Eastern States of America

Let´s go!
Ich bin etwas angespannt, als wir am Morgen Bern verlassen. Melia ist erkältet und ich mache mir Gedanken, ob das mit dem Druckausgleich gleich klappen wird. Zum Glück wird es aber – wie von Odi angekündigt – ein No-Brainer. Pünktlich heben wir in Richtung New York ab. Die diesjährigen Herbstferien führen uns an die Ostküste der USA. Zuerst werden wir mit dem Camper das Hinterland erkunden. Als Schlusspunkt erwarten uns schliesslich vier Nächte in New York. Bei einigen haben unsere Reisepläne Kopfschütteln ausgelöst. Die USA machen bekanntlich gerade in vielerlei Hinsicht eher eine schlechte Falle. Wir lassen uns davon aber nicht beirren und haben an unseren Reisepläne festgehalten. Viele schlechte Nachrichten drehen sich unter anderem auch um die Einreise. Wir sind deshalb gespannt, wie wir dieses Mal empfangen werden. Die Immigration wird zum zweiten No-Brainer des Tages. Odi beantwortet ein paar Fragen, wir schauen in die Kamera und nach dem Hinterlassen der Fingerabdrücke können wir einreisen. Der Transfer ins Hotel entpuppt sich danach als der mühsame Teil der Reise. Erst lässt uns der Fahrer des gebuchten Transfers sehr lange warten und dann stecken wir – ebenfalls sehr lange – im Feierabendverkehr fest. Um halb drei Uhr Schweizer Zeit fallen wir schliesslich alle todmüde ins Bett.

Slideout, yes!
Der Jetlag lässt grüssen. Um fünf Uhr sind alle hellwach. Obwohl wir eigentlich noch müde sind, ist es vorbei mit der Nachtruhe. Wir chillen im Bett und warten bis es hell wird und das Frühstück parat ist. Da wir gestern Abend den langen Transfer schon hinter uns gebracht haben, ist es heute bis zur Campervermietung nur noch ein Katzensprung. Üblicherweise kann man das Wohnmobil erst am Nachmittag übernehmen. Da aber heute Samstag ist, bekommen wir das Fahrzeug bereits am Morgen. Die Erklärungen sind kurz und zackig. Das einzige unbekannt für uns ist das Slideout. Damit vergrössert sich unser Wohnzimmer innert Sekunden um mindestens einen Meter. Grossartig! Weiteres Detail am Rande: ein so langes Wohnmobil haben wir auch noch nie bekommen – und notabene auch nicht gebucht :-). Über ein Wirrwarr von Highways und Strassen fahren wir los in Richtung Hinterland. Unser erstes Ziel ist ein Walmart. Obwohl wir ja nicht das erste Mal in den USA sind, haut uns das Angebot fast aus den Socken. Alleine die Auswahl an Helloween-Sachen ist gewaltig. Für Helloween brauchen wir nichts. Unser Wägeli ist trotzdem voll. Die Inflation ist spürbar. Importware kostet definitiv viel, teilweise sehr viel. Für einheimische Ware sind die Preise auf unserem Niveau angekommen. Nach wenigen Fahrminuten erreichen wir schliesslich unser erstes Nachtlager, ein State Park an einem See.

USA, Spruce Run State Park, Leaf

Zu unserer Überraschung ist der Park voll. Wahrscheinlich weil heute Samstag ist und wahrscheinlich auch weil der Spätsommer sein Comeback gibt. Mit einem Bad wird es aber leider trotzdem nichts. Der See hat zu wenig Wasser und der Badestrand ist geschlossen. Wir haben aber auch so genug zu tun und sind mit dem initialen Einrichten des Campers beschäftigt. Bei Hamburger und Mashmallows am Lagerfeuer und begleitet von einem super Sonnenuntergang geht der erste Tag unterwegs zu Ende. Fun Fact: im State Park ist der Konsum von Alkohol verboten. Wir wundern uns noch warum fast alle mit ihrem Stanley-Cup herumlaufen… Wir machen es gleich wie die Einheimischen und trinken heute das Bier deshalb aus dem Cup vom Taco Bell und den Wein aus der Kaffitasse. Prost!

(Glücks-)Sterne
Der Jetlag scheint überwunden. Wir erwachen zwar noch zeitig, aber da wir heute fast fünf Stunden fahren werden, passt das bestens. Unterwegs machen wir einen Stopp in Bethlehem. Die historischen, von den Herrenhutter erbauten Häuser, gehören zum Unesco Weltkulturerbe. Die englische Übersetzung führt uns erst in die Irre und wir denken, dass wir in einem Kaff der Mormonen unterwegs sind. Erst als ich mich im Internet auch noch auf Deutsch schlau mache, wird klar, wo wir gelandet sind. An dieser Stelle senden wir liebe Grüße an unsere Huttersterne zu Hause; ihr kommt ja auch schon bald wieder zum Einsatz. Auf der Weiterfahrt haben wir doppelt Glück. Eine Minute früher und wir wären mitten in einen hässlichen Unfall verwickelt gewesen. Ein paar Minuten später und wir wären schon ziemlich viel länger im Stau gestanden. Leider sieht der Töfffahrer nicht nur gut aus und wir sind froh, sind schon genug Helfer auf Platz, die sich um ihn kümmern und uns durchwinken. Eine weitere Unterbrechung der Fahrt gibt es beim Einkaufen. Die Kids freuts. Sie sind heute nicht wirklich in Fahrtlaune. Zum Glück geht es aber nach dem Walmart nur noch eine Stunde bis zum nächsten Übernachtungsort, einem super schönen und lauschigen State Park, wo wir direkt an einem Flüsschen das Mobil abstellen dürfen. Auf einem kurzen Walk sammeln wir noch ein paar Schritte und erkundigen die dazugehörige Schlucht. Die Natur ist super schön und auch der Stellplatz könnte schöner kaum sein.

USA, Stony Brook State Park, Camper

Niagara Falls
Okay, der Jetlag lässt immer noch grüssen. Um kurz vor sechs sind wir alle auf den Beinen. So bleibt genug Zeit Dies und Das zu erledigen. Unter anderem steht 1x entleeren und 1x befüllen aller Tanks an. Und dieses Prozedere dauert seine Weile. Als alles wieder so ist, wie es sein sollte, fahren wir auf direktem Weg zu den Niagara Falls. Der erste Programmpunkt ist die Bootsfahrt zu den Wasserfällen. Wassserfälle in Mehrzahl? Ja, die Niagara Falls (darum hats ja auch ein s bei Falls…) sind nämlich zwei Wasserfälle: 1x der Horseshoe Waterfall auf der kanadischen Seite und der 1x der American Fall auf der amerikanischen Seite.

USA, Niagara Falls State Park

Eingekleidet in blaue Ponchos kann man auf der Bootsfahrt beide sehen. Richtig nass werden wir aber nur bei der kanadischen Ausgabe. Die Bootsfahrt ist schon mal sehr lustig. Richtig cool, wird es aber dann beim Walk auf der amerikanischen Seite. Einige ziehen ihre Schuhe aus und verstauen sie im Rucksack. Ein weiser Entscheid. Spätestens bei „The Hurrican“ wird alles nass – trotz Poncho (dieses Mal in gelb). Man kann sich hier quasi unter den Wasserfall stellen und wird innert Sekunden bis auf die Unterhosen durchnässt. Fun pur! Mit einem grossen Smile im Gesicht fahren wir zum heutigen State Park.

USA, Evangola State Park, Wasp

Fallingwater
Der Tag beginnt mit einer Krankmeldung. Anina klagt über Halsweh und scheint auch sonst ziemlich angeschlagen. Wenigstens haben wir nun eine Erklärung für das vermehrte Kopfweh der letzten Tagen. Zum Glück läuft heute aber sowieso nicht viel. Auf dem Programm stehen vor allem einige Kilometer on the road. So kann Anina während der Fahrt viel liegen und sich erholen. Das Wetter hat auch gedreht und es schifft teilweise ziemlich stark. Unterwegs gibts zum Shoppen einen kurzen Stop. Ansonsten fahren wir auf direktem Weg nach Fallingwater. Fallingwater wurde in den 30iger Jahren von Frank Lloyd Wright, quasi der amerikanischen Ausgabe von Le Corbusier, im Auftrag einer Unternehmer-Familie aus Philadelphia gebaut. Das Haus ist perfekt in einen Wasserfall integriert und auch sonst von A bis Z durchdacht. Natürlich gehört das Ganze zum Unesco Weltkulturerbe.

USA, Ohiopyle, Falling Water

Nur wenige Kilometer weiter wartet der nächste State Park auf uns. Da das Wetter auch wieder netter geworden ist, gibt es auch heute etwas vom Grill und ein Lagerfeuer. Das Camperleben ist einmal mehr genau unser Ding. Wir sind happy und im Element! Übrigens haben wir (erst) heute die ersten MAGA-Schilder gesehen.

Pizza Hut & Walmart
Es ist nass, grau und neblig und so gar nicht einladend. Dafür strahlt Anina wieder. Eigentlich wollten wir heute eine Fahrt durch das Amish County machen. Bei der Tagesplanung hat sich aber herausgestellt, dass der Umweg grösser wäre als erwartet. Wir entscheiden uns deshalb schlussendlich gegen diesen Programmpunkt. Wer weiss, ob die Amish bei diesem Huddelwetter überhaupt das Haus verlassen hätten. Mangels Alternativen machen wir einen „amerikanischen“ Tag. Zum Zmittag kehren wir im Pizza Hut ein und den Nami verbringen wir mehr oder weniger im Walmart. Da wir heute keinen Stress haben, können alle ausgiebig und ohne Zeitstress alles anschauen und anprobieren. Als Add On laufen uns dabei sogar ein paar amishe Frauen und ihre Kids über den Weg. Interessant, dass auch sie bei Walmart anzutreffen sind. Zufrieden und mit vollen Tüten fahren wir noch ein paar Kilometer weiter. Wir übernachten wieder in einem State Park, wo wir bald Bekanntschaft mit einem amerikanischen Ehepaar machen, das 20ig Jahre in Europa gelebt habt. Die beiden sind sehr erfreut uns zu treffen, packen ihr eindrückliches Deutsch aus und quatschen uns mit allen möglichen – auch politischen – Themen voll. Irgendwann meinen die beiden, dass sie dann sonst gerne später noch mit der Gitarre zu uns kommen würden – zum Singen. Dazu kommt es aber dann nicht und wir sind nicht ganz unglücklich darüber :-).

