Author Archives: Raphael Odermatt

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Tanzania

Tansania, wir kommen!
Die Reise begann eigentlich schon am Vorabend. Da wir keine Lust hatten mit dem ersten Zug nach Zürich an den Flughafen zu fahren, starteten wir bereits einen Tag früher in das nächste Abenteuer: Tansania, wir kommen. Nach vielen Stunden Vorbereitung ist es nun endlich soweit. Wir freuen uns sehr!
Der Schlaf war nicht sonderlich erholsam. Wir sind alle rasch aus den Federn und parat zum Aufbruch. Wegen Ferienbeginn erwarten wir viele Passagiere und wollen zeitig vor Ort sein. Da aber nur wir Berner schon jetzt Herbstferien haben, wird alles halb so busy. Das erste – und hoffentlich auch letzte – grosse Malheur der Reise passiert bereits am Gate. Melias iPad fliegt im hohen Bogen auf den Boden und der Bildschirm gleicht ab sofort einer Spinne. Glück im Unglück, das iPad scheint noch zu funktionieren. Trotzdem ist die Stimmung kurz sehr schlecht. Spätestens als wir im Flugi sitzen, ist der Ärger aber wieder vergessen. Pünktlich heben wir ab. Dank EcoMax haben alle genug Platz. Die Kids sitzen während des ganzen Fluges in der 2er-Reihe vor uns. Nach knapp acht Stunden Flugzeit landen wir ziemlich entspannt am Kilimanjaro International Airport. Da wir bei den ersten sind, die das Flugzeug verlassen können, sind wir auch rasch bei der Passkontrolle und beim Gepäckband. Das spart wie meist in Afrika viel Zeit. Die Passkontrolle nimmt es gemütlich und auch die Gepäckjungs lassen sich viel Zeit. Draussen werden wir von Jerry erwartet. Er bringt uns mit seinem vom Hotel organisierten Privatauto nach Arusha. Das „Taxi“ ist schon mal sehr afrikanisch. Aber es fährt noch. Inzwischen ist es stockdunkel. Der viele Verkehr und die vielen Leute auf der Strasse lassen es nicht zu, schnell zu fahren. Aus erwarteten rund 40 Minuten Transfer werden 1,5 Stunden Fahrt. Irgendwann haben wir es aber geschafft. Wir steigen in einem einfachen und günstigen Hotel ab. Auf dem Programm steht nur noch schlafen. Und das tun wir alle bald.

Tarangire National Park
Nach ein paar Früchten, einem Ei und etwas Toast machen wir uns zu Fuss auf zu unserer Autovermietung. Auf dem Weg bekommen wir einen ersten Einblick in den Alltag der Menschen. Es ist Sonntag und viele sind auf dem Heimweg vom Gottesdienst und erledigen gleich noch Dies und Das. Die Autovermietung finden wir irgendwo in einem Hinterhof. Das Business mit selbstständig fahrenden Touristen ist relativ jung – und sehr klein. Entsprechend ist alles noch ein bisschen Hobby-mässig organisiert. Wir kriegen quasi direkt den Schlüssel und müssen nicht einmal etwas unterschreiben. Da wir bei der Buchung einen Fehler gemacht haben, bekommen wir für die ersten zwei Tage ein richtiges Safari-Auto mit einem Dach, welches auf Safari auf der ganzen Autolänge angehoben werden kann. Das freut nicht nur die Kids und ist für uns alle eine neue, coole Erfahrung. Der Toyota Landcrusier hat fast 300´000 km und braucht dann auch ein paar Kilometer bis er warm gelaufen ist. Aber als er einmal richtig rollt, rollt er super. Bevor wir Arusha verlassen, machen wir bei einem Supermarkt halt. Da wir ja Morgen für den Autotausch nochmals zurück nach Arusha kommen, landet noch nicht so vieles im Einkaufswagen. Sowieso ist für das leibliche Wohl in den nächsten zwei Tagen mehr oder weniger gesorgt. Da wir noch kein Dachzelt auf dem Auto haben, werden wir in einer Lodge statt auf einem Camping nächtigen und dort auch verpflegt. Die Fahrt zum Tarangire National Park ist abwechslungsreich und kurzweilig. Wir sehen unzählige Viehhirten in traditioneller Massai-Kleidung, die mit ihren Tieren unterwegs sind und fahren auch immer wieder durch belebte Dörfer. Reality TV live, wie auch die Kids bald feststellen. Nachdem alle Papiere besorgt und alles bezahlt ist und ein Einheimischer unser Auto mit Seifenwasser gegen alles möglichen eingesprayt hat, passieren wir schliesslich das Gate zum Tarangire National Park.

Tanzania, Trangire, Zebra

Der Park ist auch bekannt als „Home of the elephants and baobabs“. Da die Sonne noch hoch ist und die Tiere um diese Zeit normalerweise eher unter den Bäumen im Schatten stehen statt vor die Linse der Touristen zu hüpfen, fahren wir zuerst in die Lodge. Die Aussicht dort haut uns fast aus den Socken. Die Lodge liegt leicht erhöht und man hat einen super Blick auf das Tal und den Fluss. Und weil es so schön ist, sind am und im Fluss auch noch ganz viele Elefanten zu sehen. Die Kids finden auch den Pool sehr schön und so dürfen sie zuerst eine Runde baden, bevor wir uns schliesslich auf die erste Pirschfahrt begeben. Das Dach des Autos ist wirklich der Hit. Drei von vier stehen fast während der ganzen Fahrt und haben so einen super dupper Über- und Ausblick. Entdecken können wir vor allem Elefanten, Zebras und Pumbas.

Tanzania, Trangire, Elephant

Zurück bei der Lodge bleibt nicht viel Zeit bis zum Sundowner. Es ist schon relativ spät. Leider geht die Sonne im Rücken der Lodge unter. Wir belassen es deshalb bei ein paar schnellen Fotos und gönnen uns stattdessen nach dem vielen Staub eine gründliche Dusche. Das Znacht bekommen wir im Haupthaus. Es schmeckt sehr gut. Das einzige etwas unpassende ist der Buschbrand, welcher am Horizont lodert. Hoffentlich bleiben die Flammen auch in der Nacht nur lokal. (Wie wir später öfters wieder sehen werden, ist dies völlig normal. Immer mal wieder brennt es an einem Ort. Das Feuer entfacht sich selbst und löscht auch selber wieder aus. Zu unserer Verwunderung bleibt es zudem meist sehr lokal. Mutternatur scheint dies irgendwie zu regeln). Auf dem Rückweg zum Bungalow werden wir im stockdunklen von einem Angestellten begleitet. Hier gibt es keine Zäune oder ähnliches und jederzeit könnte jedes Tier irgendwo auftauchen. Für die Kids heisst das auch, dass sie auch am Tag nur mit uns herumlaufen dürfen. Auch rennen oder schreien ist Tabu. Einmal im Bungalow ist man angehalten dieses bis am Morgen nicht mehr zu verlassen. Bald wissen wir auch warum. Das Gebrüll eines Löwens ist in aller Deutlichkeit gefühlt direkt neben unserem Haus zu hören. Ein Geräusch, dass niemand in der Familie so schnell wieder vergessen wird.

