesco Welterbe. Den ersten Stopp machen wir im kleinen Städtchen Albi. Hier steht die grösste Backsteinkathedrale. Aussen ist das Bauwerk entsprechend nüchtern und einfach gehalten. Beim Betreten aber rutscht uns allen ein „WOW“ über die Lippen. Das Innere ist so ziemlich genau das Gegenteil vom Äussern. Jeder Millimeter ist verziert, bemalt, verschnörkelt. Obwohl einem das fast zu viel werden könnte, sind wir beeindruckt.

France, Albi, Church

Nach einem kurzen Spaziergang durch das schöne Albi fahren wir zum Museum vom Canal du Midi. Vor 400 Jahren wurde diese Verbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer gebaut. 328 Schleusen mussten dafür gebaut werden. Dass diese vornehmlich für Hausboote der Touristen immer noch funktionieren, können wir wenig später live erleben. Der letzte Programmpunkt des Tages ist Carcassone. Leider hat sich der erste Sommerschub nach ein paar für diese Jahreszeit sehr heissen Tagen sehr schnell wieder verabschiedet. Mit warmen Kleider ausgerüstet, starten wir bei grauem und windigem Wetter die Entdeckungsreise durch die mittelalterliche Befestigung. Noch rund 1000 Menschen sollen hier heute wohnen. Die meisten Häuser beheimaten aber Souvenirshops oder Restaurants. In den Sommermonaten muss es hier sehr voll sein mit Touristen. Leider ist das Schloss schon geschlossen. So bleibt uns nicht viel mehr als uns planlos durch die Gassen treiben zu lassen. Irgendwann ist Essenszeit und wir verlassen uns bei der Auswahl voll und ganz auf Google Maps. Tatsächlich werden wir nicht enttäuscht. Wir lassen den Abend mit einer sehr feinen und sehr zahlbaren Pizza in einer gemütlichen Beiz mit toller Bedienung ausklingen. Eigentlich hätten wir nicht gedacht, dass dies an diesem doch sehr touristischen Ort, möglich ist.

Wind
Der Tag beginnt trüb und grau. Beim Frühstück stürmt es gar. Wie durch ein Wunder wird der Himmel ein paar Minuten später blau und wir beschliessen nochmals in die Burg zu gehen. Schliesslich haben wir das Schloss ja gestern nicht mehr besuchen können. Wir werden vom Wind quasi über die Stadtmauer geblasen.

France, Carcasonne, Castel

Danach gehört unsere Zeit nochmals dem Canal du Midi. Vom völlig untouristischen Ort, welcher nur über einen Feldweg erreichbar ist und wo der Fluss in einer Brücke kanalisiert über einen anderen Fluss führt, über den 120 Meter langen Tunnel bis zur grössten Schleusensammlung ist alles dabei. Wir sind uns einig, dass dies alles nur noch mit einer Fahrt im eigenen Hausboot zu toppen ist.

France, Béziers, Écluses

Danach wäre eigentlich Strand angesagt. Leider windet es immer noch derart stark, dass wir das eingepackte Apéro sehr bald wieder zurück zum Parkplatz schleppen und uns stattdessen auf zu unserem nächsten Haus machen. Nach dem ersten, eher schlechten Eindruck – alles ist ziemlich unaufgeräumt und so gar nicht einladend – fühlen wir uns bald wohl. Der riesige wilde Garten und der grosse Pool gehören nur uns alleine. Die Inhaber sind nicht da und wir werden von einer Freundin empfangen. Einigen ist es bei 16 Grad definitiv zu kalt für den Pool. Die anderen entgegnen cool, dass wir diesen Winter ja auch im Thunersee waren und schwups vergnügen sie sich im Pool. Zum Znacht zaubert der Grillmeister der Familie etwas auf die Teller. Und Dank dem Interieur fühlen wir uns sogar fast ein bisschen wie in Costa – nur mit viel Wind und ohne Edith.

Unterwegs im Hinterland
Da die Temperaturen auch heute zu garstig sind für einen Strandbesuch haben wir genug Zeit für einen Ausflug ins Hinterland. Erstmals besuchen wir ein altes, kleines Kaff. Also wenn dieses nicht schon einmal mal Schauplatz für einen Hollywood-Knüller war, dann wird es sicher bald von irgendwelchen Scouts für genau das entdeckt werden. Das Kaff heisst übrigens La Courvertoirade und ist eigentlich Carcaconne in klein. Danach fahren wir zum Cirque de Navacelles.