Earthworks
Nach dem ausführlichen Morgengespräch mit den Nachbarn (sie sind erstaunt über die hohen Zölle, die bald für ganz viele Länder für den Import in die USA gelten) geht es weiter. Im tiefsten Hinterland von Ohio treffen wir auf das einzige Unesco Weltkulturerbe des Staates. Vor ewig langer Zeit haben die Ureinwohner an diversen Stellen so genannten Earthwork hinterlassen. Das sind Erhebungen aus Hügeln, die eine bestimmte, immer identische Anordnung haben. Vom Boden aus nicht sehr eindrücklich. Sieht man das Ganze aber aus der Luft und überlegt sich wie diese vor so langer Zeit entstehen konnten, ist es eben doch ziemlich eindrücklich. Wir schauen drei dieser Stätten an. Weiter geht die Fahrt durchs Hinterland, vorbei an kleinen Dörfern, vielen Häusern, Farmen und Landwirtschaft. Wir wundern uns, warum bei allen Häusern der Rasen immer so schön gemäht ist. Und siehe da, es gibt ein Gesetz, dass dies eben genau so gemacht werden muss. Crazy; aber auch aufgeräumt und gepflegt! Zahlreiche Häuser sind übrigens bereits mit viel Halloween-Schmuck orange und gruslig geschmückt. Wir können nur erahnen, wie es hier in einem Monat aussehen wird. Nach dem obligaten Besuch im Walmart geht es auf den Campingplatz. Heute ist es zur Abwechslung ein KOA. Das heisst, dass es unter anderem auch eine Waschmaschine hat. Leider gibt es aber vorher noch ein anderes Unglück zu putzen. Das Brackwater – also der gesamte WC-Inhalt – schwimmt unten im betreffenden Camperfach herum. Warum, wissen wir nicht. Die Vermutung ist, dass Odi schlicht und einfach vergessen hat, das Loch zu schliessen… Shit happens :-).

Mammoth Cave N.P.
Heute steht das längste Höhlensystem der Welt auf dem Programm. Über 400 Meilen soll dieses mindestens messen. Unnötig zu erwähnen, dass der Mammoth Cave National Park deshalb zum Unesco Weltnaturerbe gehört. Die Fahrt ist kurzweilig. Wir fahren durch Cincinnati und an Fort Knox vorbei, machen einen Stopp bei Wendy`s und sind irgendwann ein bisschen irritiert ab der auf dem Handy angezeigten Zeit. Sind wir nun zu früh oder zu spät und warum überhaupt hat die Zeit umgestellt? Irgendwo resp. irgendwann haben wir wohl mindestens eine Zeitzone überfahren. Am Schluss sind wir auf alle Fälle rechtzeitig für unsere Tour beim N.P. Und wir haben Glück. Statt wie üblich 110 Personen sind heute nur knapp 30 mit dabei. Die Einerkolonne wird so ein bisschen weniger lang. Der Einstieg ist am schmalsten. Unten angekommen, laufen wir meist auf einem normalen Weg. Dies ist erwähnenswert, weil die Rangerin beim Briefing vorab ziemlich übertrieben geschildert hat, was für ein krasses Höhlenabenteuer uns gleich erwarten wird. Vor allem ein Part gefällt uns sehr gut. Eindrücklich was die Natur über Millionen von Jahren hier geschaffen hat. Der Campingplatz beim National Park liegt mitten im Wald. Natur pur. Mit dem Camper aber allemal sehr luxuriös.

USA, Mammoth Cave National Park, Squirrel

Smokey Mountains N.P.
Unser Route führt uns weiter zum nächsten National Park. Nicht, dass dieser gleich um die Ecke wäre. Aber nach ein paar Stunden Fahrt, einem Stopp im Burger King und einem im Walmart sind wir irgendwann dort. Tönt jetzt vielleicht easy, aber heute habe mindestens ich etwas die Schnauze voll von der Fahrerei. Wir sollten es ja wissen. Meistens dauert es länger als geplant. Und wegen der Stunde Zeitverschiebung sind wir noch später dran als erwartet. Zu allem Ärger stellen wir kurz nach der Ankunft auf dem Camping im N.P. auch noch fest, dass der WC-Tank und der Abwasser-Tank quasi voll sind. Das ist ausgerechnet hier eher unpraktisch. Die Infrastruktur ist eher mässig. Das heisst unter anderem, dass es heute ausnahmsweise keine Dumping-Station vor Ort hat. Wohl oder übel müssen wir somit nochmals je 7 Meilen hin und zurück fahren, damit wir für die Nacht gerüstet sind. Aber dann passiert etwas, was uns für den ganzen heutigen Tag mehr als entschädigt: wir sehen einen wilden Schwarzbären am Strassenrand.

USA, Great Smoky Mountains, Bear

Die Begegnung dauert leider nur paar Sekunden. Trotzdem sind wir alle ziemlich aus dem Häuschen. Niemals hätten wir geglaubt, dass wir einen wilden Bären sehen werden. Damit ist der Tag mehr als gerettet! Zurück auf dem Camping brechen wir sofort auf, um doch auch noch einen kurzen Trail machen zu können. Einem Bären begegnen wir zum Glück nicht noch einmal. Aber auf der Hut sind wir allemal. Last but not least können wir auch noch Wetterglück melden. Die Sonne scheint und das scheint hier eher keine Selbstverständlichkeit zu sein.

Blue Ridge Parkway
Die Smokey Mountains machen ihrem Namen am Morgen alle Ehre. Überall hängt eine Wolke in dem schier endlosen Wald. Nahtlos geht der National Park über zum Blue Ridge Parkway. Diese Strasse, ist eine der berühmtesten des Landes und mit ein Grund, warum wir hier sind. Wir hoffen auf den Indian Summer. Doch leider sind wir für die Farbenpracht zu früh. Die meisten Bäume sind noch grün. Da sich die Fahrt zieht, wechseln wir zwischenzeitlich auf den Highway. Das Zmorge-Zmittag gibts wie üblich bei einer der bekannten Fast Food Kette. Danach machen wir auch noch den obligaten Einkauf im Walmart. Leider können wir für die Weiterfahrt dann nicht mehr zurück auf den Blue Ridge. Wie wir später in Little Switzerland herausfinden werden, hat genau vor einem Jahr und einem Tag ein Hurrican hier derart gewütet, dass noch heute viele Abschnitte des Blue Ridge Parkway gesperrt sind. Und wir Deppen dachten noch, dass es hier um diese Zeit sicher keine Hurriacans gibt… Zum Glück ist uns das Wetter aber gut gesinnt. Der Himmel ist blau und die Sonne scheint. In Little Switerland müssen wir natürlich einen Stopp einlegen. Die paar Häuser haben aus unserer Sicht nicht viel mit der Schweiz gemeinsam. Die Gegend schon eher. Die Mädels ziehen zur Feier des Tages gar ihre CHer Nati Libli an. Ein paar Meilen weiter beziehen wir das Nachtlager. Und das so zeitig, dass wir den Rest des Tages richtig ruhig angehen können.

USA, Bear Den Campground, Spider

Blue Ridge Parkway zum 2ten
Der Tag ist eigentlich top geplant. Es liegen zwar einige Meilen vor uns, aber wir haben diverse Stopps – neben dem obligaten Einkaufen und Futtern – eingeplant. Zudem haben wir auch einberechnet, dass die erste Etappe auf dem Blue Ridge Parkway gesperrt ist. Mit was wir aber nicht gerechnet haben, ist, dass unser RV tatsächlich mal zu gross sein könnte. Und so werden wir beim ersten geplanten Stopp abgewiesen, weil wir zu gross sind und beim zweiten Stopp können wir nicht parkieren, auch weil wir zu gross sind. Irgendwann ist dann auch der Parkway wieder gesperrt und wir müssen im Zickzack entlang des Blue Ridges fahren. Ergo sitzen wir auch heute fast wieder nur im Auto und fahren Meile um Meile ab. Aus den geplanten vier Stunden werden am Schluss sieben Stunden. Nicht hilfreich ist, dass als Dessert auch der letzte Teil zum Camping gesperrt ist. Heute gab es definitiv ein paar Extrameilen. Wir sind uns einig, dass der Blue Ridge Parkway nicht unser Freund wird. Vor allem, wenn der Indian Summer noch nicht angefangen hat und Nieselregen vom Himmel fällt.

Monticello
Neuer Tag, neues Glück. Nur das Wetter bleibt wie gestern: regnerisch. Nach einer kurzen (!) Fahrt erreichen wir Charlottesville und damit Monticello, das Haus des 3ten Präsidenten der USA, Thomas Jefferson (1743 – 1826). Dieses wurde von ihm selber geplant und gebaut und gehört heute zum Unesco Weltkulturerbe. Jefferson prägte den Satz, dass alle Menschen gleich sein. Interessanterweise hatte er selber über 400 Sklaven… Auf einer Tour können wir den ersten Stock des Gebäudes besuchen. Weil ihm auch Bildung sehr wichtig war, gründete er in der Stadt zudem die Universität von Charlottesville. Über 25´000 Studenten gehen hier auch heute noch ein und aus. Die Uni selber ist wie eine kleine Stadt und hat auch den Unesco Status. Wir lassen uns mit Uber zur Anlage bringen und spazieren durch die Gegend. Überall wimmelt es von jungen Leuten, die hier ihren Bachelor- und/oder Masterabschluss machen. Nach dem Sightseeing fahren wir in Richtung Küste zum heutigen State Park.

USA, Chippokes State Park, Light

Beim Studieren des Wetterberichtes müssen wir feststellen, dass es für Morgen ein paar Wetterwarnungen gibt. Wir wollten eigentlich zu den Outer Banks und direkt am Meer campen. Dort könnte es aber eher ungemütlich werden: hohe Wellen, viel Wind, Starkregen und ev. Überschwemmungen. Wir werden morgen früh entscheiden, ob es deshalb eine Planänderung gibt.

