Tour de France
Finalement des vacances! Das Gepäck ist rasch im Kofferraum verstaut und wir damit bald ready für die Abreise. Die nächsten zwei Wochen machen wir einen Road Trip durch Frankreich. Wir werden mehr oder weniger das ganze Land einmal umkreisen und dabei möglichst viele Unesco Welterbe des Landes besichtigen. Den Anfang macht die Zitadelle von Besancon. Das Wetter ist schon fast sommerlich und der Spaziergang durch die Zitadelle nach der kalten Jahreszeit einfach nur schön. Weniger schön ist der Zoo, welcher hier auch noch integriert ist. Das hätten sie sich sparen können. Die Viecher haben es mässig nett und man verpasst nichts, wenn man diesen Teil ignoriert. Nach einem kurzen Stopp in einem Supermarkt, wo wir uns mit dem wichtigsten eindecken, fahren wir noch rund eine Stunde nach Beaune. Das Kaff liegt im Burgund und das Gebiet gehört als Weingegend zum Unesco Weltkulturerbe. Weinberge finden wir heute (noch) keine. Das Kaff selber ist sehr hübsch. Wir besuchen die Kathedrale, die Altstadt und ein sehr kleines Museum zum Burgund. Klares Highlight des Städtchens ist aber das Hôpital de Dieu. Bis in die 70er Jahre wurden hier bedürftige und kranke Menschen gepflegt. Der grosse Schlafsaal mit den Einzelkoien beeindruckt ebenso, wie das riesige farbige Schiefer-Dach.

Im Kaff selber finden wir vor allem überfüllte Apero-Beizli. Alle zieht es an die frische Luft. Wir lassen diesen Programmpunkt deshalb direkt aus und suchen stattdessen etwas ausserhalb ein Restaurant. Mangels gescheiten Alternativen landen wir schlussendlich in einer uns bisher nicht bekannten amerikanischen Burgerkette im Restaurant-Styl. Zu unserer Überraschung schmeckt es allen richtig gut.
Nudelsuppe im Loire-Tal
Noch sind wir etwas unkoordiniert unterwegs und es dauert ein bisschen länger als üblich bis alles wieder seinen Platz im Auto gefunden hat. Nach einem Biss Baguette und einem Fotostopp in den Weinreben verlassen wir das Burgund auch schon wieder. Über Landstrassen fahren wir in drei Stunden nach Bourges. Hier wartet das nächste Unesco Weltkulturerbe auf uns: die Kathedrale. Das Timing könnte nicht besser sein. Wir treffen genau zum Ende der Messe ein. Kurz ist der Platz voller Leben. Bereits nach einigen Minuten wirkt das Kaff wieder wie ausgestorben. Der Sonntags-Groove lässt grüssen. Bevor wir uns das Innere der Kathedrale anschauen, verpflegen wir uns kurz und einfach im einzigen geöffneten Laden: dem Carrefour. Von innen ist die Kathedrale irgendwie wie jede andere. Aber vielleicht sind wir auch einfach nur einfach Banausen… richtig begeistert sind wir auf alle Fälle nicht. Nach einer weiteren Stunde kommen wir im Loire-Tal an. Es gibt hier unzählige Schlösser, die man besichtigen könnte und die natürlich auch zum Weltkulturerbe gehören. Wir haben zu Hause deren drei ausgewählt, auf die wir uns auf dieser Reise beschränken wollen. Es gilt zu verhindern, dass jemand aus der Reisegruppe den Schlösser-Blues bekommt. Den Anfang macht das Schloss von Chambord.