France, Cirque de Navacelles

Die grosse Karformation liegt in Mitten eines Unesco Weltnaturerbes, im Gebiet der Causses und Cevennen. Es gibt hier bestimmt mehr Schafe als Einheimische (inkl. einer Touristin, die manchmal aussieht wie ein Schaf, würden die Kids nun sagen :-P) und wunderschöne Aussichten mit Weitsicht. Im Kaff direkt im Cirque fällt die unsere Sicht dann endlich auch auf die erste Crêpes. Damit verhindern wir knapp, dass wir zwei Wochen in Frankreich waren und keine Crêpes gegessen haben. Kulinarisch haben wir in diesen Ferien folgende Erkenntnisse gewonnen: es geht nichts über eine Boulangerie und/oder eine Patisserie. Eigentlich könnte – nein, man sollte – sich in Frankreich ausschliesslich davon ernähren.

Noch älter…
Unseren letzten richtigen Ferientag starten wir in Nimes beim Maison Carrée, einem der besten erhaltenen Tempel der Römer. Effektiv scheint hier in all den Jahren kein einziges Steinchen abhanden gekommen zu sein. Es fehlen eigentlich nur die Römer. Auch das Amphitheater, einige Meter weiter, ist vollständig erhalten. Leider suchen wir den Charme hier aufgrund der vollständigen Bestuhlung vergebens.

France, Nîmes, Amphitheater

Nach einem „All you can eat-Buffet“ mit Sushi – Tochter 1 bemerkt beiläufig, dass sie wohl im Himmel angekommen sei – fahren wir weiter in die Region Ardèches. Hier wollte ich ja schon ewig mal hin. Umso erfreuter bin ich, dass wir nun für mich relativ unerwartet hier gelandet sind. Ziel ist die Höhle Chauvet 2, die tatsächlich mitten in diesem Gebiet liegt. Da wir noch genug Zeit haben bis zur Höhlenbesichtigung schauen wir uns zuerst noch den berühmten Fluss und die Pont d’Arc an. Im Sommer muss es hier wimmeln vor Touristen, die mit einem Kanu den Fluss hinunter paddeln. Wir sind uns alle einig, dass die alte Aareschlaufe den Vergleich nicht scheuen muss. Danach sind die Höhlen von Pont d’Arc an der Reihe. Diese benennen sich bescheiden als das erste grosse Meisterwerk der Menschheit. Tatsächlich gibt es hier Höhlen, die vor 36´000 Jahren eine heilige Stätte der Menschen des Aurignacien waren. Das heisst, dass hier Zeichnungen in Höhlen nachgewiesen werden konnten, die nochmals rund 15´000 Jahre alter sind, als die, die wir im Val Vézère bereits gesehen haben. Nicht vorstellbar, welche Zeitdauer dies ist und unnütz zu erwähnen, dass dies alles auch zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Die Originalhöhlen sind für die Allgemeinheit seit je verschlossen. Auch hier gibt es aber einen Nachbau, welcher mit einer Tour und guten Vorab-Informationen besucht werden kann. Die Kunstwerke in der Fake-Höhle (so nennen sie die Kids) sind in Anbetracht der Zeit unglaublich. Krass, was die Menschen die hier vor dieser unvorstellbar langen Zeit gelebt haben, für Zeichnungen an den Höhlenwänden verewigt haben. Der Tag ist nun bereits weit vorgeschritten und wir checken im letzten Hotel der Reise ein. Zum Znacht gibt es alles was wir noch in den Vorräten finden. Alle werden satt und sind parat für das Abschlusskonzert der Reise. Die Kids sind im Element und sorgen für eine tolle Vorstellung.

France, Vallon-Pont-d'Arc, Ardèche

Adieu, merci et à bientôt!
Leider geht jede Reise einmal zu Ende. So auch diese. Wir durften in den letzten zwei Wochen so viel neues entdecken. Die Tour de France war top. Auch wegen den vielen Orten, die wir besuchen durften, haben sich die zwei Wochen fast wie ein Ewigkeit angefühlt. Der Lieblingsort von uns allen ist und bleibt der Mont St-Michel. Aber auch alles andere werden wir in bester Erinnerung behalten.
Am letzten Tag geht es mehr oder weniger direkt nach Hause. Für Papa halten wir noch an einem See, wo früher die Pfahlbauer gewohnt haben. Da es aber eigentlich gar nichts zu sehen ist, fahren wir bald weiter. Ein letzter Stopp für Futter und Einkäufe, dann sind wir auch schon zurück im winterlichen Bern. Adieu, merci et à bientôt!