Plan B
Der Wetterbericht ist unverändert und wir entscheiden uns für Plan B. Das Meer wollen wir aber trotzdem rasch sehen. Dass unser Entscheid ein guter war, merken an der Küste sofort. Es windet uns fast aus den Schuhen und von gemütlich kann definitiv nicht die Rede sein. Das Kaff ist wohl auch deshalb heute wie ausgestorben. In der Hochsaison muss es hier aufgrund der zahlreichen Übernachtungsmöglichkeiten und sonstigen Angeboten aber nur so vor Menschen wimmeln. Einzig die Parkplatzgebühr ist heute wie in der Hochsaison. Wir bezahlen stolze 24 Dollar, um unsere Karre ca. eine Stunde auf einem notabene leeren Parkfeld abstellen zu können.

USA, Virginia Beach, Painting

Da auch die Restaurants geschlossen oder wenig einladend sind, landen wir schlussendlich zum Zmittag im Mäc. Da weiss man wenigstens, was man bekommt :-). Für die, die nicht aussteigen wollen, gibt es übrigens reservierte Parkplätze, wo das Essen direkt im Auto serviert wird. Wir bleiben beim Tisch im Restaurant (auch, weil der RV gar keinen Platz gehabt hätte auf den vorgesehenen Parkplätzen). Danach wollen wir eigentlich in das maritime Museum, wo auch das Kriegsschiff Wisconsin steht. Beim Einstellen des Navi entdecken wir aber ganz in der Nähe auch noch eine Outlet Mall. Eine schwierige Entscheidung, die wir den Kids überlassen. Die beiden sind sich natürlich schnell einig und so landen wir statt im Museum im Outlet. Weiterbildung der anderen Art: amerikanischer Lifestyle. Weiter im Landesinnern und damit geschützt vor allen Widrigkeiten, die uns am Meer erwartet hätten, landen wir am Abend auf einem Platz mitten im Wald. Notabene fünf Minuten neben der Highway-Ausfahrt. Die USA überraschen uns immer wieder – in alle Richtungen.

Koloniales Williamsburg
Der Tag beginnt mit einer Geschichtsstunde in Yorktown. Hier fand die finale Schlacht statt, die schliesslich zur Unabhängigkeit der USA geführt hat. Das Visitor Center ist wegen des nationalen Shutdowns, welcher seit gestern gilt, geschlossen. Obwohl wir das Gefühl hatten, dass uns dies wenig bis gar nicht betrifft, wird uns jetzt klar, dass wir in den folgenden Tagen doch noch das eine oder andere Mal vor geschlossenen Türen stehen könnten. Wir fahren weiter nach Williamsburg. Das halbe Kaff ist ein Freilichtmuseum. Und da dieses nicht vom Staat geführt wird, bleibt es auch ohne Einschränkungen offen. Hier erleben wir, wie es sich damals lebte. Interessant ist vor allem der Buchdruck. Wahnsinnig, der Aufwand von damals, um eine Zeitung oder ein Buch zu drucken. Etwas nordwärts in einem Wald stellen wir den Camper für die Nacht ab. Der Shutdown hat da gerade auch sein Gutes. Wir können die Park Fee nicht bezahlen. Sie haben keine Kohle und wollen keine Kohle.

USA, Williamsburg, Painting

Washington D.C.
Heute besuchen wir die Hauptstadt. Für schlappe 60 Dollar haben wir einen Parkplatz Downtown reserviert. RV-Parkplätze sind extrem rar resp. inexistent und nach langer Recherche haben wir schliesslich diese Möglichkeit in der Union Station gefunden. Neben all den Grey Hounds parkt friedlich unser RV. Ein lustiges Bild. Bereits nach wenigen Metern in der Stadt haben wir einen kleinen Kulturschock. Nach so viel Natur, Wald, Ruhe und einer relativ homogenen Spezies von campenden, älteren Menschen sind wir uns das Spektrum an unterschiedlichsten Menschen fast nicht mehr gewohnt. Oder anders gesagt: vor dem Bahnhof ist es in etwa so wie bei uns vor der Heiliggeistkirche unter dem Baldachin. Bevor wir so richtig mit dem Sightseeing loslegen, stärken wir uns mit dem Kaffee und Kuchen – für schlappe 40 Dollar notabene (ein Gipfeli oder sonst ein Gebäck kostet hier immer mindestens 5 Dollar und somit praktisch gleich viel wie der Kaffi – crazy!). Trotzdem ist die Stärkung eine sehr gute Idee, denn Shops sind nachher auf der gesamten Tour kaum zu finden. Unsere Runde starten wir beim Weissen Haus.

USA, Washington, White House

Donald lässt sich nicht blicken und wir werden nicht empfangen. Leider können wir somit auch nichts zur Entschärfung des Zollproblems beitragen. Dabei hat Anina extra das CHer Nati-Libli angezogen… 🙂 Weiter geht es beim Washington Monument. Wegen des Shutdowns sind unsere (notabene reservierten und bezahlten) Tickets leider nutzlos. Wir müssen uns mit dem Blick auf den Obelisk von unten begnügen. Zum Glück sind alle anderen Sehenswürdigkeiten frei zugänglich. In der warmen Sonne wandern wir zu den Memorials des 2ten Weltkriegs, des Vietnam- und des Südkoreakriegs und schauen uns die Lincoln und die Martin Luther King Statue an. Danach spazieren wir durch die grüne Parkanlage weiter zum Capitol.

USA, Washington, Congress

Nach fünf Stunden und 15 Kilometern sind wir langsam aber sicher am Ende unserer Kräfte. Zur Stärkung gibt es eine Runde Taco Bell. Den spannenden und eindrücklichen Tag beenden wir in einem State Park in Maryland, wo uns doch glatt das Feuerholz geklaut wird, als wir noch rasch zum Dumpen fahren.
Ergänzung: die National Garde haben wir heute gesehen. Teilweise haben sie uns sogar gegrüsst. Wie es hier vorher ausgesehen hat, wissen wir nicht. Deshalb können wir auch nicht sagen, ob es wirklich so schlimm war, wie von Trump behauptet wurde. Was wir beim Verlassen von Washington jedoch sehen: die Vororte sind teilweise sehr heruntergekommen und in einem erbärmlichen Zustand. Auch sehen wir heute das einzige Mal ein ICE-Auto.
Fun Fact: heute finden wir tatsächlich einen Walmart, welcher KEINE frischen Früchte, KEIN frisches Gemüse und auch kein Frischfleisch führt. Man stelle sich vor, dass Menschen immer so einkaufen… Wir haben auf jeden Fall ein kleines Backflash an unserer letzte Reise in den USA und somit an Twenty Nine Palms und lieben unser Gemüsekistli zu Hause gerade noch ein bisschen mehr.

Bei den Amish
Statt wie geplant via Delaware – die Strasse führt uns nur kurz durch diesen Staat – fahren wir zurück nach Pennsylvania. In der Gegend von Lanchester befindet sich ein weiteres Cluster von Amischen. Diesen wollen wir uns heute doch auch noch etwas ausführlicher widmen. Wir besuchen ein Amish Village, wo wir auf einer Tour durch ein Musterhaus allerhand interessante Informationen zu und über ihr Leben bekommen. Wir sind beeindruckt, wie diese Menschen auch heute noch leben, wie vor 100 Jahren. Nach einem voraussichtlich letzten Besuch bei Walmart – es hat hier sogar einen Unterstand für die Kutschen der Amischen – übernachten wir heute wieder einmal auf einem KOA. Für ein paar extra Dollar gibts front row mit zwei Tischen, Sonnenschirm, Grill, Feuerstelle, Full Huck Up und natürlich eine Waschmaschine.

Philly und die grosse Packerei
Philadelphia wird nicht unsere Lieblingsstadt. Aber alles der Reihe nach. Für unseren Monster-RV brauchen wir bekanntlich eine gewisse Parkplatz-Grösse. Diesen Parkplatz sollten wir easy neben dem Stadion finden. Dumm nur findet heute ein American Football Match der lokalen Eagles statt. Schlappe 68´000 Fans werden vor Ort sein. Gefühlt die Hälfte ist schon da. Rund um das Stadion ist alles proppenvoll. Die Fans haben es sich mit dem halben Haushalt gemütlich gemacht und warten auf den Anpfiff. Ein Festival bei uns – notabene für Musik und nicht für Sport – ist lächerlich im Vergleich zu dem, was wir hier zu sehen bekommen. Es gäbe noch ein paar freie Plätze. Da die Preise sich aber zwischen 400 und 1800 Dollar bewegen, ist das heute ausnahmsweise nichts für uns :-). Wir steuern deshalb Parkplatz B an. Nach einiger Kurverei finden wir diese zwar, nur leider ist heute Sonntag niemand da und wir wagen es nicht, den Camper hier in der Pampa alleine und unbewacht stehen zu lassen. Wir beschliessen deshalb zu Parkplatz C zu fahren und parken schlussendlich direkt vor dem Walmart. Mit Uber fahren wir in die Innenstadt. Der Grund warum wir überhaupt in Philly sind, ist die Independence Hall. Hier wurde die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verfasst. Leider ist die Halle aber wegen dem Shut Down geschlossen. Neben der original Glocke der Hall – hinter Scheiben gleich daneben – wäre es das denn eigentlich auch schon gewesen mit den Sehenswürdigkeiten in Philadelphia.

USA, Philadelphia, House

Wir spazieren relativ orientierungslos durch den ältesten Stadtteil. Hier finden sich Wohnhäuser, die rund 300 Jahre alt und relativ hübsch sind. Wir lassen uns über einen lokalen Markt treiben, kühlen uns mit einem Iced Latte – es ist wunderbare 27 Grad – ab und bestellen, dann wieder Uber, um zurück zum Walmart zu fahren. Eine Stunde weiter beziehen wir in einem schönen Wald den letzten Campingplatz. Zum Glück sind wir früh genug daran. Es gilt den Camper Rückgabe bereit machen. Wie immer gibt die Leerung mehr zu tun als gedacht. Zum Glück haben wir wohl wissentlich bereits von einigen Tagen einen vierten Koffer gekauft. In die drei, die wir von zu Hause mitgenommen haben, hätten wir das viele Material, welches unterwegs dazu gekommen ist, definitiv nicht verstauen können. Danach heisst es ausessen und austrinken, die letzten Burger auf die letzte Kohle schmeissen und das letzte Holz verfackeln.