Nett und schön, aber nicht annähernd wie Versailles und mehr als vergleichbar mit anderen Schlösser, die wir schon besichtigt haben. Im Hotel angekommen lagern die einen die Füsse hoch und die anderen versuchen die noch vorhandene überschüssige Energie los zu werden. Das Znacht wird genau so kurz und einfach wie das Zmittag. Die Kids wollten schon immer mal eine Instant-Nudelsuppe essen. Und da wir wussten, dass es hier wohl eher wenig bis keine Verpflegungsmöglichkeiten gibt und wir auch keine Küche haben, führen wir sie heute in dieses kulinarische Highlight ein. Beide sind begeistert und es scheint, als ob wir für künftige Engpässe einen praktischen Plan B gefunden hätten – gut so.
Happy Birthday, liebe Melia!
Heute wird Melia neun Jahre alt. Unglaublich wie die Zeit vergeht. Wir wünschen dir nur das Beste zu deinem Geburtstag, haben dich mega lieb und sind unendlich stolz. Auf dich, unsere wunderbare Tochter!
Zur Feier des Tages spielen wir ein bisschen Prinzessin. Nach dem ersten Ständchen und den ersten Kerzen, stehen die zwei weiteren Schlösser auf dem Programm. Zuerst fahren wir zum Schloss Chenonceau. Wir sind beeindruckt, wie das Schloss von der einen Uferseite zur anderen gebaut wurde. Gepaart mit den knall grünen Gärten, den blühenden Blumen und dem stahlblauen Himmel wirkt alles schon fast ein bisschen kitschig. Das Schloss ist eine Nummer kleiner als die Version von gestern und wurde ausschliesslich von Damen bewohnt. Auch die Anzahl Touristen ist überschaubarer. Noch eine Spur kleiner und hübscher und überschaubarer und romantischer ist das Schloss Aazay-le-Rideau. Wir sind uns alle einig, dass wenn wir denn müssten, wir wohl am liebsten hier gewohnt hätten.

Nach der Besichtigung der beiden Schlösser verlassen wir das Loire Tal wieder und fahren in den Norden. Rund drei Stunden Autofahrt liegen vor uns, bevor wir DAS grosse Highlight unserer Reise erreichen. Schon ewig lange wollten wir hier hin und nun sind wir bald endlich da: Mont-St-Michel wir kommen. Die Fahrt geht Dank guter Autobahnen und wenig Verkehr rasch vorbei. Um fünf Uhr beziehen wir unser Cottage mit fast direktem Ausblick auf das Highlight. Schon aus der Ferne vermag die Insel im Meer zu beeindrucken. Für heute belassen wir es bei diesem Anblick und feiern noch ein wenig Melias Geburi. Papa macht ein Feuer und ein paar Würstli. Zum Dessert gibt es ein paar reich verzierte Mille feuille à la Anina. Das Geburikind ist glücklich und zufrieden und dann irgendwann doch noch ins Bett zu kriegen.
Mont St. Michel
Damit wir die grosse Flut nicht verpassen, stellen wir den Wecker. Wir haben zufälligerweise einen der wenigen Tage im Monat erwischt, wo die Insel vollständig von Wasser umgeben ist und somit auch wirklich zur Insel wird. Vom Parkplatz aus laufen wir die rund 3 Kilometer zur Insel. Es ist garstig, windig und ziemlich kalt. Trotzdem geniessen wir den Spaziergang – notabene ohne andere Touristen. Tatsächlich ist Mont St. Michel bei unserer Ankunft am Ende des Stegs zu Fuss nur mit nassen Füssen zu erreichen. Die Flut versperrt die letzten paar Meter auf zur Insel. Den Touristen bleibt nichts anderes übrig als geduldig zu warten bis der Übergang einigermassen frei ist. Das Wasser wird von Minuten zu Minuten sichtbar weniger. Irgendwann nutzen auch wir die Gelegenheit zwischen zwei Wellen und überqueren die letzten Meter auf die Insel. Einige Familienmitglieder bekommen trotzdem nasse Schuhe… Die Wasserhöhe kann in dieser Gegend zwischen Ebbe und Flut 15 Meter (!) ausmachen. Das ist Gezeitenrekord in Europa. Auf der Insel angekommen, laufen wir auf dem Hauptweg zum Kloster. Alles was man hier kaufen kann, ist total überteuert. Das merken wir spätestens als wir uns die teuersten Gummibärli ever kaufen. Leider haben wir den Gramm Preis nicht vorab gecheckt. Wie viel wir bezahlt haben, bleibt unser Geheimnis. Nur so viel, es war 4x mehr als in einem normalen Laden. In der Abbey lassen wir uns dem offiziellen Rundgang entlang treiben. Die Szenerie beeindruckt uns sehr und wir sind glücklich, dass wir es endlich hierher geschafft haben. Unter einem grossen Baum gibt’s ein Sandwich. Es gilt die gierigen Möwen von uns fern zu halten. Dank den riesigen Ästen gelingt uns dies zum Glück ohne Probleme. Danach ist es auch schon wieder Zeit die beeindruckende Insel zu verlassen. Wir sind uns einig, dass der Mont St. Michel unsere Erwartungen zu 100% erfüllt hat. Mit dem Shuttle fahren wir zurück zum Parkplatz. Nach einem kurzen Stopp im Ferienhaus steht noch ein bisschen Shopping auf dem Programm. Im Décathlon und Carrefour decken wir uns mit allen möglichen Dingern ein. Teilweise sind die Klamotten um sehr viel günstiger als zu Hause. Vor allem finden wir für die Kids T-Shirts, die in Bern nicht jeder an hat. Auf dem Rückweg suchen wir noch einmal einen anderen Blick auf die Insel. Jetzt sollte das Wasser den tiefsten Stand erreicht haben. Trotzdem fällt unsere kleine Wanderung wegen dem Schlamm eher ins Wasser resp. in den Schlamm. Den Abend verbringen wir in unserem Cottage und werfen noch einmal den Grill an. Das Wetter ist top. Die Sonne scheint weiter, aber der Wind ist garstig wie eh und je. Am Abend hätten wir nochmals die Möglichkeit die volle Flut zu bestaunen. Aber der Tag war lang und wir belassen es bei dem was wir bereits gesehen haben. Wir sind immer noch alle begeistert und werden Mont Saint Michel bestimmt in bester Erinnerung behalten.