Sardinien & Korsika

Raue Überfahrt
Die Kids haben bereits einen Tag früher Herbstferien. Wir profitieren von den Halbtagen und fahren schon am Freitag los in Richtung Süden. Im Hafen von Genau treffen wir auf Familie Brunner. Zusammen werden wir die erste Woche der Ferien auf einem Camping in Sardinien verbringen. Da wir bis zur Fährabfahrt noch genug Zeit haben, läuten wir die Auszeit mit einem ersten Ichnusa am Hafen ein. Pünktlich wie eine Schweizer Uhr fahren wir zum Fährhafen. Zu unserem Erstaunen ist der Parkplatz vor der Fähre leer. Sind wir nun zu früh oder zu spät? Weder noch, die Fährgesellschaft ist heute einfach super effizient. Wir können subito auf das Schiff fahren und unsere Kabine beziehen. Obwohl die Kids bei weitem nicht zum ersten Mal auf einer Fähre unterwegs sind, sorgt vor allem die Grösse des Schiffes für Erstaunen. Dabei wird einigen langsam aber sicher etwas auch etwas komisch zu Mute. Fast pünktlich legt der Kahn schliesslich los. Die Wetterprognosen verheissen nicht nur Gutes und spätestens als wir den Hafen verlassen, fängt es so richtig schön an zu schaukeln. Es schaukelt gar derart fest, dass die Aussenbereiche alle geschlossen werden müssen. Logischerweise schaukelt es somit auch im Bett und spätestens jetzt findet unsere grosse Tochter dies gar nicht mehr lustig. Anina schiebt voll die Krise. An Schlaf ist vorerst nicht zu denken. Erst gefühlte Stunden später findet sie – und damit auch ich – endlich doch noch etwas Ruhe.

Italy, Sardegna, Shore

Cala Ginepro
Spätestens mit der Ansage, dass wir bald im Hafen von Olbia einlaufen, sind alle wach. Die Schlafqualität der meisten Familienmitglieder war eher dürftig und die Eltern freuen sich entsprechend auf einen Kaffee. So effizient wie die Beladung vor sich ging, so ineffizient scheint die Entladung. Wir warten eine gefühlte Ewigkeit bis wir endlich zum Auto dürfen. Übrigens hat es fast nur Autos mit Berner Kennzeichen an Board. Sardinien wird soeben quasi vom Kanton Bern eingenommen! Rund eine Stunde südlich von Oblia werden wir in Cala Ginepro auf einem Camping eines dieser typischen mobilen Häuschen beziehen. Bis die Hütte parat ist, erkunden die einen den Spielplatz und gönnen sich die anderen ein erstes einheimisches Bier. Danach kaufen wir im Kaff noch rasch ein paar Vorräte für die nächsten paar Tage, bevor wir schliesslich die kleine, gemütliche und saubere Hütte beziehen können. Natürlich wollen wir auch alle noch zum Strand. Und wir werden nicht enttäuscht. Es ist wunderbar. Strand und Meer genau nach unserem Gusto und wie wir es aus unseren letzten Ferien in Sardinien in Erinnerung hatten. Zum Znacht lassen wir uns vom Pizzaiolo auf dem Camping bekochen. Damit sind wir definitiv angekommen in bella Italia. Nach dem wir satt sind, wollen alle nur noch eines: ab ins Bett.

Beachday
Das tolle an unserem Camping (Familie Brunner war schon 2x hier und die Empfehlung scheint wirklich top) ist, dass man zu Fuss zwei Strände erreicht. Gestern waren wir am Strand mit den Liegestühlen und Sonnenschirmen, die man zum Bungalow gratis dazu bekommt, und heute gehen wir ums Eck an den Strand quasi ohne Einrichtung. Uns gefällt es hier, abgesehen vom fehlenden Seegrashaufen, wo man so wunderbar hochklettern kann, noch fast besser (Anmerkung der Redaktion: der Seegrashaufen fehlt nur einem Teil der Reisegruppe…). Das türkisblaue Meer so Nahe; was wollen wir mehr. Die Männer machen nach dem Frühstück eine Jogging-Runde und wir anderen geniessen bereits das dolce far niente. Es gibt auch in diesem Alter am Strand immer noch gaaaanz viel zu tun: neben einfach nur baden, kann man schnorcheln, mit den aufgeblasenen Delfinen auf den Wellenreiten, in den Wellen springen, schwimmen, sandele, Ball spielen, usw. Langweilig wird es den Kids auf jeden Fall nicht. Nach der Siesta schleppen wir auch noch des SUP, welches uns Käru für die Ferien ausgeliehen hat, an den Strand. Noch eine Möglichkeit sich im und auf dem Wasser zu beschäftigen. Während die Jungmannschaft sich am und im Wasser bschäftigt, gehen die Erwachsenen eine Runde schnorcheln. Zu unserer Überraschung finden wir sogar einige kleine Rochen. Im Herbst geht die Sonne auch in Sardinien früher unter. Gepaart mit dem Wind wird es spätestens dann etwas kühler und somit Zeit für die Dusche und Futter. Im nächsten Kaff gibt es sardischen Kepab und Spaghetti Vongole. Ein perfekter Abschluss eines tollen Beachday.