Bye RV, Hello NYC
Nachdem die allerletzten Sachen in den Koffern verstaut sind und auch sonst alles erledigt ist, was es noch zu erledigen gibt, nehmen wir die letzten paar Meilen unter die Räder und fahren zurück zur Camper-Vermietung. Wie immer nach einem solchen Trip sind wir einfach nur dankbar, dass wir unfallfrei wieder zurück sind. Nach exakt 2951 Meilen! Die Abgabe geht unkompliziert und schnell über die Bühne. Obwohl wir das Airbnb netterweise schon ab Mittag beziehen können, sind wir trotzdem immer noch etwas zu früh dran. Wir bestellen deshalb über Uber Eats noch ein paar Tacos direkt zur Vermietung. Danach ist es an der Zeit – natürlich auch mit Uber – noch Hoboken zu fahren. Für die nächsten vier Nächte haben wir uns in einer Wohnung gleich auf der anderen Seite des Hudson River eine hübsche und praktische Wohnung gemietet. Kein Schnäppchen, aber deutlich mehr Quadratmeter für den gleichen Preis als in Manhattan. On top dürfen wir in einer aufgeräumten, ruhigen und sicheren Wohngegend hausen und noch einige Tage wie Amis in einem typischen Reihenhaus hausen. Da wir noch den ganzen Nachmittag Zeit haben, fahren wir spontan bereits heute ein erstes Mal nach Manhattan. Unterwegs bestaunen wir die vielen mit Helloween-Gedöns geschmückten Eingänge. Zur Feier des Tages gönnen wir uns für die Überfahrt die Fähre. Diese kostet einiges mehr als der Zug, dafür ist die Aussicht auf die Skyline inklusive. Die Girls machen ein erstes Mal grosse Augen. Dann geht es los und wir tauchen ein in den Grossstadt-Dschungel. Wir starten gleich mit dem wohl grössten Touristenmagnet, dem Times Square. Melia fühlt sich gleich puddelwohl. Anina ist vorsichtiger unterwegs. Der Lärm, die unglaublich vielen Menschen, der Verkehr, die Sirenen, die auch komischen Gestalten und Spinner und vieles mehr, daran muss sie sich erst gerade noch gewöhnen. Wir betreten die ersten Shops, staunen und saugen alles auf. Im Central Park gibt es ein paar Minuten Ruhe. Die Zeit fliegt und ohne dass wir es gross bemerkt hätten, ist der Nami schon fast vorbei. Zeit für den Heimweg. Die Überfahrt – wieder auf dem Wasser – im besten Abendlicht ist spektakulär. Wir können uns kaum satt sehen an der super tollen Sicht auf Manhatten im Sonnenuntergang.

USA, New York, Boat

In unserem Quartier gibt es zur Stärkung ein paar Rahmen resp. Udon. Danach ist es an der Zeit langsam aber sicher zur Ruhe zu kommen. Ich bin happy, wieder einmal in New York zu sein. Unzählige Male war ich schon hier und lange Zeit war die Stadt meine absolute Lieblingsstadt. Obwohl ich in der Zwischenzeit nicht mehr hier leben möchte, bin ich immer noch total fasziniert von der Stadt am Big Apple und freue mich auf die nächsten drei Tage.
Heutige Gehdistanz: 14,5 km

New York Tag 1
Heute fahren wir mit dem Vorortszug nach Manhattan. Das ist ziemlich viel günstiger. Dafür müssen wir ein paar Minuten länger bis zur Station laufen (Gehdistanz zur Fähre ca. 12 Minuten, Gehdistanz zum Zug ca. 20 Minuten). Unser erstes Ziel ist One World, der neue Wolkenkratzer, welcher als Ersatz für die beiden am 11. September eingestürzten gebaut wurde. Bevor wir mit dem Lift in den 102ten Stock fahren, haben wir noch Zeit am Memorial zu 9/11 vorbeizuschauen. Zwei riesige, schwarze, viereckige Brunnen, die wie ein Loch im Boden klaffen und die beiden Towers symbolisieren, erinnern an den Terroranschlag. Darum herum sind alle Namen der Opfer eingraviert. Beim Besuch von One World wird nicht auf 9/11 eingegangen. So ist das Ganze dann auch eine ungezwungene Show. Der Ausblick ist spektakulär. Wir haben viel Sonne und blauen Himmel erwischt und geniessen eine super Aussicht. Da der Besuch weniger Zeit als erwartet braucht und die Kinder an den Ereignissen vom 11. September sehr interessiert sind, beschliessen wir spontan auch noch das Museum zu besuchen. Im Musuem herrscht angespannte Stille. Das Thema ist sehr gut aufgearbeitet. Die Abläufe zum Tag sind detailliert beschrieben und viele Trümmerteile von damals sind ausgestellt. Auch den Opfer wird natürlich gebührend gedacht. Ich muss ein paar Mal leer schlucken. Damals war ich als Flight Attendant mit der Swissair unterwegs und mich hat der Anschlag sehr betroffen. In Erinnerung bleibt allen, was er oder sie gemacht hat, als er oder von den Anschlägen erfahren hat. Ich war mit der Swissair in Dubai. Eine Woche später hatte ich einen Flug nach New York. Ich erinnere mich noch genau an damals, als ich durch die staubigen Strassen gelaufen bin und versucht habe zu erfassen, was da gerade passiert war. Zum Glück fragen die Kinder viel und wollen alles wissen. So bin ich bestens beschäftigt. Wir gehen nicht allzu fest in die Details und werden nach rund einer Stunde mit schwerer Kost wieder an die Sonne gespickt. Nächster Programmpunkt ist die Freiheitsstatue.

USA, New York, State of Liberty

Mit dem Schiff lassen wir uns auf die Insel bringen. Von zu Hause aus haben wir uns einen Slot für den Besuch der Krone gesichert. Diese Plätze sind limitiert. Dies weil auch der Platz dort oben sehr limitiert ist. Über eine sehr schmale Wendeltreppe geht es Stufe für Stufe steil nach oben. Oben angekommen, sieht man eigentlich nicht viel. Und trotzdem ist es cool. Man bekommt maximal vier Minuten und muss dann wieder die Treppe nach unten in Angriff nehmen. Der letzte offizielle Programmpunkt des Tages ist der Walk über die Brooklyn Brigde. Wir laufen von Brooklyn nach Manhatten. Eigentlich gut getimt zum Sonnenuntergang. Nur leider haben sich in der Zwischenzeit am Himmel viele Wolken versammelt. Toll ist es trotzdem. Nach einem letzten Stopp in einem PopMart, wo die Kids sich ein echtes (!) Mini-Labubu kaufen, sind wir definitiv erledigt und ready für den Heimweg. Wir freuen uns aufs Schuhe ausziehen, aufs Sofa liegen, auf ein paar Nudeln schlemmen und eine Dusche. Was für ein Tag!
Heutige Gehdistanz: 17,3 km

New York, Tag 2
Wir sind wieder relativ zeitig unterwegs. Um 10 Uhr erwartet uns der erste Programmpunkt des Tages: wir besuchen das Slime Museum. Die Kinder haben dieses auf YouTube entdeckt und als grosse Slime-Fans müssen sie natürlich unbedingt dorthin. Wir können in allerhand Slime herum drücken, wir können unseren Slime an einem riesigen Slimeberg anpatchen, wir können mit Schleim herum schiessen, wir können mit Schleim Musik machen, wir können in Schleim laufen und wir können unseren eigenen Slime machen. Höhepunkt ist die Slime-Dusche – nur für die Kids :-). Sie werden gut in Plastik verpackt und danach mit mehreren Kübeln blauem Slime übergossen. Sehr schleimig ist es zum Glück nicht. Spass macht es aber allemal. Danach beginnt erneut ein langer Walk durch Manhatten.

USA, New York, Reflection

Via Little Italy geht es nach Chinatown. Dort gibt es diverse gedämpfte Leckereien zum Zmittag. Weiter laufen wir mit einem Stopp bei Crumble – Cookie-Shop Empfehlung von den Kids – durch Soho und das Greenwich Village zum Bügeleisen-Haus (aktuell im Umbau) und Empire State Building. Bevor wir zum Sonnenuntergang auf The Summit fahren, schauen wir auch noch beim Hauptbahnhof und beim Chrysler Building vorbei. Unterwegs gibt es immer wieder einen Besuch in einem Shop. Die letzten Dollar, die die Mädels zu Hause gespart haben, wollen ausgegeben werden. Danach folgt der Besuch von The Summit. Dieses Hochhaus ist aktuell wohl das angesagteste und wir wissen bereits nach wenigen Sekunden auch warum. Dank spektakulären Glas- und Spiegelinstallationen sieht man alles mehrfach und alles bekommt einen total surrealen Touch. Wir bleiben fast zwei Stunden auf dem Gebäude und bekommen so auch die goldene Stunde mit. Dank dem Sonnenuntergang wir die ganze Szenerie noch fantastischer. Definitiv ein Must für jeden NYC-Besuch! Langsam aber sicher geht uns die Energie aus und wir suchen via Times Square im Dunkeln die Bahnstation mit dem Zug nach New Jersey.