Sur l’autoroute
Heute verbringen wir die meiste Zeit im Auto. Damit wir eine bestimmte Bootsfahrt machen können (mehr dazu Morgen), mussten wir unseren Zeitplan um einen Tag optimieren. Das Boot fährt nicht jeden Tag. Nach dem letzten Blick auf Mont Saint Michel in der Morgensonne geht es wieder südwärts. Fast 5 Stunden später machen wir einen kurzen Stopp beim Kloster Saint-Savin sur Gartempe. Natürlich gehört dieses auch zum Unesco Weltkulturerbe. Grund sind die uralten Fresken an der Decke der dazugehörigen Kirche. Nach dem kurzen Stopp nehmen wir die letzten zwei Stunden unter die Räder. In Royan beziehen wir quasi direkt am Meer das Hotel. Das Wetter ist immer noch eher kühl und windig. Trotzdem hat es schon Surfer im Meer und einige Unerschrockene, die in der Badehose am Strand sitzen. Daneben gibt es aber auch welche, die mit der Winterjacke und der Mütze die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings geniessen. Wir bewegen uns irgendwo dazwischen. Die Girls konnten nämlich den kurzen Hosen nicht widerstehen. In einer Pizzeria mit Meerblick geniessen wir zum Abschluss des Tages ein feines Znacht.
Leuchtturm von Cordouan
Während der Autofahrt habe ich gestern zufälligerweise gelesen, dass unsere heutige Bootsfahrt allenfalls etwas abenteuerlicher werden könnte, als erwartet. Je nach Gezeiten ist der Leuchtturm, den wir besuchen werden und sich notabene mitten im Meer befindet, nur durch das Wasser watend (= Wasser max. bis zu den Oberschenkeln) erreichbar. Umso gespannter sind wir nun alle was uns heute erwarten wird. Der erste Teil der Fahrt ist schon mal easy und ruhig. Mit einem grossen Schiff tuckern wir in Richtung Leuchtturm. Irgendwann können wir rechts von diesem eine lange Sandbank ausmachen. Und irgendwann kurz davor müssen wir dann auch vom grossen Schiff auf ein kleineres Amphibienfahrzeug umsteigen. Nach einer kurzen Fahrt im Wasser werden die Räder herunter gelassen und wir fahren die letzten Meter im ca. knöcheltiefen Wasser zum Leuchtturm. Entgegen meinen Befürchtungen kann uns das tolle Gefährt sogar direkt zum Leuchtturm bringen und wir steigen trockenen Fusses aus. Der Leuchtturm von Cardouen ist 60 Meter hoch und der einzige Leuchtturm, welcher mitten im Meer steht und offiziell besucht werden kann. Vor kurzem wurde dieser unter anderem deshalb zum Unesco Weltkulturerbe ernannt. Wir separieren uns von der offiziellen Führung und machen uns mit einem Prospekt auf Deutsch bewaffnet alleine auf Entdeckungsreise. 301 Stufen führen nach oben. Die Flut hat sich seit unserer Ankunft schon beachtlich zurück gezogen und wir können nun auch bereits den eigentlichen Steg mehr oder weniger ausmachen. Im Leuchtturm gibt es auch eine Kapelle und einen Königsraum. Ein König war zwar nie hier, aber immerhin war man so stets auf alles vorbereitet. Zwei eindrückliche Stunden später treffen wir am Ende des Steges quasi im offenen Meer wieder auf die Gruppe. Das Wasser hat sich nun derart weit zurückgezogen, dass man sogar zum grossen Schiff laufen kann. Wir verzichten darauf. Spätestens jetzt hätten wir die Schuhe ausziehen müssen. Zudem ist die Fahrt auf einem Schiff auf Rädern mindestens so toll. So oder so ist es einmalig quasi mitten im Meer Boden unter den Füssen resp. Rädern zu haben. Schon fast am richtigen Ufer angekommen, ist der Wasserstand dann immer noch derart tief, dass wir sogar nochmals ins kleinere Boot wechseln müssen. Der grosse Kahn kann nicht in den Hafen fahren und anlegen. Zufrieden und beeindruckt, haben wir schliesslich wieder festen Boden unter den Füssen.