Italy, Sardegna, Beach

Windy day
Graue Wolken und viel Wind begrüssen uns am Morgen. Nicht wirklich einladend für einen Tag am Strand. Zum Glück haben wir heute eh erstmals einen Ausflug ins Nahe gelegene Riserva Biderosa inkl. einer kurzen Wanderung geplant. Dafür sind die Temperaturen perfekt. Nach einem kurzen Aufstieg geniessen wir die Aussicht auf das Umland. Zurück auf Meereshöhe gibt es erstmals ein Pic-Nic. Da wir nicht so auf panierte Sandwiches stehen, nehmen wir dieses nicht direkt am Strand ein. Am Meer herrscht nach wie vor starker Wind und die rote Flagge weht. Der anwesende Salvataggio, der aussieht wie der Bruder von Shaquiri, lässt keinen auch nur mehr als einen Meter ins Wasser. Wir vergnügen uns deshalb wohl oder übel mit Sandburgen bauen und Strand entdecken. Irgendwann zieht es uns zurück auf den Camping. Obwohl der Wind noch nicht nach gelassen hat und die Wellen unverändert hoch sind, lassen es sich einige trotzdem nicht nehmen doch noch ins Meer zu springen. Die Wellen sind unverändert hoch, der Salvataggio hier eher relaxt und der fun factor entsprechend gross. Zum Znacht bekochen wir uns für einmal selber. Schön nach der klassichen Rollenaufteilen heizen die Jungs die Kohle ein und wir Frauen schauen in der kleinen Küche für den Rest. Die erste Runde geht an die Kids, die zweite an uns. So können wir alle machen was uns gefällt. Die einen essen in gemütlicher Runde ein feines Znacht, während die andere Hälfte sich frisch verpflegt mit ganz vielen anderen Kids auf dem Campingplatz vergnügt. Das noch grössere Highlight als die zahlreichen Berndeutsch sprechenden Kinder sind die vielen wilden Kätzchen. Eine ganze, obersüsse Jungmannschaft – wenn der Headcount stimmt, sollen es deren neun sein – zieht die Aufmerksamkeit der Kids auf sich. Alle bekommen einen Namen, mit allen wird gespielt was das Zeug hält und allen werden, wann immer möglich, gefüttert.

Italy, Sardegna, Waves

Orosei
Heute steht ein Ausflug in das nächst grössere Kaff auf dem Programm. In Orosei entdecken wir die Altstadt und investieren ein paar Euro in ein paar Souvenirs. Nach einer Gelato stocken wir im Supermercato unsere Vorräte auf und fahren zur Siesta zurück auf den Camping. Statt Siesta zu machen, machen die Kids aber heute eher das Gegenteil von Siesta. Die Schlichtungsbehörde muss eingreiffen, bringt aber auch keine Einigkeit zu Stande. Wir beschliessen kurzerhand den Rest des Tages getrennt am Strand zu verbringen. Familie 1 geht zum Strand links, Familie 2 geht zum Strand rechts. Wir haben Glück und erwischen den Strand ohne Seegrasberge. Mit den Kids machen wir unseren ersten Schnorcheausflug zu viert. Leider finden wir im ziemlich aufgewühlten Meer heute nur eine einzige Roche. Da der Strand rechts mit Seegras überfüllt ist und so das Baden keinen Spass macht, gibt es bereits am Strand das ersehnte Wiedersehen. Etwas Abstand hat aber trotzdem allen gut getan. Zum Znacht fahren wir nochmals in die Beiz im Nachbarskaff. Nur den Spielplatz, der anscheinend gewisses Konfliktpotential birgt, lassen wir am Abend aus. Stattdessen darf die Jugend wieder einmal etwas Netflix schauen. Wir Eltern schwelgen während dessen in Erinnerungen an alte Abenteuer. Schlussendlich sind alle derart k.o., dass nach der ausgerufenen Nachtruhe sofort Ruhe einkehrt.