USA, New York, Skyline Night

Nach dem Trubel des Tages ist es schön ins ruhige und übersichtliche Hoboken zu fahren. Mit den letzten Kräften schleppen wir uns zu einem Italiener am Ende der Hauptstrasse. Ein Pizza für alle, bitte! Ein feiner Abschluss nach 12 Stunden unterwegs.
Heutige Gehdistanz: 16 km

USA, New York, Central Station

New York, Tag 3
Wir lassen es ruhiger angehen. Wir haben heute keine Buchung für irgendeine Sehenswürdigkeit und sind deshalb zeitlich flexibler. Als erstes schlendern wir über die High Line. Die alte Güterbahnlinie wurde vor einigen Jahren in einen begrünten Gehweg umgewandelt. Was für eine tolle Idee! Ein paar Meter über dem Boden spazieren wir quasi über New York. Wir geniessen immer wieder neue Blickwinkel auf die Stadt. Unterwegs liegt auch der Chelsea Market. Wir fühlen uns gleich ein paar Jahre zurückversetzt und denken voller Sehnsucht an die Markthalle zurück, die wir auch einmal in Bern hatten. Bei wohl einem der eigenartigsten Gebäude der Stadt, dem Vessel, wird es zunehmend windig. Leider haben wir die Windstopper im Haus gelassen – notabene hatten wir sie bis dato noch nie an – und da wir alle nicht gerade warm haben, schenken wir uns die letzten Meter der High Line. Das nächste Ziel liegt auf der anderen Seite von Manhattan. Mit der Gondel (und einigen vielen anderen Touristen) fahren wir auf die Roosevelt Island. Keine Ahnung wohin die vielen Touristen nach der Gondelfahrt verschwinden. Auf der Insel sind wir dann jedenfalls fast alleine unterwegs. Manhatten von der anderen Seite liegt vor uns.

USA, New York, Painting

Randnotiz: mit Blick auf das UNO-Gebäude erhalten wir eine Push-Mitteilung, dass der Krieg in Gaza beendet werden soll. Ein sehr passender Ort, wie wir finden und hoffentlich entsprechend auch ein gutes Omen. Zurück in Manhatten machen wir dann auch noch einen Schwenker zum UNO-Gebäude. Die Fahnen aller Mitglieder wehen vor dem Gebäude im Wind. Sonst gibt es nicht viel zu sehen. Nach einer Kaffi-Pause fahren wir mit der Metro nochmals nach Chinatown. Die Kids haben noch ein paar Dollars übrig. Meine Wenigkeit wünscht danach nochmals einen Abstecher auf die Brooklyn Bridge.

USA, New York, Brooklyn Bridge

Und schliesslich landen wir auch nochmals im PopMart am Bahnhof und stellen uns in die Labubu-Schlange. Auch hier gehen die Dinger weg wie warme Semmel. Dann heisst es Tschüss NYC. Es war grossartig! In der Ferienwohnung in Hoboken gibt es ein Apero. Danach verlassen wir das Haus nochmals für das letzte Znacht bei Udon und Ramen.
Heutige Gehdistanz: 20,5 km

USA, Hoboken, Halloween

Bye USA
Irgendwie bringen wir alles in die vier Koffer. Diese sind bis zum Rand platsch voll. Später am Flughafen müssen wir dann tatsächlich auch noch zwei Kilos vom einen in das andere Gepäck verschieben. Um elf Uhr müssen wir die Ferienwohnung verlassen. Wir rufen ein letztes mal ein Uber-Taxi. Am Flughafen schlagen wir uns die Zeit bis zum Abflug mit allem möglichen um die Ohren. Langweilig wird es uns auf jeden Fall nicht. Irgendwann dürfen wir dann boarden und mit United in einer halb leeren Maschine zurück in die Schweiz fliegen. Das Essen ist fürchterlich und die Crew extrem gelangweilt. Pünktlich setzen wir in Genf auf und nehmen unsere Koffer in Empfang. Leider ist der neue gekaufte schon wieder kaputt. Später zu Hause werden wir erfahren warum: er wurde in Newark geöffnet und kontrolliert und nicht wieder korrekt geschlossen. Die Naht ist deshalb gerissen. Zum Glük ist der Inhalt aber vollständig und unversehrt.

Damit sind die Herbstferien 2025 Geschichte. Wir hatten eine tolle Zeit in den USA. Alles mögliche durften wir sehen, besuchen, erleben und lernen. Als Tourist merkt man wenig bis gar nichts von Trump und seinem Tamtam. Wir haben aber auch nicht konkret danach gesucht. Amerika ist und bleibt crazy – positiv wie negativ.

Spain

Vamanos!
Wir sind parat, parat für Ferien. Der nächste Roadtrip steht an. Ziel: der Norden Spaniens. Alle haben wir bereits am Freitag frei. Der Wecker weckt uns trotzdem zu gewohnter Zeit. 900 Kilometer liegen vor uns. Um acht Uhr sind unsere sieben Sachen im Auto verstaut und wir fahren los. Fast alles wird heute im Auto erledigt. Nur für den Fahrerwechsel und den WC-Besuch legen wir ein paar kurze Stopps ein. So kommen wir zügig vorwärts und sind bereits um sechs Uhr an unserem ersten Ziel etwas ausserhalb von Bordeaux. Hier unterbrechen wir die Fahrt für eine Nacht. Die Kids dürfen zu ihrer grossen Freude zum Austoben ins Hotel-Gym. Nach dem Sport fahren wir zu Papas grosser Freude zu Buffalo Grill. Damit ist auch schon fast alles Wissenswerte zu heute erzählt. Einzig zum Schluss noch dies: seit heute kennen wir die neue Klasseneinteilung von Anina ab der Oberstufe. Sie ist happy… und irgendwie doch durch den Wind.

Bilbao
Von Bordeaux ist es nicht mehr weit bis an die spanische Grenze. Alle im Auto jubeln, als wir mit 120 Sachen am Schild „Espagna“ vorbei düsen. Unser erstes Ziel heisst Bilbao. Bevor wir aber die Stadt erkunden, schauen wir uns etwas ausserhalb das erste Unesco Welterbe dieser Reise an: die Brücke Vizcaya. Wie ein Ufo fliegt die Schwebefähre von der einen Seite des Flusses auf die andere. Wir schauen uns das Ganze auch von oben an und laufen in 45 Meter Höhe über den Nervion. Der Clou des Konstruktes: alle Schiffe – egal wie hoch – können immer ohne Probleme unten durchfahren und es braucht keine Brückenauffahrten, für die es zum Baustart sowieso keinen Platz mehr gegeben hätte. Deshalb auch das aussergewöhnliche Konstrukt. Retour fahren wir wie alle auch mit der Fähre. Platz hat es immer für sechs Autos, ganz viele Fussgänger, einige Velos und Mofas. Kurz fühlen wir uns dann auch noch wie in Hongkong. Wir finden eine Rolltreppe, die mitten in der Stadt die Fussgänger bequem den Hügel hinauf befördert. Danach ist es Zeit für die ersten Tapas. Der nette Herr am Tresen spricht zum Glück Deutsch und erklärt uns genau, was in der Vitrine aufliegt. Wir probieren uns durch die interessantesten Kombos. Einigen schmeckt es besser als anderen 🙂 Schliesslich geht es weiter nach Bilbao. Wir fahren direkt zum Spot Nummer 1, dem Guggenheim Museum.

Spain, Bilbao, Guggenheim

Die Konstruktion ist imposant. Wir laufen einmal rund herum und staunen auch ab den diversen sonst noch zu findenden Kunstwerken. Im Hotel gibt es schliesslich eine wohlverdiente Pause und ein Apero. Danach zieht es uns auch noch in die Altstadt. Den Rat im Lonely Planet befolgen wir: the best plan is to have no plan. Wir lassen uns deshalb wie gaaaaanz viele Einheimische einfach treiben. Flanieren und Aperöle scheint hier Volkssport Nummer 1 zu sein. Spätestens als ein ganzer Platz zu einer Guggenmusik beginnt zu tanzen, ist klar, dass hier alle ziemlich locker drauf sind. Da jede Beiz und jede Bar bis auf den letzten Platz gefüllt ist, landen wir schlussendlich für das Znacht im KFC. Ein Stilbruch, aber zum Glück haben wir schon am Mittag ein paar Tapas, die hier übrigens Pintxos heissen, abbekommen.

Spain, Bilbao, Bridge

Altamira
Zu unseren Lieblingssehenswürdigkeiten gehören ja Höhlen. Also eigentlich nicht wirklich, aber heute steht aufgrund des Unesco Status wieder mal eine auf dem Programm. Diese geht zum guten Glück in die Kategorie rasch und sehr einfach zu besichtigen. Da Sonntag und damit alles gratis ist, empfiehlt es sich rechtzeitig dort zu sein. Wir timen genau richtig und kommen tout just vor dem vollen Car an. Entsprechend müssen wir nicht lange warten und stehen bald im Höhlen-Nachbau, wo unter anderem eine Herde Wisente an die Decke gezeichnet wurde. Da wir ähnliches auch schon im Original besichtigen durften, sind wir nicht übermässig beeindruckt.

Spain, Altamira, Cave

Beeindruckt ist der Rest der Familie eher als ich ein kleines Mädchen, dass seinen Eltern davon gerannt ist, mit meinen vier Sätzen fliessend spanisch beruhige und wieder zurück zu seiner Mama bringe. Gleich nach der Höhle stossen wir auf ein hübsches Kaff mit einem netten Casco antiguo. Kurzerhand parkieren wir den Dacia und schlendern an der warmen Frühlingssonne durch die hübschen Gassen. Irgendwo an einer netten Ecke gibt es Caffe con Lecche und Pintxos. Schon am zweiten Tag unserer Spanienrundreise sind wir zu Pinxtos- resp. Tapas-Fans geworden. Was gibt es praktischeres: Man geht in eine Bar, wählt was einem ins Auge springt, stillt den Hunger und kurze Zeit später ist man wieder ready für alles weitere was noch kommt. Bei uns kommen heute noch zwei Stopps am Meer. Einmal hoch oben auf den windigen Klippen und einmal auf Meereshöhe am Strand zwischen den Klippen. Leider ist der Wind am Meer noch sehr kühl und an Baden ist nicht zu denken. In Llanes, einem kleinen und unscheinbaren Kaff am Meer, wartet das heutige Nachtlager auf uns. Während gestern gefühlt alle auf der Gasse waren, ist heute gefühlt niemand unterwegs. Irgendwo finden wir dann doch noch ein Bar, wo wir ein super feines Glas Wein und die Kids eine Oreo-Glace bekommen. Dessert als Vorspeise nennt sich das 🙂 Zum Znacht gibt es danach Dürüm. Der Laden läuft. Ein Zeichen, dass es schmeckt. Aber auch ein Zeichen, dass man heute heute wirklich sonst nirgendwo etwas zwischen die Zähne bekommt.