Unser Nachtlager schlagen wir heute in einem für die Austernzucht berühmten Gebiet unweit von Bordeaux auf. Direkt an einem hippen Hafen beziehen wir ein tolles Zimmer – quasi ein Wasserbungalow. Zum Apéro gilt es Ernst: es gibt für Mama und Papa zum ersten Mal in ihrem Leben Austern. Wir setzen uns in eine Bar und lassen uns von der engagierten Inhaberin zeigen, was wir nun genau machen müssen. Zu unserem Erstaunen schmecken die Dinger gar nicht mal soooo schlecht.
Dune du Pilat et Bordeaux
Die höchste Düne von Europa, die Dune du Pilat, ist knapp über 100 Meter hoch. Heute wollen wir diese Düne besteigen. Wer will kann über eine Treppe relativ bequem in die Höhe. Wir wählen den natürlichen Weg und steigen im Sand nach oben. Der kühle Sand an den Füssen ist wunderbar. Auch der Ausblick ist cool. Die Düne endet direkt im Meer und dank der klaren Sicht und den unterschiedlichen Farben besonders eindrücklich. A taste of Namibia, nur mit der „falschen“ Sandfarbe, meinen die Kids. Am frühen Nami treffen wir in Bordeaux ein. Wir parkieren das Auto in der Hotel-Garage und machen uns auf die Stadt zu erkunden. Bordeaux gehört auch zum Unesco Weltkulturerbe. Die Stadt ist wirklich charmant und das französische Flair schlägt uns praktisch an allen Strassenecken entgegen. Leider haben fast alle Brunnen kein Wasser. Damit fällt leider auch das berühmte Wasserspiel resp. die Wasserspiegelung buchstäblich ins Wasser resp. ins Trockene. Stattdessen widmen wir uns dem kulinarischen Wohl: Gelati für die Kinder, Aperol für die Eltern. Gefolgt von Canele, einem kleinen Gugelhopf, den nur die Eltern fein finden. Zum Abschluss ein Glas Wein für die Eltern und ein Aperoplätti für alle. Wer auf der Durchfahrt ist: Bordeaux ist wirklich ein Besuch wert.