Italy, Sardegna, Orosei

Bechida
Beim morgendlichen Bad im Meer entdeckt KK ganz viele Quallen. Der Entscheid, dass wir heute mit dem Auto an einen anderen Strand fahren, ist damit subito gefällt. Ungefähr 20 Minuten Fahrminuten im Norden ist der wunderschöne und super lange Strand von Bechida. Wir laufen ein paar Minuten und sind praktisch alleine. Wir fühlen uns fast ein bisschen wie in Australien. Nur den Wind könnte man abstellen… Sandstrahlung ist somit auch heute wieder inklusive. Zum Glück fehlt auch hier die rote Fahne und der Salvataggio. Denn baden und schnorcheln geht auch mit Wind. Zum Abschluss des Strandtages gönnen wir uns an der Bar am Strand ein Apero. Zum Znacht gibt es Menu 1: sardische Gnocchi mit Sauce nach Wahl, serviert in zwei Teilen, zuerst für die Kids, dann für die Eltern.

Italy, Sardegna, Jelly Fish

Ultimo giorno
Den letzten Tag in Cala Ginepro wollen wir nochmals am Hausstrand verbringen. Vorher gehen die Jungs aber nochmals joggen. Wir holen sie am Schluss ihrer Runde am Fluss nördlich vom Campingplatz ab. Der Fluss lädt zum Baden ein und wir fühlen uns fast ein bisschen wie in der Aare. Einfach mit etwas salzigem Wasser und etwas mehr türkis. Nach dem PicNic packen wir nochmals unsere Schnorchelsachen. Die Quallen haben sich mehrheitlich verdünisiert. Nur noch einzeln können wir sie beobachten. Zum Znacht gibt es nochmals etwas vom Grill. Die Jungs sind im Element und verwöhnen uns mit einem guten Stück Fleisch resp. Wurst.

Arrivederci Familie Brunner, arrivederci Sardinien
Zeit Abschied zu nehmen. Nach einer Woche trennen sich heute die Wege von uns und Brunners. Sie ziehen weiter in den Süden und wir verlassen Sardinien und setzen nach Korsika über. Arrivederci und grazie, schön wars mit euch! Die Fähre bringt uns in nur einer Stunde auf die nächste Insel. Die Einfahrt in Bonifacio ist und bleibt spektakulär. Das Kaff auf den weissen Felsen ist zudem super fotogen. Nicht nur vom Meer, sondern auch an Land. Wir können das Hotelzimmer sofort beziehen und sind bald darauf zu Fuss in Bonifacio unterwegs. Wir waren hier schon einmal als die Kids noch ganz klein waren (6 Monate und 2,5 Jahre). Vieles kommt uns deshalb bekannt vor. Die Kids freuen sich vor allem ab den vielen Shops, können sich aber bei dem grossen Angebot nicht wirklich entscheiden und so bleiben die meisten Euros trotzdem im Portemonnaie. Da wir in Flip Flops unterwegs sind, bleibt uns auch dieses Mal die berühmte Treppe vom Kaff steil die Felswand hinunter verwehrt. Insgeheim sind alle froh. Einige wegen dem Helm, den man hätte anziehen müssen, andere wegen der ausbleibenden sportlichen Betätigung. Etwas hinunter und wieder hinauf geht es dann aber trotzdem noch. Von der Altstadt zum Jachthafen gibt es einige Höhenmeter zu bewältigen. Im Hafen bestaunen wir die vielen tollen Jachten (ich darf nicht Schiffe sagen, meint Anina: „Das sind Jachten, Mama“). Eine ist besonders imposant und gehört dem Inhaber von Hungry Jacks, einer Fast Food Kette. Wir setzen uns mit Dosenbier und einer Tüte Chips auf die Bank davor und staunen, wie viel Geld einige wenige Menschen zur Verfügung haben. Zurück im Kaff setzen wir uns in eine Beiz und bestellen das Znacht. Spätestens jetzt wird uns klar, dass wir nicht mehr in Italien sind. Das Essen ist maximal halb so gut wie in Sardinien und mindestens doppelt so teuer. Die Kinder staunen nicht schlecht, als ich dem Kellner am Schluss sogar mitteile, dass die Pommes nicht wirklich essbar waren. Langsam aber sicher sind alle müde und wir schlendern zurück zum Hotel. Mit dem Super-Mond über Bonifacio endet der Tag.