Frühstück mit Elefanten und Hakuna matata
Mit dem ersten Blick aus dem Fenster entdecken wir die ersten Elefanten. Einige der imposanten Dickhäuter stehen für ihr Frühstück quasi direkt neben unserem Bungalow. Mit einem Angestellten der Lodge können wir bis auf wenige Meter an die Elefanten heran. Das nennen wir mal einen Start in den Tag. Es bleibt nicht bei den paar Elefanten vor unserem Bungalow. Hinter den Zelten und Bungis hat sich in der Zwischenzeit auch der Rest der Herde versammelt. Da sie teilweise fast ein bisschen aufdringlich werden, kommt sogar eine Steinschleuder zum Einsatz. Sehr effektiv wie sich zeigt. Die Herde zieht gemütlich und ruhig weiter. Nach dem Frühstück räumen wir das Zimmer und fahren los. Das Dach ist wieder offen. Wir geniessen die Fahrt und den top Ausblick. Nach nur wenigen Minuten Fahrzeit sehen wir die ersten Löwen. Leider liegen sie nur faul in der Gegend herum. Auf Action warten wir vergebens. Danach erfreuen wir uns vor allem an den vielen Zebras und auch daran, dass das Buschfeuer wieder ausgelöscht ist. Dann folgt das Highlight des Tages: ein Cheetah. Noch nie haben wir dieses Tier in der freien Wildbahn gesehen. Auch wenn der Gepard gut 20 Meter entfernt ist, sind wir mega beeindruckt und happy.

Tanzania, Trangire, Cheeta

Mit ein paar letzten Elefanten und wunderschönen Baobabs ist es danach leider auch schon wieder Zeit den Tarangire zu verlassen. Wie in Tansania üblich bekommt man das Permit immer für 24 Stunden. Wenn man bis dahin nicht wieder raus ist, muss nochmals für einen ganzen Tag bezahlt werden. Und das ist nicht ganz günstig… Wir blicken auf einen Safari-Start nach Mass zurück. Einfach die nervigen Tsetse-Fliegen hätten nicht sein müssen. Das Seifenwasser vom Vortag hat diese blöden Viecher auf jeden Fall nicht davon abgehalten uns zu nerven – und auch zu stechen. So oder so ist es Zeit den Weg zurück nach Arusha anzutreten. Schliesslich müssen wir ja noch das Auto tauschen. Wir sind zur vereinbarten Zeit zurück bei der Autovermietung. Leider sind weder ein fehlendes Permit noch das Auto ready. Wir widmen uns zuerst dem Permit und warten… und warten… und warten. Obwohl wir gestern bereits alles en detail aufgeschrieben haben, wurde noch nichts organisiert. Warum das so ist, finden wir erst heraus, als ich irgendwann einen Blick auf den Bildschirm des Vermieters werfen kann. Der Typ kann sein Passwort nicht eingeben und versucht verzweifelt sich im System einzuloggen. Zum Glück haben wir einen Informatiker in der Reisegruppe. Odi übernimmt kurzerhand den PC und richtet alles wieder ein. Obwohl wir nun schon über eine Stunde vor Ort sind, ist aber auch das Auto immer noch nirgends zu sehen. Hakuna matata! Und da wir in Afrika sind, kommt irgendwann wie aus dem Nichts doch noch unser neuer Toyota Landcruiser um die Ecke gefahren. Wir bekommen zwei Minuten Instruktion, beladen die Karre und fahren wieder ohne Unterschrift davon. Nächtigen tun wir am Stadtrand von Arusha in einem wunderschönen Guesthouse. Nach einem kurzen Sprung in den Pool gibt es ein sehr feines Znacht in grosser Runde. Alle Gäste essen gemeinsam an einem Tisch.

Start Nr. 2
Bevor es wieder losgeht, versuchen wir die Ablage im Auto ein bisschen zu organisieren. Alles was wir täglich brauchen, kommt nach vorne und oben. Alles andere kommt nach hinten und unten. Unsere Organisation mit dem Taschensystem wird auch dieses Mal bestens funktionieren. Danach füllen wir den leeren Platz mit Proviant. Unterwegs werden wir nicht mehr auf ein so grosszügiges Angebot zurück greifen können. Entsprechend landet so einiges im Einkaufswägeli. Das Programm für den Rest des Tages ist eher unspektakulär. Wir fahren zum Lake Manyara und bleiben dort auf dem Camping – that´s it. Dass sich das trotzdem als sehr guter Plan herausstellt, merken wir sofort. Das Camp ist super schön. Die Kids verbringen den Rest des Tages im wunderschönen Pool mit super Aussicht auf den Lake Manyara. Wir Eltern widmen uns dem Haushalt. Eine erste Runde Handwäsche steht auf dem Programm. Zum Znacht gibt es ein Stück Fleisch vom gemieteten Kohlegrill mit Pasta.

Tanzania, Lake Manyara, Pool

Lake Manyara National Park
Die erste Nacht in unserem Familien-Dachzelt haben alle gut überstanden. Natürlich ist es eher eng, aber nicht so eng wie befürchtet. Wir haben uns für dieses eine grosse Zelt entschieden, da wir noch einige Camps haben werden, wo wir ev. froh sind, dass wir alle zusammen schlafen. Je nachdem was halt so im Camp herum läuft resp. am Morgen vor dem Zelt steht… Heute besuchen wir den Lake Manyara National Park. Dieser ist bekannt als einer von wenigen Orten auf der Welt, wo die Löwen im statt unter dem Baum chillen. Leider werden wir keinen Löwen auf dem Baum zu Gesicht bekommen. Dafür erfreuen uns an grossen Baboon-Clans und an vielen Elefanten. Einer Elefanten-Herde kommen wir sehr Nahe.

Tanzania, Lake Manyara, Baboon

Im südlichen Afrika sind wir in ähnlichen Situationen auch schon zurechtgewiesen worden. Hier machen wir es einfach wie alle Guides – und davon hat es viele – und stoppen quasi in der Herde. Ausweichmöglichkeiten = null. Einen ZS bekomme ich dann aber doch noch. Ich habe mich zu weit aus der Dachluke (wir haben wieder eine kleine Dachluke über den Fahrersitzen, die wir bei Stillstand zum Beobachten der Tiere öffnen können. Die zweite, über der hinteren Sitzreihe, lässt sich leider wegen des grossen Dachzeltes nicht öffnen) auf das Dach gewagt :-). Die Kids sind heute nicht mit vollem Elan dabei. Erstens ist es recht heiß und zweitens wissen sie, was für ein Pool sie heute wieder erwartet. Wir nächtigen nämlich nochmals auf dem gleichen Platz wie am Vortag. Natürlich bekommen sie auch heute ihre Ration Pool und sind mit dem Sprung ins kühle Nass sofort wieder im Element. Am Abend bekommen wir auf dem Stellplatz von ein paar anderen Selbstfahrer ein paar wertvolle Tipps für die nächsten Tage. Man tauscht sich hier gerne aus. Die Selbstfahrer in Tansania sind eine krasse Minderheit und alles ist ein bisschen komplizierter als anderswo.

Ngorongoro Crater Lake
Nach einem letzten Tank- und Shoppinghalt geht es weiter nordwärts. Heute wartet ein Unesco Weltnaturerbe auf uns: der Ngorongoro National Park. Am Gate wollen sie uns für die Fahrt in den Krater einen Guide andrehen. Aber Odi erzählt ihnen wie gestern empfohlen, dass er schon mal hier war und so können wir dann doch alleine los düsen. Zuerst geht es eine Stunde auf einer Staubstrasse in Richtung Krater. Unterwegs kommen wir an einem Aussichtspunkt vorbei, von wo wir die riesige Kraterfläche von oben begutachten können. Via Krater Road geht es danach sehr steil bergab auf die eben begutachtete Fläche. In der Mitte des Kraters hat es einen grossen See. Darum herum finden sich Unmengen an Weideflächen mit sehr wenig Schatten. Wir sehen viele kleine und grössere Zebra- und Gnu-Herden. Da es sehr flach ist, kann man bis weit in der Ferne schauen und so immer wieder drauflos rätseln, was alles so herumsteht. Und so sehen wir denn auch fast alle „spannenden“ Tiere aus sehr weiter Entfernung: viele Löwen, Hyänen, Elefanten, ein Nashorn – alles ist dabei.