Saint-Emilion
Nur eine kurze Fahrt vor Bordeaux entfernt, liegt Saint-Emilion. Ein schmuckes Städtchen mit vielen Weinbergen, welches es wie viele Weingegenden zum Unesco Weltkulturerbe geschafft hat. Bei sommerlichen Temperaturen schlendern wir durch die engen Gassen. Es hat kaum Touristen. Einmal mehr haben wir das Gefühl in der totalen Nebensaison unterwegs zu sein. Warum das so ist, bleibt ein Rätsel. Im Städtchen selber hat es diverse alte Bauwerke, die man besichtigen kann. Zum Teil holt man einfach den Schlüssel im Tourismus-Büro und steigt zum Beispiel selber auf den Kirchenturm. Leider kann man die unterirdische Kirche nur mit einer Tour besuchen. Dieses Bauwerk lassen wir deshalb aussen vor. Wir sind trotzdem länger als erwartet in diesem Kaff unterwegs.

Nach einem Schluck Wein verlassen wir Saint-Emilion wieder und fahren weiter ins Val Vézère. Eigentlich ist erst der morgige Tag dieser Region und seinen zahlreichen Höhlen gewidmet. Da wir aber noch genug Zeit haben, wollen wir schon heute eine Sight anschauen. Hier in der Gegend hat der europäische Frühmensch – le cro-magnon – gewohnt und die Region zählt wegen der vielen Höhlenzeichnung aus dieser Zeit zum Weltkulturerbe. Die angesteuerte Sight, ein Museum, ist am Samstag leider geschlossen und die Alternative, auch ein Museum, haut uns nicht gerade aus den Socken. Wir erfahren immerhin wie sie hier gelebt haben könnten und was man so an Überbleibsel von ihnen gefunden hat. Aber diesen Eintritt hätten wir uns auch sparen können. Heute Nacht kommen wir in einem alten Landhaus unter. Die Wohnung ist derart toll und günstig, dass wir den ganzen Abend den Hacken suchen. Vergeblich 🙂
Val Vézère
An 16 Orten im Val Vézère wurden Hunderte von Höhlenmalereien aus verschiedenen Epochen entdeckt. Diese zählen zu den frühsten Kunstwerken Europas und sind 15´000 Jahre und mehr alt. Wie bereits gestern erwähnt, befinden wir uns in Unesco Gebiet. Die erste Höhle, die wir besuchen, ist eine Kopie. Das Original hat zu fest unter den Besuchern gelitten, so dass man in einer Höhle gleich daneben kurzerhand einen Nachbau hingestellt hat. In einer grösseren Gruppe lassen wir uns die Malereien – fast ausschliesslich Tierzeichnungen – zeigen. Wir sind sehr erstaunt, wie filigran und genau die Zeichnung sind. Die Menschen damals scheinen richtige Künstler gewesen zu sein. Danach versuchen wir es nochmals im Museum, wo wir gestern auf geschlossen Türen gestossen sind. Dieses Mal ist offen und wir erfahren auf eine interessante Art und Weise noch mehr von den Menschen und den Tieren, die hier während der Eiszeit gelebt haben. Am Nachmittag schliesslich haben wir uns intuitiv für die Höhle angemeldet (pro Tag sind nur 80 Personen zugelassen), in der als einzige in dieser Region noch Originalmalereien bestaunt werden können. Sehr eindrücklich, wenn man bedenkt, wie alt die Kunstwerke sind. Sogar die Kids sind voll bei der Sache. Eine Stunde weiter südlich verbringen wir in Cahors die Nacht. Wir machen nur einen kurzen Walk in der Altstadt, treffen aber vor allem auf viel (Hunde-)Kacke (oder haben die hier Kühe?) und übermässig viele dubiose Gestalten. Nicht wirklich einladend das Kaff. Da wir auch keine Lust auf das Hotelrestaurant haben, zaubern wir nochmals eine Nudelsuppe aus dem Vorrat.
3x Unesco
Heute erwarten uns drei Unesco Welterbe. Den ersten Stopp machen wir im kleinen Städtchen Albi. Hier steht die grösste Backsteinkathedrale. Aussen ist das Bauwerk entsprechend nüchtern und einfach gehalten. Beim Betreten aber rutscht uns allen ein „WOW“ über die Lippen. Das Innere ist so ziemlich genau das Gegenteil vom Äussern. Jeder Millimeter ist verziert, bemalt, verschnörkelt. Obwohl einem das fast zu viel werden könnte, sind wir beeindruckt.