France, Corse, Bonifacio

Porto
Kilometer müssen wir auch heute nicht viele fahren. Aber da Korsika meist sehr bergig und hügelig ist, dauert die Fahrt an unser nächstes Ziel an der Westküste trotzdem über vier Stunden. Wir unterbrechen die Fahrt ein erstes Mal in Sartene. Das Kaff liegt irgendwo in den Hügeln und soll das korsischte aller korsischen Dörfer sein. Via Fussgängerzone schlendern wir neben Einheimischen und Touristen zum zentralen Platz. Gleich im Anschluss liegt auch die Altstadt mit ihren Mini-Gässchen. Schmuck und klein, aber auch sehr rasch besichtigt. Der zweite Halt bringt uns in einen Spar. Vorräte aufstocken steht auf dem Programm. Danach fahren wir direttissima nach Porto. Die Region rund um das Hafendorf gehört aufgrund der umliegenden Natur zum Unesco Weltnaturerbe. Da das meiste nur vom Boot aus besichtigt werden kann, haben wir diesen Teil beim letzten Mal nicht besucht. Zu klein waren die Kids. Dieses Mal sind aber alle gross genug und wir haben für Morgen eine Bootsfahrt gebucht. Auf den letzten paar Kilometern bekommen wir einen ersten eindrücklichen Eindruck der Gegend. Die Strasse schlängelt sich durch rötlich gefärbte, sehr eindrückliche Felsformationen. Wir sind ziemlich aus dem Häuschen und haben wieder einmal einen dieser Wow-Effekte, die einem auf Reisen immer wieder begeistern. In Porto beziehen wir unsere Ferienwohnung. Nach einem gesunden (Gemüseteller) und weniger gesunden Apero (Chips) schnappen wir uns ein weiteres Getränk und setzen uns für den Sundowner an den Strand. Ein toller Sonnenuntergang gefolgt von einem feinen Znacht im Hafen beendet unseren Tag.

France, Corse, House

Calanques de Piana & Naturpark Scandola
Pünktlich um zehn Uhr stehen wir gut eingecremt am Hafen. Die nächsten 3,5 Stunden werden wir auf dem Meer verbringen und die umliegende Natur, die wie bereits erwähnt zum Unesco Weltnaturerbe gehört, vom Wasser aus bewundern. Auf einem kleinen Schiff (keine Yacht!) fahren wir zuerst nach links zu den Calanques de Piana. Rote Felsen und Klippen fallen ins türkisfarbene Meer.

France, Corse, Rock

Auch in mehrere Grotten fahren wir mit dem Boot hinein. Das Ganze wirkt mit der einheimischen Musik, welche der Kapitän immer im richtigen Moment laufen lässt, noch dramatischer. Einmal quer über die Bucht liegt der Naturpark Scandola. Auch hier finden sich von der Erosion geformte Landschaften mit viel rotem Gestein und extrem klarem Wasser. Auf dem Rückweg machen wir zum Abschluss der Tour noch einen Halt im Dorf Girolata. Dieses ist nur auf dem See- oder Fussweg erreichbar. Früher sollen hier einmal richtige Piraten gelebt haben. Etwas romantischer haben wir uns das Ganze vorgestellt. Das Kaff haut uns im Gegensatz zur Natur rund herum nicht aus den Socken. Zurück in Porto gibt es erstmals eine Runde Siesta. Etwas Schatten tut allen gut. Als alle wieder fit sind, machen wir noch einen Ausflug an den Dorfstrand. Dieser ist aus Kies und sicher nicht DAS Highlight. Aber für ein paar Runden schnorcheln im klaren Wasser ist es mehr als ausreichend. Die Kids sind fängs richtige Schnorchel-Profis. Heute sind sie gar ohne Schwimmweste unterwegs und dies obwohl man bereits wenige Meter vom Strand entfernt nicht mehr stehen kann. Frisch geduscht steht zum Abschluss des Tages noch einmal der Sonnenuntergang auf dem Programm. Leider geht das Rahmenprogramm dann aber ziemlich in die Hosen. Wir sitzen wieder auf den grossen Steinen am Hafeneingang. Die Kids haben ihre Walkie Talkies mitgenommen und obwohl ich noch warne, dass sie aufpassen sollen, dass keines runter fällt, passiert natürlich genau das. Eines der Dinger fällt Melia aus der Hand und verabschiedet sich auf Nimmer Wiedersehen zwischen den Steinen im Meer. Wer im ersten Moment damit nicht umgehen kann, ist Anina. Melia versucht Haltung zu wahren und den Moment nicht noch schlimmer zu machen als er eh schon ist. Romantik pur oder so… Irgendwann ist die Sonne dann verschwunden und das Kind wieder einigermassen gefasst. Wir können ihnen klar machen, dass es doch weitaus schlimmere Sachen geben könnte, die hier zwischen den Steinen verschwinden und auch, dass man so ein Walkie Talkie doch relativ easy ersetzen kann. So beruhigen sich die Gemüter endgültig und wir können uns doch nochmals bekochen lassen. Im gleichen Restaurant wie gestern Abend lassen wir es uns gut gehen und geniessen den letzten Abend in Korsika.