Tanzania, Ngorongoro, Rüdiger

Von sehr Nahe sehen wir leider vor allem die anderen Safari-Autos. Wir sind negativ überrascht, wie viele unterwegs sind. Vor zwei Löwen, die man notabene nicht einmal wirklich sieht, gibt es sogar einen gröberen Stau. Einige Guides werden extrem nervös und ich kriege sogar direkt eine Brause ab, weil ich angeblich ein paar Sekunden zu lange – notabene auf meiner Strassenseite – versuche den Löwen anzuschauen. In diesem Traffic Jam fliegt uns dann auch noch die geöffnete Dachluke auf die Kühlerhaube. Das Geschüttel hat das Ding trotz Schritttempo aus den Angeln gehoben. Beim anschliessenden Pic Nic-Stopp verlieren wir zum Glück nur ein Sandwich und keinen Finger. Die Falken sind extrem gierig und wollen unbedingt auch etwas vom Sandwich von Anina. Der Schreck ist gross, aber zum Glück hat sie das Sandwich instinktiv zum richtigen Zeitpunkt weit weg geworfen. Irgendwann haben wir genug gesehen und nehmen wieder die steile Strasse raus aus dem Krater unter die Räder. Auf der Public Campsite gibt es Nudelsuppe, Wienerli, Gurke, Rüebli und Zuchetti. Da es hier mehr als eine Kutte kälter ist – wir sind auf 1800 Meter – kommen sogar die mitgebrachten Mützen zum Einsatz.

Ndutu
Die Nacht war kalt. Dank der mitgebrachten Skiunterwäsche und den guten Schlafsäcken waren wir aber bestens ausgerüstet. Vor allem Melia hat aber trotzdem schlecht geschlafen und braucht eine gefühlte Ewigkeit bis sie auf Touren kommt. Wir gehen es ruhig an. Heute steht nur die Fahrt zur nächsten Lodge auf dem Programm. Ruhig lassen wir es dann auch auf der Strasse angehen. Mehr als 40 km/h liegen nicht drin. Die Strasse ist eine einzige Schüttelpiste. Am schlimmsten sind die Waschbrett-Abschnitte. Wir werden richtig gehend durchgeschüttelt. Am zweit schlimmsten sind die vielen Safari-Fahrzeuge, die uns immer wieder überholen. Je nach Strassenuntergrund werden wir danach vollständig von der Staubwolke verschluckt und sehen gar nichts mehr. Unterwegs machen wir einen Halt bei einem Museum, wo ganz in der Nähe ein Schädel von einem sehr frühen Vorfahren von uns allen gefunden wurde. 2.5 Millionen Jahre alt ist er und der Ort wird auch als Human Cradel bezeichnet (davon gibt es noch mehr in Afrika, bspw. in der Nähe von Jo´burg). Das Museum gibt nicht wahnsinnig viel her und wir sind bald wieder zurück auf der Schüttelpiste. Kurz bevor die Ngorongoro Concession Area in die Serengeti übergeht, biegen wir links ab. Das Empfangskomitee steht bereit. Auf der Strasse stehen Hunderte von Springböcken und machen uns den Hof. Heute nächtigen wir nicht im Dachzelt. Damit wir die Fahrt unterbrechen können und dazu kein geeigneter Camping in der Gegend zu finden war, leisten wir uns den Luxus einer Tented Lodge mitten im Bush. In Ndutu kommen im Frühjahr die kleinen Gnus der weltbekannten riesigen Gnu-Herde zur Welt. Aktuell ist die Herde in Kenia. Durch das Bachbett immer dem Punkt auf dem GPS folgend, finden wir unser heutiges Nachtlager. Wir bekommen ein sehr grosszügiges Zelt in the middle of f****** nowhere. Die Regeln sind die gleichen wie im Tarangire. Am Tag dürfen wir alleine rumlaufen, in der Nacht werden wir begleitet. Nach einer Dusche verhängen wir den Nachmittag in der Bar. Tönt langweilig, ist es aber nicht. Alle geniessen das süsse Nichtstun, die Gespräche mit den Angestellten (wir zeigen sogar Videos vom Skifahren und von YB), die wilden Tiere, die ab und an an der Lodge vorbeilaufen und den Sonnenuntergang. Auch zum Znacht werden wir verwöhnt. Niemand von uns muss heute einen Finger rühren. Und das in einer tollen Lodge, die sogar noch zahlbar ist. Die Kids scheinen das Gekochte auch zu schätzen. Ihre Teller sind auf jeden Fall im Nu leer.

Serengeti National Park Day 1
Vor dem Zelt begrüssen uns heute Giraffen und Spuren von Hyänen. Im Zelt begrüsst uns eine Teller grosse Spinne. Spätestens jetzt sind alle wach 🙂 Nach dem Zmorge geht es los in Richtung Serengeti. Wir haben noch rund zwei Stunden Zeit um im Ngorongoro Conservation Area auszuchecken. Wir schaffen es easy bis zum Gate, welches gleichzeitig eines der Entry Gates für die Serengeti ist. Nach dem wir alle Papiere beschafft haben – es ist fast wie bei einem Grenzübertritt – geht es los.

Tanzania, Serengeti, Lizzard

Wir verlassen die Hauptstrasse und fahren zu ein paar Koppies ab vom Schuss. Leider ohne interessante Tiersichtung. Die machen wir dann direkt an der Hauptstrasse. Wir entdecken zwei Löwen und eine Hyäne. Notabene für uns ganz alleine. Weit und breit ist kein anderes Auto zu sehen. Im Kaff tanken wir voll und besuchen das Visitor Centre. Zum Zmittag gibt es mangels Alternativen eine Packung Pringels und eine Cola. Die Kids sind begeistert :-). Wohlgenährt gibt es danach nochmals eine Runde Safari mit sehr vielen Hippos, einigen Elefanten, Büffeln und den üblichen Vierbeinern. Nur Zebras und Gnus sind auch hier nicht zu finden. Das heutige Nachtlager schlagen wir Mitten in der Serengeti auf. Wir sind lange die einzigen Gäste auf dem Public Camping. Später kommt noch eine kleine Gruppe an, die in ihren Bodenzelten nächtigt. Zwei Einheimische schauen vor Ort zum Rechten. Das gibt Sicherheit, denn schliesslich kann hier jederzeit alles zum Hallo sagen vorbei kommen. Die einzigen Tiere vor denen wir uns heute Abend in Acht nehmen müssen, sind die Baboons. Vor diesen Langfingern ist praktisch nichts sicher. Von den Einheimischen lernen wir, wie man am Verhalten der Baboons erkennen kann, ob Löwen in der Nähe sind. Um sieben Uhr ist es stockdunkel. Und da man so nicht mehr erkennen kann, ob so ein Rudel vorbei spaziert, schicken wir die Mädels in das Dachzelt und gehen bald nach. Später gibt es noch kurz etwas Action. Ein Safari-Tourist schreit über den Platz, dass er Löwen einem Löwen begegnet sei. Wir sehen auf jeden Fall nix und die Nacht wird auch ruhig.

Tanzania, Serengeti, Camp

Serengeti National Park Day 2
Der Tag beginnt spektakulär. Neben dem Public Camping fliegen im Sonnenaufgang vier Heissluftballons knapp über dem Boden über zwei Löwenrudel. Es laufen sogar Löwen-Babys mit. Was für ein Anblick. Wir packen gemütlich unsere sieben Sachen und machen uns dann auf in die Richtung, in die die Rudel verschwunden sind. Die Löwen sehen wir nicht mehr. Dafür machen wir eine andere spektakuläre Entdeckung. Also nicht wir, aber die Guides, die gerade in der Nähe sind. Sie haben zwei Cheetahs beim Jagen entdeckt und warten nun, bis der Springbock gerissen ist und wir ihnen beim Snacken zuschauen können.