Nach einem kurzen Spaziergang durch das schöne Albi fahren wir zum Museum vom Canal du Midi. Vor 400 Jahren wurde diese Verbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer gebaut. 328 Schleusen mussten dafür gebaut werden. Dass diese vornehmlich für Hausboote der Touristen immer noch funktionieren, können wir wenig später live erleben. Der letzte Programmpunkt des Tages ist Carcassone. Leider hat sich der erste Sommerschub nach ein paar für diese Jahreszeit sehr heissen Tagen sehr schnell wieder verabschiedet. Mit warmen Kleider ausgerüstet, starten wir bei grauem und windigem Wetter die Entdeckungsreise durch die mittelalterliche Befestigung. Noch rund 1000 Menschen sollen hier heute wohnen. Die meisten Häuser beheimaten aber Souvenirshops oder Restaurants. In den Sommermonaten muss es hier sehr voll sein mit Touristen. Leider ist das Schloss schon geschlossen. So bleibt uns nicht viel mehr als uns planlos durch die Gassen treiben zu lassen. Irgendwann ist Essenszeit und wir verlassen uns bei der Auswahl voll und ganz auf Google Maps. Tatsächlich werden wir nicht enttäuscht. Wir lassen den Abend mit einer sehr feinen und sehr zahlbaren Pizza in einer gemütlichen Beiz mit toller Bedienung ausklingen. Eigentlich hätten wir nicht gedacht, dass dies an diesem doch sehr touristischen Ort, möglich ist.
Wind
Der Tag beginnt trüb und grau. Beim Frühstück stürmt es gar. Wie durch ein Wunder wird der Himmel ein paar Minuten später blau und wir beschliessen nochmals in die Burg zu gehen. Schliesslich haben wir das Schloss ja gestern nicht mehr besuchen können. Wir werden vom Wind quasi über die Stadtmauer geblasen.

Danach gehört unsere Zeit nochmals dem Canal du Midi. Vom völlig untouristischen Ort, welcher nur über einen Feldweg erreichbar ist und wo der Fluss in einer Brücke kanalisiert über einen anderen Fluss führt, über den 120 Meter langen Tunnel bis zur grössten Schleusensammlung ist alles dabei. Wir sind uns einig, dass dies alles nur noch mit einer Fahrt im eigenen Hausboot zu toppen ist.

Danach wäre eigentlich Strand angesagt. Leider windet es immer noch derart stark, dass wir das eingepackte Apéro sehr bald wieder zurück zum Parkplatz schleppen und uns stattdessen auf zu unserem nächsten Haus machen. Nach dem ersten, eher schlechten Eindruck – alles ist ziemlich unaufgeräumt und so gar nicht einladend – fühlen wir uns bald wohl. Der riesige wilde Garten und der grosse Pool gehören nur uns alleine. Die Inhaber sind nicht da und wir werden von einer Freundin empfangen. Einigen ist es bei 16 Grad definitiv zu kalt für den Pool. Die anderen entgegnen cool, dass wir diesen Winter ja auch im Thunersee waren und schwups vergnügen sie sich im Pool. Zum Znacht zaubert der Grillmeister der Familie etwas auf die Teller. Und Dank dem Interieur fühlen wir uns sogar fast ein bisschen wie in Costa – nur mit viel Wind und ohne Edith.
Unterwegs im Hinterland
Da die Temperaturen auch heute zu garstig sind für einen Strandbesuch haben wir genug Zeit für einen Ausflug ins Hinterland. Erstmals besuchen wir ein altes, kleines Kaff. Also wenn dieses nicht schon einmal mal Schauplatz für einen Hollywood-Knüller war, dann wird es sicher bald von irgendwelchen Scouts für genau das entdeckt werden. Das Kaff heisst übrigens La Courvertoirade und ist eigentlich Carcaconne in klein. Danach fahren wir zum Cirque de Navacelles.