France, Corse, Sunset

Zurück auf Festland
Am Abend fährt unsere Fähre ab Ajaccio (man sagt: Aschaxio) zurück auf Festland. Bevor es soweit ist, machen wir uns nochmals einen schönen Tag in Korsika. Nach einem letzten Blick auf die Felsen rund um Porto geht es der schönen Küstenstrasse entlang wieder zurück in Richtung Ajaccio. Hier hat es auch ein grosses Shoppingcenter, wo wir sehr zur Freude der Jungmannschaft, das Walkie Talkie (hier sagt man: Talkie Walkie) ersetzen. Nach dem Mittag machen wir nochmals etwas Sightseeing und besuchen den gemäss Reiseführer schönsten Genoveserturm in Korsika. Die Gegend wurde sogar zu einem der schönsten Orte von Frankreich gekürt. Es ist tatsächlich hübsch und heute sogar hübsch heiß dazu. Auch Ajaccio schauen wir uns an. Wirklich viel gibt es hier aber nicht zu sehen. Und das was uns wirklich interessiert hätte, ist zu: das Geburtshaus von Napoleon und das dazugehörige Museum. Ab halb sechs Uhr dürfen wir uns am Hafen für die Fähre anstellen. Und das machen wir dann auch. Beim Check-in erfahren wir, dass ich Top Line gebucht habe; notabene ohne es zu merken. Das heisst wir fahren als letztes auf die Fähre und als erstes wieder runter. So geht es dann noch eine Weile bis wir verladen können. Tatsächlich bekommen wir dann auf dem Schiff praktisch die Pole Position. Das Schiff ist auch sonst etwas anders als bei der Überfahrt. Es hat zum Beispiel viele gute Restaurants und sogar eine Bar mit lauter Musik. Alles scheint einen Tick professioneller und weniger versifft. Das Meer ist heute zum Glück einfach nur flach. Keine Wellen weit und breit. Damit kann sogar Anina heute ohne allzu viele Gedanken an die Titanic die Überfahrt etwas geniessen.

Cannes und Monaco
Kurz nach sechs Uhr tönt der Lautsprecher durch die Kabinen: „Alle aufstehen bitte, on arrive a Toulon“. Top Line bedeutet auch, dass man dann rasch beim Auto sein sollte. Tatsächlich können wir noch bevor wir definitiv angelegt haben bereits ins Auto einsteigen. Und kaum sind die Tore offen, geht es auch schon direkt los. Sehr praktisch, wie wir finden. Nach Kaffi und Croissont an einer Tanke sind wir ready für Cannes. Hier waren wir noch nie und wir wollen schauen, wo sich die Berühmten und Schönen am Filmfestival jeweils vergnügen. Wir parken im Parkhaus direkt am Kongress. Und so kommt es, dass wir wegen einer Unachtsamkeit einer Sicherheitsangestellten unbeabsichtigt mitten im weltweiten Kongress aller Duty Free Firmen landen. Irgendwann merke ich, dass wir ziemlich under dressed sind und als einzige ohne Badge um den Hals herumlaufen. Wir schlendern trotzdem weiter den zahlreichen Jachten entlang und staunen ab all des Geldes, das hier präsentiert wird. Da uns niemand irgendwelche Goodies geben will – obwohl uns niemand anspricht, fallen wir wohl doch irgendwie auf – verlassen wir den Kongress schliesslich wieder und schauen uns die Altstadt an. Hübsch und abwechslungsreich, wie wir finden.

France, Cannes, Bird

Nach einen kurzen Autofahrt landen wir auch noch in Monaco. Plus ein neues Land für die Kids. Wir konzentrieren uns beim Besuch auf die Anhöhe, welche neben dem Palast auch die Altstadt beheimatet. Alles andere bestaunen wir aus der Ferne. Die vielen Hochhäuser und auch die zahlreichen Jachten sind wie immer eindrücklich. Unglaublich sind auch die zahlreichen Touristen. Wir sind nicht ganz alleine und auch aufgrund des Dichtestresses ziehen wir bald wieder weiter.