Tanzania, Serengeti, Cheeta

Irgendwann ist es soweit. Wir verlassen den Track und fahren den Guides querfeldein hinterher. Was wir dann erleben dürfen, ist einfach nur wow. Während der eine Gepard den Kopf tief in den Springbock steckt und frisst, hält der andere Wache und beobachtet die Umgebung. Das ganze Schauspiel teilen wir mit etwa acht anderen Fahrzeugen, die sich im Halbkreis um die Geparden aufgestellt haben. Die Tiere lassen sich überhaupt nicht von uns stören und schlagen sich einer nach dem anderen den Magen voll.

Tanzania, Serengeti, Cheeta

Irgendwann haben wir genug und fahren zurück auf den Track. Zum Zmittag machen wir wieder einen Stopp im Visitor Centre. Das ist praktisch, da es dort auch ein WC hat. Weil es gestern so schmackhaft war, gibt es auch heute wieder Pringels und Cola. Wählerisch sind wir definitiv aktuell auch Mangels Alternativen nicht. Hauptsache es gibt etwas in den Magen. Die zahlreichen Safari-Touristen bekommen übrigens immer ein Lunch-Päckli. Nach einem kurzen Stopp im sehr lokalen Lädeli, wo es nur lange haltbare Sachen wie Pringels und Co. gibt, fahren wir nordwärts. Bevor wir die Serengeti für heute verlassen, legen wir beim Hippo Pool einen Stopp ein. Wir zählen über 200 Stück, die im Tümpel herum lümmeln.

Tanzania, Serengeti, Hippo

Auf dem Weg zur heutigen Lodge – es gibt wieder ein richtiges Bett – begegnen uns auch wieder die ersten Zebras und kleinere Gnu-Herden. Einige Tiere scheinen bereits wieder den Weg in den Süden eingeschlagen zu haben. Ob das Vorboten der Great Migration sind? Auch zwei weitere Löwen entdecken wir. Die beiden sind gerade mit dem Liebesspiel beschäftigt. In der Lodge springen wir subito in den Pool. Die Abkühlung tut gut. Gegen Ende des Nachmittags beginnt es immer heftiger zu winden und es wird immer dunkler. Es dauert nicht lange und es fängt an wie aus Kübeln zu schütten. Das Gewitter ist sehr stark, eindrücklich und hört vorerst auch nicht mehr auf. Mit Schirmen bewaffnet, wagen wir es dann trotzdem irgendwann ins Haupthaus zum Znacht. Ein Glück müssen wir heute nicht im Dachzelt nächtigen. Unsere Gedanken sind aber auch schon bei Morgen, wo wir wohl mit ein paar Schlammfahrten rechnen müssen. Das ist insofern doof, als dass wir das Gefühl haben, dass unser 4WD nicht mehr richtig funktioniert. Es tönt ganz eigenartig unter der Karre und wir haben deshalb beschlossen den Vierradantrieb nur noch im Notfall einzuschalten.

Seregenti National Park Day 3
Wir sind früh auf den Beinen. So früh, dass wir vor dem Zelt eine Hyäne aufschrecken. Allenfalls wurde sie auch von einem Löwen verjagt. Ich sehe nur einen Schwanz. Erst als die Lodge-Mitarbeiter unser Gepäck abholen und uns auf die Löwengeräusche hinweisen, glauben mir auch meine Mitreisenden, dass da neben der Hyäne auch noch etwas anderes im Busch lag. Da einer unserer Reifen zunehmend an Luft verliert, wollen wir heute in einem Kaff mal schauen, was das Problem sein könnte. Im ersten Kaff bekommen wir beim Hauptquartier des National Parks (hier darf man üblicherweise nicht einfach so rein und wir bekommen erst nach ein paar Minuten die offizielle Erlaubnis) schon mal etwas Luft. Im zweiten Kaff wird das Problem dann konkret angegangen. Das Ventil ist kaputt. Der Mechaniker ist versiert und wir haben bald ein neues Ventil am Reifen. Als das grössere Problem stellt sich das Tanken heraus. An den ersten beiden Tankstellen gibt es kein Diesel. An Tanke Nummer drei gibt es Diesel, aber kein Strom. Und an Tanke Nummer vier gibt es weder Diesel noch Strom. Wir versuchen unser Glück nochmals bei Tanke Nummer zwei, wo wir vorher auch einen Tankwagen gesichtet haben. Uns siehe da, der Diesel ist inzwischen in der Pumpe angekommen und Strom hat es auch. Glück gehabt! Ein paar Kilometer weiter checken wir wieder im National Park ein. Wie bereits erwähnt, gleicht das ganze Prozedere immer sehr einem Grenzübertritt. Heute brauchen wir fast eine Stunde, bis wir endlich den Check-in Stempel auf dem richtigen Dokument haben. Wir fahren direkt zu unserem Camp. Odi hat für heute Nacht zufälligerweise ein betreutes Camp mitten im Busch gefunden, von wo aus der Mara River nur ein paar Kilometer entfernt ist. Das ist super wichtig, da wir uns nur Dank der kurzen Distanz vom Camp zum Fluss eine winzige Chance auf eine Flussdurchquerung – der Great Migration – der Gnus ausrechnen dürfen. Wir sind die einzigen Gäste und werden von den drei Angestellten, die uns auch das Znacht kochen, wohl umsorgt. Das Camp hat ein Wohnzimmer-, ein WC- und ein Dusch-Zelt (mit Warmwasser!). Geschlafen wird in unserem Dachzelt. Bevor wir aber diesen Luxus mitten in der Serengeti geniessen, wollen wir uns ein Bild vom Mara River machen. Wir haben nämlich vom Camp-Chef gehört, dass wir tatsächlich Glück haben könnten. Die Gnus machen sich seit ein paar Tagen früher als sonst wieder auf den Weg südwärts und sammeln sich in riesigen Gruppen auf der kenianischen Seite des Flusses. Heute haben wir kein Glück. Aber wir sehen erste Herden, die immer grösser und grösser werden. Die Krokodile wären auch parat und wir sowieso. Beim Gedanken daran, dass wir vielleicht morgen dieses einmalige Schauspiel tatsächlich erleben dürfen, werden wir ein wenig nervös. Wir haben keine Sekunde damit gerechnet und wollten ganz am Anfang der Reiseplanung sogar die ganze Reise genau deswegen verschieben. Vom Regen bleiben wir am Abend verschont. Und auch die befürchteten Schlammlöcher waren übrigens heute kaum der Rede wert.

Tanzania, Serengeti, Camp

Serengeti National Park Day 4 – The Great Migration
Die erste Störung der Nacht verursacht ein Zebra. Auf einmal wackelt die ganze Karre. Das Tier scheint irgendwo eine sehr beissende Stelle zu haben, die es durch kratzen an unserem Auto versucht wieder loszuwerden. Zwei mal an das Zelt klopfen genügt und das Zebra trabt davon. Die zweite Störung ist der Wecker um 5.15 Uhr. Die besten Chancen für die Great Migration sei ganz früh am Morgen, meinte unser Camp-Chef. Die Kids verfrachten wir zur Sicherheit direkt im Pijama ins Auto. Es ist immer noch stockdunkel und wir wollen lieber gar nicht so genau wissen, was alles so herum läuft. Wir Eltern packen alles zusammen. Mit dem ersten scheuen Tageslicht sind wir ready zur Abfahrt. Das Navigieren fast ohne Tageslicht ist eher schwierig und wir legen prompt eine Extrarunde ein. Zum Glück finden wir bald wieder auf den Track zurück und kommen doch noch rechtzeitig zum Crossing 0B. Die Gnus haben sich zu Zehntausenden auf der andere Flussseite versammelt. Der Guide im Nebenauto spricht von rund 120’000 Tieren. Alle Autos müssen in einem gewissen Abstand zum Ufer unter den Bäumen warten. Erst wenn die ersten Gnus im Wasser sind, ist es erlaubt weiter nach vorne zur Flusskante zu fahren. Das passiert nach rund einer halben Stunde warten. Irgendwann gibt es kein Halten mehr und die Gnus beginnen mit der Flussdurchquerung.