Die grosse Karformation liegt in Mitten eines Unesco Weltnaturerbes, im Gebiet der Causses und Cevennen. Es gibt hier bestimmt mehr Schafe als Einheimische (inkl. einer Touristin, die manchmal aussieht wie ein Schaf, würden die Kids nun sagen :-P) und wunderschöne Aussichten mit Weitsicht. Im Kaff direkt im Cirque fällt die unsere Sicht dann endlich auch auf die erste Crêpes. Damit verhindern wir knapp, dass wir zwei Wochen in Frankreich waren und keine Crêpes gegessen haben. Kulinarisch haben wir in diesen Ferien folgende Erkenntnisse gewonnen: es geht nichts über eine Boulangerie und/oder eine Patisserie. Eigentlich könnte – nein, man sollte – sich in Frankreich ausschliesslich davon ernähren.
Noch älter…
Unseren letzten richtigen Ferientag starten wir in Nimes beim Maison Carrée, einem der besten erhaltenen Tempel der Römer. Effektiv scheint hier in all den Jahren kein einziges Steinchen abhanden gekommen zu sein. Es fehlen eigentlich nur die Römer. Auch das Amphitheater, einige Meter weiter, ist vollständig erhalten. Leider suchen wir den Charme hier aufgrund der vollständigen Bestuhlung vergebens.

Nach einem „All you can eat-Buffet“ mit Sushi – Tochter 1 bemerkt beiläufig, dass sie wohl im Himmel angekommen sei – fahren wir weiter in die Region Ardèches. Hier wollte ich ja schon ewig mal hin. Umso erfreuter bin ich, dass wir nun für mich relativ unerwartet hier gelandet sind. Ziel ist die Höhle Chauvet 2, die tatsächlich mitten in diesem Gebiet liegt. Da wir noch genug Zeit haben bis zur Höhlenbesichtigung schauen wir uns zuerst noch den berühmten Fluss und die Pont d’Arc an. Im Sommer muss es hier wimmeln vor Touristen, die mit einem Kanu den Fluss hinunter paddeln. Wir sind uns alle einig, dass die alte Aareschlaufe den Vergleich nicht scheuen muss. Danach sind die Höhlen von Pont d’Arc an der Reihe. Diese benennen sich bescheiden als das erste grosse Meisterwerk der Menschheit. Tatsächlich gibt es hier Höhlen, die vor 36´000 Jahren eine heilige Stätte der Menschen des Aurignacien waren. Das heisst, dass hier Zeichnungen in Höhlen nachgewiesen werden konnten, die nochmals rund 15´000 Jahre alter sind, als die, die wir im Val Vézère bereits gesehen haben. Nicht vorstellbar, welche Zeitdauer dies ist und unnütz zu erwähnen, dass dies alles auch zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Die Originalhöhlen sind für die Allgemeinheit seit je verschlossen. Auch hier gibt es aber einen Nachbau, welcher mit einer Tour und guten Vorab-Informationen besucht werden kann. Die Kunstwerke in der Fake-Höhle (so nennen sie die Kids) sind in Anbetracht der Zeit unglaublich. Krass, was die Menschen die hier vor dieser unvorstellbar langen Zeit gelebt haben, für Zeichnungen an den Höhlenwänden verewigt haben. Der Tag ist nun bereits weit vorgeschritten und wir checken im letzten Hotel der Reise ein. Zum Znacht gibt es alles was wir noch in den Vorräten finden. Alle werden satt und sind parat für das Abschlusskonzert der Reise. Die Kids sind im Element und sorgen für eine tolle Vorstellung.

Adieu, merci et à bientôt!
Leider geht jede Reise einmal zu Ende. So auch diese. Wir durften in den letzten zwei Wochen so viel neues entdecken. Die Tour de France war top. Auch wegen den vielen Orten, die wir besuchen durften, haben sich die zwei Wochen fast wie ein Ewigkeit angefühlt. Der Lieblingsort von uns allen ist und bleibt der Mont St-Michel. Aber auch alles andere werden wir in bester Erinnerung behalten.
Am letzten Tag geht es mehr oder weniger direkt nach Hause. Für Papa halten wir noch an einem See, wo früher die Pfahlbauer gewohnt haben. Da es aber eigentlich gar nichts zu sehen ist, fahren wir bald weiter. Ein letzter Stopp für Futter und Einkäufe, dann sind wir auch schon zurück im winterlichen Bern. Adieu, merci et à bientôt!