Spain, Llanes, Beach

Orviedo
Unser Motto für diese Reise: jeden Tag ein Unesco Welterbe. Heute übernimmt diesen Part die Kathedrale von Orviedo. Praktischerweise sind das Museum und das Kloster gleich im Rundgang der Kathedrale integriert. Ansonsten wäre es eine Kathedrale wie viele.

Spain, Oviedo, Church

Die Lieblingssehenswürdigkeit der Mädchen ist aber sowieso der Ale-Hop. Diese bis anhin nur in Spanien angetroffene Ladenkette, wo alles mögliche an Krimskrams erhältlich ist, zieht sie voll in den Bann. Wann immer einer auch nur annähernd in der Nähe ist, stehen wir früher oder später vor den Regalen. Und dies obwohl es eigentlich überall das Gleiche zu kaufen gibt… Es lebe das Ferien-Sackgeld 🙂 Orviedo ist sehr relaxt. Es hat eine grosse autofreie Fussgängerzone, wo man alles findet – ausser Tapas zum Zmittag. Trotz zahlreichen Blicken in jede Bar entdecken wir heute keine dieser Leckereien. Vielleicht suchen wir auch am falschen Ort. Egal, im Supermercato um die Ecke finden schliesslich alle etwas, das schmeckt. Auf den Hügeln bei Orviedo gibt es als Supplement noch zwei munzige Kirchlein, die auch zum Unesco Weltkulturerbe zählen. Da wir zur Siesta-Zeit hier sind, können wir diese aber nur von aussen besichtigen. Auch am Meer ist unser Timing schlecht. Die grossen, ausgehöhlten Felsenbögen, die sich los Catedrales nennen, sind wegen der Flut nicht erkennbar.

Spain, Playa de las Catedrales

Am Abend gibt es Grill mit Unterhaltung. Die Hausmutter des Bed and Breakfast spricht ausschliesslich Spanisch und textet uns zu. Mit unseren leider bescheidenen Spanischkenntnissen können wir uns zusammen reimen, dass heute ihr Hund überfahren wurde. Sie ist sehr traurig und wir wohl die ersten, denen sie dazu ihr Leid klagen kann. Das reicht, um einen Platz in ihrem Herzen zu ergattern. Ab sofort stehen wir nämlich unter ihren Fittichen. Sie hilft uns beim Einfeuern, schaut, dass alles was es braucht da ist und verteidigt zum Schluss sogar noch unser Feuer vehement gegen die kanadischen Touristinnen aus dem Bungalow nebenan. Fun Fact: die Kanadierinnen scheinen noch nie mit Kohle gegrillt zu haben. Sie fragen jedenfalls ganz genau, was sie denn nun machen müssen, damit auch ihr Grillgut gelingt.

Melias 10ter Geburi
Heute lassen wir ruhig angehen. Melia feiert ihren 10ten Geburi und zur Feier des Tages gibt es schon zum Frühstück diverse Leckereien. Happy Birthday, unsere kleine, grosse Tochter! Wir haben dich mega fest lieb und sind sehr stolz auf dich! (Dito natürlich für Anina, die ihren 12ten Geburi vor zwei Wochen zu Hause bereits gefeiert hat!) Nach einer Stunde im Auto erreichen wir Lugo. Rund um die Altstadt führt eine römische Stadtmauer, die noch vollständig erhalten ist und – surprise suprise – Unesco Weltkulturerbe ist.

Spain, Lugo, City Wall

In der Morgensonne schlendern wir auf der Mauer um die Hälfte der Altstadt. Bei der Kathedrale verlassen wir das Bauwerk und schauen uns die Kathedrale an. Diese gehört neben ganz vielen anderen Sehenswürdigkeiten zum umfassenden Welterbe des Camino de Santiago, dem Pilgerwegnetz, welches nach Santiago de Compostela führt. Interessant sind vor allem die Schlangen vor den Beichtstühlen. Es scheint, als ob ganz viel Ablass notwendig ist. Die Altstadt sonst ist eher eine Enttäuschung. Dies vor allem weil es nicht viel mit einer Altstadt zu tun hat. Fast alles ist modern und neu und der noch alte Teil wird gerade neu gemacht. Da wir noch genug Zeit haben, machen wir auf der Weiterfahrt auch noch einen kurzen Abstecher zu einem Kloster unweit von Santiago. Dieses liegt ebenfalls auf dem Jakobsweg. Wir merken, dass wir die spanischen Siesta-Zeiten immer noch nicht im Griff haben. Dass es eine Siesta zwischen 13 und mindestens 16 Uhr gibt, will uns irgendwie nicht in den Kopf. Immerhin die Girls freut es, denn so bleibt ihnen der Besuch des spontan angesteuerten Klosters erspart :-). Nicht erspart bleibt uns ein aufklärendes, aber gutes Gespräch über Flüchtlinge. Am Eingangsportal des Klosters befindet sich nämlich sehr offensichtlich erkennbar eine Asylunterkunft. Derart direkt haben die Kids noch nie Flüchtende und ihre Unterkunft bewusst erlebt. In einem grünen Tal etwas ausserhalb von Santiago de Compostela beziehen wir schliesslich direkt am Camino für die nächsten drei Nächte eine Villa. Krasser könnte der Kontrast zur Flüchtlingsunterkunft kaum sein. Normalerweise erwarten wir ja nie eine Villa wenn „Villa“ steht. Aber dieses Mal ist es tatsächlich eine. 350 m² für uns ganz alleine. Zum Vergleich: unser Zuhause am Trachselweg in Bern hat knapp 100 m². Drei Schlafzimmer mit je einem Badezimmer plus ein zusätzliches viertes WC, eine riesige Küche (also eigentlich sind es zwei Küchen), ein Esszimmer, ein Voresszimmer, eine Lounge und ein erster Stock als Wohnzimmer mit nochmals einem Esstisch und einem Kamin gehört uns ganz alleine. Dazu ein Balkon und eine Terrasse und Umschwung. Wir sind überfordert! Die Hausführung per Video dauert über 3 Minuten. Alles ist im spartanischen 70iger Jahre Stil gehalten und könnte auch eine Konstruktion von Le Corbusier sein. Es ist ein bisschen too much und doch irgendwie mega cool. Hoffentlich finden wir bei der Abreise alle unsere Sachen wieder 🙂 Wir dekorieren Küche und Esszimmer Nummer 1 für Melias Geburifeier. Danach darf sie die restlichen Päckli auspacken. Zum anschliessenden Shopping fahren in eine riesige Mall. Das Wort „riesig“ wird nach dem Einkaufen relevant. Nini und ich finden das Auto nämlich nicht mehr und irren minutenlang orientieriungslos in der Garage herum. Was wir ohne Probleme in der Mall finden ist der spanische DM und der spanische Rosssmann. Die Shopping-Queens sind im Element. Und zur Freude von Odi gibt es für das Vorznacht sogar auch noch einen Taco Bell. Im Carrefour kaufen wir schliesslich alles weitere für die Geburiparty am Abend ein. Sogar Melias grosser Wunsch nach einer Pinjada können wir erfüllen. Mit einem Apero riche und einer Regenbogen-farbigen Geburitorte geht der Tag auf der Terrasse irgendwann zu Ende. Wir sind dankbar. Dankbar, dass wir uns haben, dankbar, was wir alles haben – einfach nur dankbar.

Herkules Turm
Für heute haben wir nicht viel geplant. Das einzige was wirklich auf dem Programm steht, ist der Besuch des Herkules Turms mit Unesco-Status in A Coruna. Das Wetter könnte nicht besser sein. Bei stahlblauem Himmel besichtigen wir das römische Bauwerk. Der Legende nach hat der griechische Herkules den Riesen Geryon hier enthauptet und über dessen Gebeine den Turm gebaut.

Spain, A Coruna, Hercules Tower

Nach dem Turm strecken wir ziemlich orientierungslos die Köpfe zusammen und suchen im Lonely Planet nach einem nächsten möglichen Programmpunkt. Wir beschliessen zum Kilometer 0 des Jakobsweg Nahe Finestra zu fahren. Vorher gibt es im Kaff selber Seafood für die Eltern und Pommes und Caprese für die Kids. Das Essen der Eltern ist mässig, das Essen der Kinder gut. Ob der Michelin-Kleber am Eingang wirklich echt ist? Die meisten Pilger beenden ihre Wanderung in Santiago de Compostela. Die ganz wilden wandern weiter bis zum Kap, wo der Stein mit dem Kilometer 0 den offiziellen Endpunkt des Weges markiert. Wir sind beeindruckt ab allen Wanderern, egal ob der Weg sie bis Santiago oder gar bis zum Kap geführt hat. Die vielen pilgerenden Menschen, die wir unterwegs – meist aus dem Auto notabene – gesehen haben, wirken irgendwie motivierend. Wer weiss, vielleicht legen wir ja auch mal ein paar Wandertage auf dem Jakobsweg ein… Leider haben wir die kurzen Hosen und auch das Badezeugs in der Villa vergessen.