Tanzania, Serengeti, Gnus

Wir verschieben den anderen Autos folgend subito die paar Meter nach vorne und schauen total fasziniert dem nun beginnenden Spektakel zu. Wir können kaum glauben was für ein Glück wir haben. Mir kommen sogar die Tränen. Fast zwei Stunden zieht sich das Spektakel hin und wir möchten jedem Gnu, das den Schwumm geschafft hat, am liebsten persönlich gratulieren. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Die Gnus auf beiden Flussseiten blöcken was das Zeug hält. Auf unsere Seite, so scheint uns, vor allem wenn die Familienmitglieder die Durchquerung noch nicht geschafft haben. Es gibt sogar einige wenige, die nochmals freiwillig auf die andere Seite zurück schwimmen. Wir sehen keine Krokis und haben auch sonst das Gefühl, dass es mehr oder weniger alle irgendwie auf die andere Flussseite geschafft haben. Längst kommen aber heute nicht alle zurück nach Tansania. Viele bleiben auch an diesem Morgen in Kenia und warten wohl auf die nächste Möglichkeit in der Gruppe den Fluss zu überqueren.

Tanzania, Serengeti, Gnus

Gemäss diversen Quellen im Internet sollen an die 2 Millionen Gnus pro Jahr 2x die Durchquerung wagen. Irgendwann versiegt der stetige Strom von schwimmenden Gnus und wir verlassen total gefläscht die River Bank. Ganz grosses Kino, welches uns für immer und ewig in Erinnerung bleiben wird! Auf dem Weg zum Gate machen wir nochmals ein bisschen Safari. Auch unterwegs begegnen uns Unmengen an Gnus. Teilweise haben wir das Gefühl, dass wir gegen eine schwarze Wand fahren. Die Kids holen während der Fahrt aus dem Park ein bisschen vom fehlenden Schlaf nach und verpennen den Rest der Fahrt in die Lodge mehr oder weniger. In der Lodge angekommen, gehört ihnen der Pool und uns Eltern der Liegestuhl. Was für ein Tag. Safari-Herz was willst du mehr. Vier Tage Serengeti gehen zu Ende und wir dürfen auf ganz viele tolle Tierbegegnungen zurückblicken, die wir sicher nie mehr vergessen werden.

Tanzania, Serengeti, Gnu

Driving day
Nach dem Frühstück geht es südwärts. Heute müssen wir ein paar Kilometer hinter uns bringen. Die Strasse ist scheisse wie immer – ausser auf rund 40 Kilometern, die aus unerklärlichen Gründen geteert sind. Immerhin hat es nun fast keine anderen Autos mehr und wir müssen nicht ständig vom Gas, weil wir wegen einer riesigen Staubwolke nichts mehr sehen. Die letzten paar Kilometer zum Lake Natron, unserem heutigen Ziel, haben es dann nochmals in sich. Über Stock und über Stein geht es nur im Schritttempo vorwärts. Am Camping angekommen, bleibt genug Zeit für eine Runde Pool und eine Runde Handwäsche. Es ist wieder sehr heiß – und windig. Die Kleider sind auf jeden Fall im Nu trocken.

Tanzania, Serengeti, Bird

Lake Natron
3 von 4 haben wenig bis kaum geschlafen. Nur Melia hat der viele Wind, welcher heute Nacht teilweise fast schon orkanartig über uns resp. das Zelt hinweg gefegt ist, nicht gestört. Wir drei anderen sind seit fünf Uhr hellwach und warten ungeduldig auf das Tageslicht. Odi ist trotz der frühen Morgenstunde total motiviert und will nochmals ein Rad wechseln. Nach ihm hat ein Pneu eher wenig Luft. Nach dem Wechsel zeigt sich, dass auch im Ersatzrad ungefähr gleich viel resp. gleich wenig Luft drin ist. Die ganze Übung war also eher umsonst. Immerhin haben wir nun aber ein viel besseres Profil. Da wir nicht nochmals Lust auf eine Nacht im windigen Zelt haben und am nächsten Ort der schönste Camping der bisherigen Reise wartet, ändern wir spontan unsere Pläne und beschliessen bereits heute wieder zum Lake Manyara zurückzukehren. Bevor wir aber auch noch diese Holperpiste unter die Räder nehmen, lassen wir uns von Lukas, einem Massai, die Flamingos am Lake Natron, im sandigen Untergrund konservierte sehr sehr alte Footprints (120´000 Jahre) und sein Dorf zeigen. Im Dorf – genannt Booma – wohnt ein Teil seiner Familie. Nur die Frauen und Kinder sind zu Hause. Die Männer sind mit dem Vieh unterwegs. Die Kids sind sehr an uns interessiert und sie freuen sich über die paar High Five, die wir sehr gerne verteilen. Leider können wir uns sonst nicht verständigen. Sie sprechen kein Englisch und wir ihre Sprache natürlich auch nicht. Uns beeindrucken ihre Wohnhäuser. Stockdunkel, sehr klein, stickig mit Britsche und Küche – unglaublich. Als Dank, dass wir ihre Häuser anschauen durften, kaufen wir den Frauen einige Armbänder zu einem fairen Preis ab. Die Freude ist gross und wir hoffen, dass auch die Empfängerinnen zu Hause ihre Freude daran haben werden. Die Fahrt auf der Holperpiste zum Lake Manyara dauert vier Stunden. Die Mädels haben langsam aber sicher genug vom Autofahren. Gutes Timing also um den Kreis unserer Safari heute zu schliessen. Der Pool lässt sie die Strapazen zum Glück schnell wieder vergessen. Wir sind zurück in der Zivilisation. Zum Znacht lassen wir uns zur Freude des Tages bekochen. Wir haben beim ersten Besuch gesehen, dass es hier so tolle Burgers gibt. Die Lust ist bei allen nach den doch eher einseitigen und mageren Tagen sehr gross. Die Dinger schmecken wirklich sehr und wir sind uns alle rasch einig, dass es morgen nochmals das gleiche Znacht gibt.

Tanzania, Lake Natron, Flamingos

Lake Manyara Runde 2
Ohne Wind schläft es sich definitiv viel besser. Ausgeruht gibt’s Kaffi, frisches Toast (auch das ist hier wieder erhältlich), Avocado und Cornflakes. Danach machen wir nochmals eine Runde im Lake Manyara National Park. Schliesslich haben wir die Löwen in den Bäumen ja beim letzten Mal nicht angetroffen. Wir sehen tatsächlich kurz nach dem Entry vier Löwen. „Leider“ liegen diese aber nicht in den Bäumen sondern ganz klassisch am Boden.

Tanzania, Lake Manyara, Lion

Wo Löwen sind, sind auch die anderen Safari-Autos nicht weit und so dürfen wir auch nochmals einen Safari-Stau miterleben. Immerhin sind die Löwen dieses Mal auch wirklich gut sichtbar und die Warterei und Zirklerei lohnt sich. Lucky we finden wir auch nochmals eine grössere Elefanten-Herde und einen einsamen Bullen. Ein tolles Safari-Dessert, wie wir finden. Zurück auf dem Camping ruft wieder der wunderbare Pool. Heute ist noch weniger Betrieb als gestern. Wir haben das kleine Paradies fast für uns alleine und geniessen es.