Monaco, Palace, Guard

Zu Edith geht es jetzt noch knapp eine Stunde. Nach dem obligaten Welcome Drink am Meer treffen wir am späteren Nami in Costa ein. Das Wiedersehen ist wie immer herzlich und bei Wein und Torta Verde feiern wir unsere Reunion.

Bici e mare
Seit kurzem kann ab San Lorenzo mit dem Velo auf der umgebauten Bahntrasse statt nur in Richtung Frankreich neu auch in Richtung Imperia gefahren werden. Klar, dass wir dies gleich ausprobieren wollen. Wir mieten fahrbare Untersätze und pedalen nach Porto Maurizio bei Imperia. Die Fahrt am Meer entlang ist schön wie eh. Zum Glück bekommen wir bereits auf dem Hinweg den Gegenwind ab. Nach einer Gelato fliegen wir danach förmlich zurück nach San Lorenzo. Auch zum Standardprogramm gehört der Besuch unseres Lieblingsrestaurants direkt am Meer. Wir schlagen uns die Bäuche mit Vongole, Cozze und anderen Leckereien direkt aus dem Meer voll. Am Nachmittag ruft das Meer. Wie immer im Herbst ist es auch jetzt noch schön warm. Wegen des Windes hat es heute viele Wellen und statt der Schnorchel kommt das Bodyboard zum Einsatz. Den Abend lassen wir bei einem einfachen Znacht in Costa ausklingen. Come a casa!

Italy, San Lorenzo al Mare, House

Mercato e mare
Wir freuen uns, dass heute in Puerto Maurizio Mercato ist. Mit den Einheimischen schlendern wir von Stand zu Stand. Es gibt fast nichts, das man hier nicht kaufen kann. Zurück in San Lorenzo gehen wir direkt zum Strand. Zum Zmittag gibt es eine Focaccia. Wir wollen heute Abend chic Essen gehen und den Hunger aufsparen. Dank den Freunden von Edith fühlen wir uns fast ein bisschen wie Einheimische. Ich muss mich mörderisch anstrengen, dass ich der Diskussion folgen kann. Vor allem Luigis Dialekt ist für mich quasi unverständlich. Lieber mitten drin, als nur dabei :-). Heute ist übrigens eher Schnorcheln angesagt. Das Meer ist ruhig. Bevor wir zum Znacht aufbrechen, schaut Barbara bei Edith vorbei. Die Auslandschweizerin braucht eine neue ID und wir helfen ihr dabei einen Termin auf der Botschaft in Milano zu vereinbaren.So lernen wir wieder eine neue Facette des Lebens hier in Costa kennen. Das Ristorante ist dann wieder eine Entdeckung für sich. Wir landen wieder in Puerto Maurizio. Das Konzept sieht vor, dass man nur die Getränke bestellt. Den Rest bringen sie einfach vorbei und man sagt, ob man diesen Teller will oder nicht. Wir Erwachsenen finden es super. Der Gaumen tanzt. Für die Kids hätte es wohl auch eine Pizza Prosciutto getan.

Stopp im Piemont
Viel zu schnell ist es schon wieder Zeit Abschied zu nehmen. Vielen lieben Dank einmal mehr, liebe Edith, für die Gastfreundschaft. Es war wie immer wunderbar. Auf dem Heimweg machen wir einen kurzen Stopp im Piemont. Ich hätte gerne länger in dieser zum Unesco Welterbe gehörenden Gegend verbracht. Aber Herr Odermatt setzt sich vorderhand durch und gönnt mir immerhin einen halben Tag in Barolo. Da wir noch fahren müssen, gibt es keinen Wein zum Zmittag. Dafür landen 6 Flaschen des feinsten Tropfen in Kofferraum. Ein Blick in die Wein-App zeigt, dass wir einen guten Fang gemacht haben.

Italy, Barolo, House

Auf dem direkten Weg geht es danach nach Hause. Die Heimfahrt glückt besser als beim letzten Mal. Das Auto ist auch nach der Ankunft in Bern noch voll funktionstüchtig… Nach dieser Verlängerung des Sommers sollten wir nun für den Herbst gerüstet sein. Tschüss Sommer 2023, wir freuen uns auf deine Ausgabe im 2024!