Spain, Fisterra, Coast

Der Stopp an einem wunderschönen Sandstrand dauert deshalb nicht lange. Einige finden es viel zu heiß in den Jeans und wünschen sich die kurze Hosen herbei. Immerhin: Im Meer wäre wohl auch mit Badezeugs niemand gelandet. Das Wasser ist nur gerade 14 Grad warm… Zurück in der Villa machen alle wozu sie nach dem langen Tag gerade Lust haben. Nach dem Apero schlage ich entgegen den ursprünglichen Plänen vor, dass wir den schönen Abend doch in Santiago ausklingen lassen könnten. Und so verbringen wir die ersten Stunden in der schönen Altstadt. Wir fühlen uns in diesem geschichtsträchtigen Ort sofort wohl. Die Sonne und die Abendstimmung tragen das ihrige dazu bei. Das Resti suchen die Kinder aus – Asian Food. Praktischerweise gleich neben einem Ale-Hop…

Santiago de Compostela
In jeder spanischen Stadt scheint es genügend Parkhäuser zu geben. Wir finden deshalb auch heute Nahe der Altstadt easy einen freien Parkplatz. Dass diese zudem auch immer bezahlbar sind, ist eine weitere Überraschung. Interessanterweise ist die Menge an Verkehr trotzdem immer sehr überschaubar. Zum Glück wissen die Kids am Morgen noch nicht was sie heute erwartet. Sonst wären sie wohl nicht so fix aufgestanden 🙂 Wir werden nämlich rund sechs Stunden vor, auf, in und um die Kathedrale verbringen. Unser erstes Ziel ist das Portico de la Gloria. Obwohl es das eigentliche Eingangstor zur Kathedrale ist, dient es nicht mehr als Eingang und kann nur zum vorgebuchten Zeitpunkt besucht werden. Jede Gruppe bekommt 25 Minuten, um die vielen Figuren am Tor zu besichtigen. Tönt nach viel, ist es aber nicht unbedingt. Wir brauchen tatsächlich fast die ganze Zeit. Danach schauen wir uns das Museum inkl. anliegendes Kloster an. Das finden wir alle eher mässig spannend. Die ausgestellten Stücke sind für Laien wie uns doch in jeder Kathedrale immer wieder gleich und ähnlich. Vor dem nächsten gebuchten Programmpunkt lassen wir uns durch die autofreien Gassen der Altstadt zum lokalen Markt treiben. Wir verköstigen uns über die Gasse und landen irgendwann wieder vor der Kathedrale. Die Menge an Menschen auf dem Platz ändert sich ständig. Je nachdem wie viele Pilger ankommen ist der Platz unterschiedlich voll. Immer wieder ist lauter Jubel zu hören, wenn jemand – laut sind meistens die Gruppen – das Ziel erreicht hat. Die Stimmung ist einmalig und eindrücklich. Wieso pilgern eigentlich alle nach Santiago de Compostela? Nun, Santiago de Compostela ist der dritt wichtigste Wallfartsort der Katholiken – nach Jerusalem und Vatikan – und der Apostel Jakob ist hier begraben. Warum die Menschen überhaupt pilgern, ist eine individuelle und persönliche Sache und muss jeder für sich selber bestimmen. Der Höhepunkt des Tages folgt jetzt: wir gehen auf das Dach der Kathedrale. Die Tatsache auf dem Dach der Kathedrale zu stehen, ist spektakulär und der Perspektivenwechsel einfach toll. Zum Schluss folgt noch der Besuch der Kathedrale an und für sich. Diesen nehmen wir dann mehr oder weniger einfach noch so mit. Ziemlich erledigt, fahren wir retour zur Villa. Siesta… Ausgeruht geht es später nochmals zurück in die Stadt. Shopping und vor allem etwas zu Essen stehen auf dem Programm. Damit geht unser Besuch von Santiago de Compostela auch bereits zu Ende. Eindrücklich wars!

Spain, Santiago de Compostela, Cathedral

Der Aufreger des Tages folgt dann noch am Abend spät. Die Mädels schminken sich mit dem neu erstandenen Nagellackentferner ab… natürlich nicht absichtlich, sie dachten, sie hätten Make-up-Entferner gekauft. Mal schauen, ob es morgen trotzdem noch ein paar hübsche Fotos von den beiden gibt…

Las Medusas und eine unerwartete Osterprozession
Glück gehabt, die hübschen Gesichter sind immer noch hübsch. Nach drei Nächten am gleichen Ort packen wir alles wieder in unsere Koffer. Im Landesinnern fahren wir wieder in die anderen Richtung; in Richtung Osten. Unterwegs machen wir einen Stopp in Las Medusas (Weltkulturerbe). Die Landschaft mit den tiefroten Felsen gefällt und ist sehr fotogen. Die Römer haben hier Gold für ihr Reich schürfen lassen. Übrig geblieben ist die besondere Landschaft mit den roten, unbewachsenen Felsen. Für eine Wanderung fehlt die Motivation sowie die Ausrüstung und zum Glück auch die Zeit. So ist rasch entschieden, dass uns eine kurze selbst geführte Tour durch einen alten Minenkanal für heute reicht.

Spain, Las Medulas

In Leon beziehen wir direkt in der Altstadt unser Nachtlager. Die Dame an der Reception erzählt irgendetwas von einer Osterprozession, die heute um acht Uhr gleich auf dem Platz neben dem Hotel beginnen soll. Wir nehmen die Info dankend zur Kenntnis und haben keinen grossen Plan was das bedeutet. Spazierend geht es nun erstmals durch die Altstadt zur Kathedrale. Die Stadt ist voll mit Apero trinkenden Menschen. Als wir zum Einkehren ready sind, verschwinden auf einmal wie von Zauberhand alle Tische und Stühle vor den Bars. Ein erstes Mal dämmert uns, dass diese Prozession eine grössere Sachen werden könnte. Wir gehen zurück zum Platz beim Hotel und staunen nicht schlecht, als wir all die Menschen sehen, die sich dort versammelt haben. Auch hier sind freie Plätze in einer Bar, die auch draussen noch etwas serviert natürlich Fehlanzeige. Da unser Fenster im Hotelzimmer direkt auf den Platz geht, beschliessen wir, dem Treiben von oben zuzuschauen. Pünktlich um zwanzig Uhr fangen alle Glocken der Stadt an wie wild zu bimmeln. Dies ist der Startschuss für den Umzug, welcher nur ein paar Meter vor unserem Hotel beginnt und direkt an unserem Fenster vorbei führt. Von zwei Musikgruppen (vergleichbar mit einer Gugge bei uns, aber mit weniger fröhlicher Musik und ohne Fasnachtskostüme dafür in Uniformen) begleitet, laufen diverse nachdenklich wirkende Vertreter der katholischen Kirche am Umzug mit. Ganz besonders crazy, ist ein riesiges Podest mit Skulpturen von Maria und Jesus und einem riesigen Kreuz darauf. Dieses scheinbar sehr schwere Podest ist der wichtigste Bestandteil des Umzuges und muss von ganz vielen Männern getragen werden. Die Frauen dürfen in schwarzen Kleidern, die sie aussehen lassen wie Witwen, netterweise auch mitlaufen. Nach ungefähr zehn Minuten ist der Spuk vorbei – denken wir. Wir machen uns für das Znacht in der Altstadt parat. Leider hat aber der halbe Umzug in der Zwischenzeit wieder kehrt um gemacht und blockiert nun quasi den Hoteleingang. An ein Durchkommen ist nicht zu denken.

Spain, Leon, Procession

Da es nun auch noch angefangen hat zu regnen und es bereits wieder nach neun Uhr ist – in Spanien ja eigentlich die perfekte Znacht-Zeit, für uns aber langsam aber sicher höchste Znacht-Zeit – beschliessen wir es bei einer Nudelsuppe im Hotel zu belassen. Schade, mindestens ich hatte mich geistig auf Tapas eingestellt. Statt kulinarisches einheimisches gibt es somit heute Abend „nur“ kulturelles einheimisches. Die „Santa Semana“ und damit die Osterfeierlichkeiten haben damit offiziell begonnen.

Atapuerca und Burgos
Es ist nass, grau und kalt. Wie angekündigt hat das Wetter umgeschlagen. Die gute Nachricht: heute schlagen wir über die Stränge und schauen uns zwei Unesco Welterbestätten an. Nach zwei Stunden auf der Autobahn erreichen wir die Sierra de Atapuerca. 1901 sollte hier eine Eisenbahnstrecke gebaut werden. Dazu mussten auch Schneisen in die Landschaft geschlagen werden. In einer dieser Schneisen stiessen die Bauarbeiter auf Höhlen und in diesen Höhlen wiederum wurden Fossilien der frühesten Vorfahren der heutigen Menschen Europas gefunden. Die Skelette sind zwischen 780´000 und 120´000 Jahre alt. Wir schauen uns in einer Gruppe die Ausgrabungsstätte an. Tönt interessant, ist es aber nur bedingt. Erstens sieht man nicht viel und zweitens verstehen wir kein Wort von der spanischen Führung. Unser spanisch reicht mehr oder weniger für den Alltag, aber definitiv nicht für eine archeologische Führung :-). In Burgos gibt es dann wieder einmal etwas richtiges in den Magen. Im Taco Bell lassen wir es uns gut gehen. Unser Hotel ist einmal mehr ein Glücksgriff. Etwas kostspieliger als auch schon, aber aufgrund der Lage jeden Rappen wert. Es liegt nämlich Tür an Tür zur wunderschönen Kathedrale (Weltkulturerbe). Direkt vom Zimmer haben wir einen super Blick.

Spain, Burgos, Cathedral

Fairerweise müssen wir aber auch erwähnen, dass wir bald eine Kathedralen-Überdosis haben und wir diesbezüglich nicht mehr ganz so motiviert wie auch schon sind. Natürlich schauen wir uns das Bauwerk trotzdem auch von innen an. Das Städtchen ist auch sonst sehr schmuck. Aufgeräumt, sauber, lebendig, verkehrsfrei, überall Bars, Cafes, Shops, usw. Bezüglich Nachtessen sind wir lernfähig. Wir rücken nicht mehr allzu früh aus, sind aber immer noch ein paar Minuten früher unterwegs als die Einheimischen und finden so auch ohne Reservation einen Platz. Heute zur Abwechslung in einem Sushi-Restaurant. Jammie… Auch in Burgos gibt es am Abend eine Osterprozession. Weit nach zehn Uhr können wir die Musik im Zimmer hören. Wir bleiben im Bett liegen und verzichten heute auf eine erneute Teilnahme an der Osterprozession.