Tanzania, Lake Manyara, Elephant

Wo ist der Kilimanjaro?
Ganz ruhig und smooth fahren wir über die Teerstrasse zurück nach Arusha. Wahnsinnig wie rasch wir vorwärts kommen, wenn die Strasse so gut ist. Uns kommen wieder zahlreiche Safari-Autos entgegen. Zum veranschaulichen, wie viele Touris mit diesen Autos unterwegs sind, folgende Zahlen: in fünf Minuten kreuzen wir 30 Safari-Autos. Zum Vergleich: auf der ganzen bisherigen Reise (2 Wochen) haben wir 15 Autos, wie das unsere (Selbstfahrer mit Dachzelt) gesehen. Nun ist wohl auch gut erklärbar, warum es in den National Parks manchmal einen Stau geben kann. In Arusha stoppen wir zuerst beim Supermarkt. Schön, wenn wieder einmal alles einfach so in den Regalen steht. Danach machen wir noch einen Abstecher in einen grossen Souvenir-Markt. Dies und Das wird eingekauft. Das richtig schöne Holzzeugs ist uns aber viel zu teuer. Tansania ist ein teures Pflaster, nicht nur bei den Schnitzereien. Wir durchqueren das quirlige Arusha und fahren weiter in Richtung Flughafen. Wir werden zwischen dem Mount Meru (sehr Nahe bei Arusha) und dem Kilimanjaro (etwas weiter weg von Arusha) unsere letzte Nacht im Dachzelt verbringen. Bei diesem Abstecher haben wir uns erhofft, dass wir einen Blick auf den Kili werfen können. Leider ist der höchste Berg Afrikas aber fast vollständig in Wolken eingehüllt, so dass wir seine Grösse nur erahnen können. Im Camp sind wir alleine und machen es uns in der Camp Kitchen gemütlich. Der Himmel zieht mehr und mehr zusammen und es sieht nach einem grösseren Gewitter aus. Die Regenzeit kommt dieses Jahr früher als üblich. Doch wir haben Glück und bleiben auch heute Abend verschont. Das Timing für unsere Reise war mehr als perfekt.

Zurück nach Arusha
Ein letztes Mal fahren wir auf einer eher holprigen Strasse durch das Hinterland. Unterwegs stoppen wir bei vier Mädels, um ihnen die übrig gebliebenen Esswaren unserer Reise zu geben. Der kleinste Knirps ist kurz vor der Panikattacke als er mich sieht und versteckt sich zur Sicherheit hinter der grossen Schwester. Leider können wir den Kindern nicht erklären, warum wir stoppen und ihnen einfach so Essen geben. Auch wenn dies suboptimal ist, ist es immer noch besser als alles essbare weg zu schmeissen. In Arusha angekommen gönnen wir uns in einem westlichen Kaffee wieder einmal einen richtigen Kaffi.

Tanzania, Arusha, Kids

Tanzania, Arusha, Shop

Die Mädels witzeln, ob es denn auch Bubble Tea gäbe. Und siehe da, sogar das steht auf der Karte. Nachdem wir das Gepäck im Hotel abgeladen haben, bringen wir das Auto zurück. Wir sind wie immer mega dankbar, dass wir auch dieses Mal unfallfrei wieder zurück bei der Autovermietung sind und einfach alles wie am Schnürchen geklappt hat (den 4×4 mussten wir übrigens nie mehr einschalten…). Den Nami verbringen die Kids im und wir Eltern am Pool. Die Mädels plantschen drei Stunden ununterbrochen im kühlen Nass. Damit geht die Safari-Zeit definitiv zu Ende und der Teil 2 der Ferien kann beginnen: morgen fliegen wir nach Sansibar.

Auf nach Sansibar
Pünktlich um sieben Uhr sitzen wir beim Frühstück. Die Koffer sind gepackt und wir sind parat für Teil 2 der Ferien. Mit den letzten Safari-Souvenirs in der Tasche, hebt der Flug pünktlich in Richtung Sansibar ab. Die Hitze in Sansibar schlägt uns bei der Ankunft fast aus den Socken. Das Klima ist schon mal definitiv sehr anders als im Innenland. Was uns auch sofort auffällt, ist der islamische Einfluss. An jeder Ecke entdecken wir Moscheen und die Frauen halten ihren Kopf fast ausnahmslos mit einem Kopftuch bedeckt – notabene von kleinst auf. Die Autoübergabe ist ähnlich unkompliziert wie in Arusha. Immerhin müssen wir hier aber eine Unterschrift geben. Damit bekommt Odi auch den lokalen Führerausweis. Ohne diesen wäre das Fahren nicht erlaubt. Obwohl wir vorab Fotos von unseren beiden Führerausweisen geschickt haben, bekommt nur der Herr eine local driving licence. Wir lassen das so stehen und erkoren Odi zu unserem privaten Sansibar-Chauffeur. Nach einem kurzen Shoppinghalt fahren wir los in Richtung Südosten der Insel. Die ersten paar Kilometer haben es bereits in sich. Wir landen wegen diversen Baustellen und gesperrten Strassen in einem riesigen Verkehrschaos und kämpfen über eine Stunde um jeden Meter. Irgendwann sind wir dann raus aus Stone Town und es geht endlich schneller vorwärts. In Clove Island angekommen, beziehen wir ein zweistöckiges Bungalow direkt am Meer. Wir sind begeistert. Hier lässt es sich die nächsten sechs Tage definitiv leben.

Jozani Chwaka Bay National Park
Zum Zmorge bekommen wir gefühlt die in den letzten zwei Wochen entgangenen Vitamine auf einen Schlag serviert. Das Früchteteller ist mega lecker – so wie ich auch der Rest. Da wir ja bekanntlich nicht so die Ganz-Tages-Poolhocker sind, machen wir vor dem Badevergnügen einen ersten Ausflug in einen der beiden kleinen National Parks der Insel. Wir wollen die Red Colobus Monkeys sehen. Die gibt es nämlich nur auf Sansibar. Am Eingang bekommen wir einen Guide zugewiesen. Wir lieben das ja nicht sonderlich, landen aber einen absoluten Glücksgriff. Der junge Mann ist definitiv vom Fach und deckt uns mit allerhand Informativem ein. Er scheint auch seine Freude an uns zu haben. Wir sind jedenfalls eine ganze Weile länger unterwegs als vorgesehen war. Den endemischen Affen bekommen wir bereits nach wenigen Schritten zu Gesicht. Die Gruppe ist gerade sehr aktiv und unterhält uns hervorragend. Nach dem wir irgendwann gefühlt alle Pflanzen von Sansibar kennengelernt haben, steigen wir wieder in das kühle Auto und fahren zurück zum Resort. Das Meer hat sich in der Zwischenzeit weit zurückgezogen. Die Unterschiede zwischen Ebbe und Flut sind riesig und nach einer weiteren Schicht Sonnencreme nutzen wir die Gunst der Stunde und laufen weit ins Meer hinaus. Draussen treffen wir auf viele Einheimische, die im noch vorhandenen Wasser alles mögliche an Essen suchen. Wir konzentrieren uns vor allem darauf, dass wir auf keinen Seeigel treten. Zur Sicherheit haben wir alle Badelatschen an den Füssen. So faszinierend wie Ebbe und Flut auch sind, ist das vielleicht der grösste Schwachpunkt des Resorts. Das Meer ist nicht wirklich gut bebad- und beschwimmbar. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Der Rest ist nämlich perfekt.

Tanzania, Zansibar, Image

Stone Town
Heute steht wieder einmal ein Unesco Weltkulturerbe auf dem Programm: wir erkunden Stone Town, die Altstadt des Hauptortes von Sansibar. Dieses Mal umfahren wir alle Baustellen souverän – alle, wirklich alle Hauptachsen werden gleichzeitig umgebaut – und finden rasch einen Parkplatz direkt vor der Altstadt. Von hier sind es nur noch ein paar Meter bis zu anglikanischen Kathedrale. Diese erkunden wir mit einem Guide. Er erzählt uns vom Sklavenmarkt, welcher hier bis 1864 zu finden war. Erst als die Engländer aufgrund der Industrialisierung keine Sklaven mehr brauchten, haben sie diesen als damals herrschende Kolonialnation verboten und die heute noch immer hier stehende Kirche errichtet. Das hat damals den Sklavenhandel nicht sofort gestoppt. Weiter nördlich in der Stadt wurde dieser illegal noch lange weiter betrieben. Auf dem heutigen Gelände gibt es neben der Kirche auch eine Gedenkstätte und zwei Kammern zu besichtigen, wo die Menschen wie Tiere bis zu ihrem Verkauf ausharren mussten. Schwere Kost für alle. Die Kinder haben entsprechend viele Fragen. Nach diesem taffen Einstieg geht es zum Glück smooth weiter. Wir lassen uns durch die schmalen Gassen treiben und versuchen den arabischen – konkret den omanischen – Charme einzufangen. Die Gassen sind eng und verwinkelt. Überall gibt es kleine Souvenirläden und andere Shops. Das Leben pulsiert und immer wieder werden wir durch einen hupenden Roller, ein Velo oder was auch immer an den Rand gedrängt. Im Old Fort hat es heute vor allem Souvenir-Shops und das House of Wonder können wir leider wegen Umbau nur erahnen. Wir hätten uns das ganze etwas eindrücklicher vorgestellt. Und doch sind wir irgendwie fasziniert.

Tanzania, Zansibar, Shop

Nach einem kurzen Abstecher auf den lokalen Souk sitzen wir nach ungefähr zwei Stunden treiben lassen wieder im Auto. Über ungeteerte Hinterstrassen mit riesigen Schlaglöchern umfahren wir wiederum die zahlreichen Baustellen. Ob wir dieses Mal auch wirklich schneller waren, wagen wir zu bezweifeln. Dafür haben wir einen Einblick in die Wohngegenden der Menschen bekommen. Melia und Papa schauen sich heute auch noch die Fische, die im Meer wohnen, an. Die beiden schnorcheln bei Wasserhöchststand bei uns am Strand und versuchen etwas interessantes zu entdecken. Die Ausbeute ist gering. Aber eine gute Übung ist es allemal.

The Rock x2
Was wir uns auf Sansibar unbedingt noch anschauen wollen, ist das weltberühmte Restaurant „The Rock“. Auf einer ganz kleinen Insel im Meer kann man hier gehoben in vier Schichten dinieren. Leider ist es nicht möglich nur auf einen Drink vorbei zu schauen und nach einem Blick in die Speisekarte sind wir uns einig, dass wir dort nicht unbedingt essen müssen. Ein Foto vom Restaurant reicht uns.

Tanzania, Zansibar, The Rock

Als sehr gute Alternative finden wir ganz im Süden ein kaum bekanntes, sehr ähnliches Restaurant. Auch hier sitzt man quasi über dem Meer im Restaurant. Bei Ebbe ist die Beiz via Beach erreichbar. Ansonsten gibt es auch eine Strasse, die man nutzen kann. Der Strand selber ist auch absolut sehenswert. Als Zugabe können wir sogar die lokalen Fischer beobachten, wie sie gemeinsam versuchen den heutigen Fang ins Netz zu treiben. Ein wunderbarer Geheimtipp, welcher mindestens in unserem Reiseführer nicht zu finden ist und ich heute Morgen nur zufälligerweise auf Google Maps entdeckt habe. Natürlich hat es hat auch hier ein paar Touristen. Doch der Auflauf ist definitiv weit kleiner als beim Original. Der Rest des Tages ist identisch wie an den Vortagen: Pool, Meer, schnorcheln, chillen, lesen, aperöle, duschen und uns schliesslich bekochen lassen. Eigentlich könnten wir in unserem Haus ja auch kochen und wir hätten sogar das eine oder andere eingekauft. Aber uns schmeckt es im Restaurant von unserem Resort derart gut, dass wir uns gerne mit allerhand Leckereien bekochen lassen. Nach einer Runde Karten spielen, fallen wir irgendwann alle glücklich und zufrieden ins Bett.

Pool-Day
Der Familienrat beschliesst beim wie immer sehr reichhaltigen und feinen Zmorge den heutigen Tag rund um das Resort zu verbringen. Für unsere Familie fast wie ein Experiment. Halten wir das überhaupt aus? Am Morgen machen wir alle eine kleine Schnorchelrunde. Leider gibt es wie meist wenig bis gar nichts zu sehen. Danach chillen wir auf den Liegestühlen herum. Einige lesen, andere beschäftigen sich mit den technischen Geräten. Der faule Tag wird von einem Besuch beim lokalen Lädeli nebenan – Melia wollte unbedingt noch eine Kokosnuss trinken – unterbrochen. Mehr gibt die Umgebung nicht her und wir setzen nochmals die Taucherbrille auf. Da direkt auf den ersten Metern ein schon fast überdimensionierter Krebs gesichtet wird, landen einige überraschend rasch wieder im Liegestuhl resp. im Pool. Nur Papa versucht doch noch das eine oder andere von der Unterwasserwelt zu sichten. Immerhin erzählt er danach von ein paar freischwimmenden Mini-Muränen. Danach ist der faule Tag auch schon fast vorbei. Wir haben es alle gut überstanden, sind uns aber einig, dass ein fauler Tag für uns alle mehr als genug ist.

Tanzania, Zansibar, Beach

Assante sana, Tansania!
Heute ist unser letzter Tag. Am Abend geht der Flieger zurück in die Schweiz. Zum Glück dürfen wir das Haus gegen einen kleinen Aufpreis bis zur Abfahrt behalten. So können wir es ruhig angehen und nochmals so richtig Sonne tanken. Irgendwann am Nami schmeissen wir alles in die Taschen und uns unter die Dusche. Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir den Flughafen und sagen „Assante sana, Tansania!“.

Wir blicken auf ein grossartige Reise zurück, die alle unsere Erwartungen übertroffen hat und sind super happy über all das Erlebte. Wir sind auch ein bisschen stolz, dass wir alles alleine organisiert haben und als Selbstfahrer in einem Land mit fast ausschliesslich Nicht-Selbstfahrer zwei Wochen alleine auf Safari waren (Fun Fact: fragt man im Globetrotter nach einer Selbstfahrerreise in Tansania bekommt man als Antwort, dass dies nicht möglich sei). Wir hatten eine unglaubliche Zeit als Familie und sind wieder ein Stück näher zusammen gerückt. Ein Kollege hat mich im Nachgang gefragt, ob es denn nie Stress gab. Gab es, 2x sogar: 1x waren wir nicht einig wie wir das Auto zum Übernachten stellen sollen und 1x als wir uns im Dunkeln auf dem Weg zur Gnu-Wanderung kurz verfahren haben. That´s it :-)!
Ein grosses Danke an dieser Stelle an meine mitreisende und für fast jedes Abenteuer zu habende Familie – ihr seit wunderbar! Oder um es mit den Worten von Anina zu sagen, die uns Eltern aus den Ferien eine Karte geschrieben hat: „Liebe Mama und lieber Papa. Danke, dass wir als Familie immer so tolle und coole und auch teure Ferien machen können. Meine Freundinnen machen das nicht. Ich finde es cool, dass wir so viele Tiere sehen, auch Dank euch, weil ihr sie entdeckt und uns erst ermöglicht, dass wir in die Nationalparks gehen können. I love you. Liebe Grüße Anina“.