Tapas und Rioja!
Das Wetter ist immer noch regnerisch. Auf der Fahrt zu den Klöster Yuso und Suso (beide Kulturerbe) kommen uns ganz viele Pilger entgegen – heute mit Regenschutz ausgerüstet. Sie alle sind auf dem berühmtesten der Pilgerwege, dem Camino Frances, unterwegs. Teilweise hat das Ganze etwas von einer Völkerwanderung. Und trotzdem sind wir nach wie vor fasziniert. Die neuste (Furz-)Idee für die mittlere Zukunft: zur Pensionierung nehmen Odi und ich einen der Pilgerwege unter die Füsse und die Mädels nehmen uns am Ziel in Santiago de Compostela in Empfang. Schauen wir mal… 🙂 Bereits zu Hause haben wir erfahren, dass eines der beiden Klöster kurzfristig wegen Renovation geschlossen wird. Erst haben wir uns ein bisschen darüber geärgert. Aber nach dem ersten Kloster sind wir nun fast ein wenig froh darüber. Wiederum ist nämlich alles nur mit einer auf spanisch durchgeführten Tour begehbar. Vor allem die Kids finden dies langsam aber sicher ziemlich anstrengend, da sie ja noch weniger als wir verstehen und Klosterbesuche auch an und für sich nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehören. Da es auch noch in strömen regnet, fällt ebenfalls das Verweilen rund um die Bauwerke buchstäblich ins Wasser. Wir sitzen deshalb bald wieder im Auto und fahren weiter nach Logrono. Den Nami verbringen wir in der Ferienwohnung. Wir nutzen die letzte Waschmaschine der Reise, machen eine ausführlichere Runde Franz-Voci und chillen, um es in den Worten der Kids zu sagen, ein bisschen herum. Das Kaff selber scheint ziemlich untouristisch. Im Lonely Planet wird es trotzdem erwähnt; wegen der herausragenden Tapas-Szene. Und wegen des Rioja. Logrono ist die Rioja-Hauptstadt und umgeben von zahlreichen Weinanbaugebieten. Bevor es aber Zeit für Tapas und Wein ist, schlendern wir mit den Einheimischen durch die Fussgänger-Zone. Die Mädels gehen ein letztes Mal in den Ale-Hop. Ein gewisser Trennungsschmerz macht sich bemerkbar. Dann ist es endlich Zeit für die Tapas-Strasse(n). Gemäss Recherchen soll es hier auf 80 Meter 300 Bars geben. Und das gleich zwei Mal, weil es zwei dieser Strassen gibt. Wir haben gelesen, dass man unbedingt mehrmals einkehren muss. Denn jede Bar hat ihre eigenen Leckereien. Wir schaffen drei Besuche. Das Prozedere ist immer gleich: Tapas, Wein, Cola bestellen und geniessen. Beim Wein verlassen wir uns immer blind auf die Empfehlung des Hauses. Die Tapas suchen wir dem Auge folgend selber aus. Vor allem ich bin im Himmel!

Regen in den Pyrenäen
Unsere Planung wäre einmal mehr optimal: wir fahren direkt zum National Park rund um den Monte Perdido (Weltnaturerbe) und machen eine rund zwei stündige Wanderung. Soweit die Theorie. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung – mindestens einigen der Familie, aber dazu später mehr. Es schifft in strömen! Wir halten trotzdem beim Besucherzentrum und erhalten die gewünschte Wanderempfehlung.

Spain, Monte Perdido, Fog

Schmunzelnd, dass die Dame uns trotz Wetter voll motiviert die Wanderung empfohlen hat, fahren wir zum Parkplatz weiter hinten im Tal. Hier wird klar, warum die Dame so motiviert war. Der Parkplatz ist voll – und er ist riesig! Es scheint, als ob sich die Spanier nichts aus schlechtem Wetter machen und trotz notabene strömendem Regen wandern gehen. Na dann, müssen wohl auch wir wenigstens so tun, als ob uns das Wetter egal ist. Zugegebenermassen sind wir nicht richtig ausgerüstet für dieses Hundewetter. Ich bin dann auch die Erste die nach wenigen Minuten kehrt um macht und wieder zum Auto geht. Der Regen ist das eine, der matschige Wanderweg das andere Übel. Die drei anderen laufen tapfer noch ein paar Minuten weiter, kommen dann aber recht bald auch wieder zum Parkplatz. Schade Marmelade, so haben wir uns das logischerweise nicht vorgestellt. Aber immerhin: es regnet nur und schneit nicht auch noch… ein paar Höhenmeter weiter oben ist es nämlich weiss. Nach einem Apero im Hotel beschliesst Odi es doch nochmals zu versuchen. Wir Mädels bleiben am Trockenen resp. werden in der Badewanne kontrolliert nass. Odi zieht seinen Plan durch. Fast zwei Stunden ist er unterwegs. Teilweise im strömenden Regen. Unnötig zu erwähnen, was er danach war: nass, nässer, pflotschnass!

Valle de Boi
Es regnet immer noch. Und leider regnet es auch im Valle de Boi, unserem nächsten Ziel. Es scheint fast, als ob die Regenwolke über unserem Auto mitwandert. Immer wenn wir nämlich das Auto verlassen, fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten. Im Valle de Boi gibt es zahlreiche kleine Kirchen, die aus dem 11ten und 12ten Jahrhundert stammen. Alle haben ihre Eigenheit und als Gesamtes zählen sie zum Unesco Weltkulturerbe. Wir schauen die fünf schönsten Exemplare an.

Spain, Val de Boi, Church

Das Wetter ist weiterhin garstig. Inzwischen sind wir aber glücklich, dass es nicht schneit. Unsere App meldet nämlich Schnee. Nichts desto trotz gefällt es uns in den kleinen Dörfern mit den Steinhäusern. Das Ganze hat seinen eigenen Charme. Gefallen tut uns auch das Essen im Hotel. Wir lassen uns zum Zmittag und zum Znacht mit einheimischen Spezialitäten verwöhnen.

Andorra!
Heute verlassen wir Spanien und fahren nach Andorra. Ein spezielles Highlight unserer Reise, da dieses Land für uns Neuland ist. Das Wetter ist trocken und immer wieder sendet sogar die Sonne ein paar Strahlen in unsere Richtung. Die Temperaturen sind nach wie vor frostig. Links und rechts der Strasse liegt sogar etwas Schnee. Daran ändert sich auch in Andorra nichts. Wir machen einen Spaziergang hoch oben über der Hauptstadt im Vall Madriu-Perafita-Claror (Weltnaturerbe) und entdecken sogar einen Mini-Schneemann. Danach gehen wir auf Shopping-Tour in Andorra la Vella. Das Land gilt als zollfrei und deshalb als Shoppingparadies. Nun ja, wir fühlen uns eher wie im Duty Free am Flughafen. Und das wäre es dann auch schon, was man hier günstig erstehen kann: Zigaretten, Alkohol, Parfüm. Alles andere finden wir nicht wirklich speziell günstig und wir verfallen entsprechend auch nicht in einen Shoppingrausch. Zum Znacht landen wir einmal mehr in einem Ramen-Laden. Die Girls haben in diesen Ferien Ramen und Udon kennengelernt und lieben es. Uns Eltern freut es immer besonders, wenn die Kiddies wieder etwas neues kennen, essen und schätzen lernen.

Toulouse
Bevor wir das neunt kleinste Land der Welt wieder verlassen, fahren wir in die Höhe. Auf fast 2000 Meter über Meer gibt es eine spezielle Aussichtsplattform, die über den Felsen hinaus ragt und einen Glasboden hat. Eigentlich hätten wir es uns denken können: es haut uns nicht aus den Socken. Ähnliche Plattformen gibt es auch in der Schweiz. Nebenbei ist der Glasboden auch noch mit Schnee bedeckt, womit auch dieser Sondereffekt nichts bringt. Schnee sehen wir auch auf den letzten Kilometern in Andorra immer mehr. Je näher wir zu Frankreich kommen, desto weisser wird es. Wir fahren durch zahlreiche Skigebiete mit einer schier unfassbaren Anzahl an Hotels. Die Pisten sind immer noch präpariert und wir sehen doch einige Wintersportler, die motiviert die Piste runter kurven. Uns ist mehr nach Frühling und Wärme und wir fahren weiter nach Frankreich. In Toulouse werden wir heute die Heimreise unterbrechen. Die französische Stadt ist äusserst charmant und die Altstadt mit seinen zahlreichen autofreien Gassen sehr hübsch. Kaum zu glauben, dass wir in der vier grössten Stadt Frankreichs unterwegs sind. Hier begegnen wir auch noch ein letztes Mal dem Jakobsweg: die Kathedrale gehört zum umfassenden Welterbe des Camino.

France, Toulouse, Houses

Vichy
Am zweitletzten Tag stehen nochmals 1,5 Unesco Welterbe auf dem Programm. Die 1 gehört Chaine des Puys, einer Kette von vulkanischen Bergen, die sich über 30 Kilometer erstreckt und an die hundert erloschene Vulkane beheimatet. Wir fahren mit der Bahn auf 1465 Meter über Meer und damit auf die höchste Erhebung der Vulkankette, den Puy de Dome. Der Spaziergang rund herum dauert 40 Minuten. Die Fernsicht ist gut und wir können einige alten Vulkane sehen. Der Wind lädt nicht zum Verweilen ein und wir fahren nach dem Spaziergang bald wieder runter. Rund eine Autostunde weiter liegt Vichy, die 0.5. Vichy ist Teil des umfassenden Welterbes der europäischen Kurstädte. 12 Quellen entspringen im Stadtgebiet und werden auch heute noch genutzt. Für alles mögliche soll das Wasser mit den unterschiedlichsten Temperaturen und Mineralien helfen. Wir probieren von keinem. Wir haben die Flaschen im Auto vergessen… Hübsch ist es allemal. Noch hübscher wäre es, wenn nicht die Hälfte des Parks um die diversen Bäder herum eine riesige Baustelle wäre.

France, Vichy, Opera

Zum Znacht fahren wir in einen Vorort. Wir geniessen unser letztes Znacht dort, wo wir am ersten Abend auch eingekehrt sind: im Buffalo Grill. Fun Fact: die Kette ist das beliebteste Restaurant der Franzosen. Mindestens ist dies so auf Wikipedia zu lesen.
Damit endet unser diesjähriger Road Trip in Europa. Morgen geht es in einem Schuss zurück nach Bern. Spanien hat uns alle überzeugt. Wir werden bald wieder kommen und haben bereits zwei mögliche Routen im Kopf. In diesem Sinne: Hasta luego y gracias!

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