Und ja, der Nachtflug ging vorbei und wir landeten pünktlich und leicht übermüdet in Zürich.

Und wer uns jetzt fragt, ob wir Tansania oder Namibia/Botswana toller finden: wir können es nicht sagen, da die Länder nicht wirklich vergleichbar sind und jedes Reiseziel seine schönen Seiten hat. Wir alle vier haben nachfolgend ein paar High- und Lowlights zusammengetragen. Einige Lowlights sind selbst sprechend Vorteile von Namibia und Botswana. Die Highlights zeigen entsprechend eher die Pros für Tansania auf. Das einzige was wir ganz sicher wissen: wir lieben Afrika!

Hakuna matata!

Unsere Highlights:

  • Gnu-Wanderung
  • Schlafen im Dachzelt
  • Erstes Auto mit dem riesigen Safari-Dach
  • Elefanten-Herde direkt vor dem Bungalow
  • Im Auto direkt in der Elefanten-Herde
  • Cheetahs am Fressen
  • Tarangire Safari Lodge
  • Viele, viele Tiere
  • Hyänen, Löwen, usw. alles direkt vor dem Zelt
  • Unser Toyota Landcruiser, als sehr stilgerechter und treuer Begleiter mit dem entsprechenden Jahrgang
  • Sehr, sehr nette Einheimische, so sicher haben wir uns auf einer Reise noch selten gefühlt
  • Das Ur-Reise-Vertrauen, welches sich unterwegs einfach so mehrmals eingestellt hat

Unsere Lowlights:

  • 2te, sehr lange andauernde Autoübernahme
  • Riesige Spinne im Zelt
  • Allgemeiner Strassenzustand inkl. Blindflug nach jedem Überholmanöver
  • Tse-Tse-Fliegen
  • Unglaublich viele andere Safaris-Autos im Safari-Stau
  • Maasai-Boys in Sansibar
  • Keine Lagerfeuer
  • Wenige afrikanische Sonnenuntergänge
  • Müll und Bauschutt in Sansibar

France

Tour de France
Finalement des vacances! Das Gepäck ist rasch im Kofferraum verstaut und wir damit bald ready für die Abreise. Die nächsten zwei Wochen machen wir einen Road Trip durch Frankreich. Wir werden mehr oder weniger das ganze Land einmal umkreisen und dabei möglichst viele Unesco Welterbe des Landes besichtigen. Den Anfang macht die Zitadelle von Besancon. Das Wetter ist schon fast sommerlich und der Spaziergang durch die Zitadelle nach der kalten Jahreszeit einfach nur schön. Weniger schön ist der Zoo, welcher hier auch noch integriert ist. Das hätten sie sich sparen können. Die Viecher haben es mässig nett und man verpasst nichts, wenn man diesen Teil ignoriert. Nach einem kurzen Stopp in einem Supermarkt, wo wir uns mit dem wichtigsten eindecken, fahren wir noch rund eine Stunde nach Beaune. Das Kaff liegt im Burgund und das Gebiet gehört als Weingegend zum Unesco Weltkulturerbe. Weinberge finden wir heute (noch) keine. Das Kaff selber ist sehr hübsch. Wir besuchen die Kathedrale, die Altstadt und ein sehr kleines Museum zum Burgund. Klares Highlight des Städtchens ist aber das Hôpital de Dieu. Bis in die 70er Jahre wurden hier bedürftige und kranke Menschen gepflegt. Der grosse Schlafsaal mit den Einzelkoien beeindruckt ebenso, wie das riesige farbige Schiefer-Dach.

France, Baune, Hospital

Im Kaff selber finden wir vor allem überfüllte Apero-Beizli. Alle zieht es an die frische Luft. Wir lassen diesen Programmpunkt deshalb direkt aus und suchen stattdessen etwas ausserhalb ein Restaurant. Mangels gescheiten Alternativen landen wir schlussendlich in einer uns bisher nicht bekannten amerikanischen Burgerkette im Restaurant-Styl. Zu unserer Überraschung schmeckt es allen richtig gut.

Nudelsuppe im Loire-Tal
Noch sind wir etwas unkoordiniert unterwegs und es dauert ein bisschen länger als üblich bis alles wieder seinen Platz im Auto gefunden hat. Nach einem Biss Baguette und einem Fotostopp in den Weinreben verlassen wir das Burgund auch schon wieder. Über Landstrassen fahren wir in drei Stunden nach Bourges. Hier wartet das nächste Unesco Weltkulturerbe auf uns: die Kathedrale. Das Timing könnte nicht besser sein. Wir treffen genau zum Ende der Messe ein. Kurz ist der Platz voller Leben. Bereits nach einigen Minuten wirkt das Kaff wieder wie ausgestorben. Der Sonntags-Groove lässt grüssen. Bevor wir uns das Innere der Kathedrale anschauen, verpflegen wir uns kurz und einfach im einzigen geöffneten Laden: dem Carrefour. Von innen ist die Kathedrale irgendwie wie jede andere. Aber vielleicht sind wir auch einfach nur einfach Banausen… richtig begeistert sind wir auf alle Fälle nicht. Nach einer weiteren Stunde kommen wir im Loire-Tal an. Es gibt hier unzählige Schlösser, die man besichtigen könnte und die natürlich auch zum Weltkulturerbe gehören. Wir haben zu Hause deren drei ausgewählt, auf die wir uns auf dieser Reise beschränken wollen. Es gilt zu verhindern, dass jemand aus der Reisegruppe den Schlösser-Blues bekommt. Den Anfang macht das Schloss von Chambord.

France, Chambord, Castel

Nett und schön, aber nicht annähernd wie Versailles und mehr als vergleichbar mit anderen Schlösser, die wir schon besichtigt haben. Im Hotel angekommen lagern die einen die Füsse hoch und die anderen versuchen die noch vorhandene überschüssige Energie los zu werden. Das Znacht wird genau so kurz und einfach wie das Zmittag. Die Kids wollten schon immer mal eine Instant-Nudelsuppe essen. Und da wir wussten, dass es hier wohl eher wenig bis keine Verpflegungsmöglichkeiten gibt und wir auch keine Küche haben, führen wir sie heute in dieses kulinarische Highlight ein. Beide sind begeistert und es scheint, als ob wir für künftige Engpässe einen praktischen Plan B gefunden hätten – gut so.

Happy Birthday, liebe Melia!
Heute wird Melia neun Jahre alt. Unglaublich wie die Zeit vergeht. Wir wünschen dir nur das Beste zu deinem Geburtstag, haben dich mega lieb und sind unendlich stolz. Auf dich, unsere wunderbare Tochter!
Zur Feier des Tages spielen wir ein bisschen Prinzessin. Nach dem ersten Ständchen und den ersten Kerzen, stehen die zwei weiteren Schlösser auf dem Programm. Zuerst fahren wir zum Schloss Chenonceau. Wir sind beeindruckt, wie das Schloss von der einen Uferseite zur anderen gebaut wurde. Gepaart mit den knall grünen Gärten, den blühenden Blumen und dem stahlblauen Himmel wirkt alles schon fast ein bisschen kitschig. Das Schloss ist eine Nummer kleiner als die Version von gestern und wurde ausschliesslich von Damen bewohnt. Auch die Anzahl Touristen ist überschaubarer. Noch eine Spur kleiner und hübscher und überschaubarer und romantischer ist das Schloss Aazay-le-Rideau. Wir sind uns alle einig, dass wenn wir denn müssten, wir wohl am liebsten hier gewohnt hätten.

France, Chenonceau, Castel

Nach der Besichtigung der beiden Schlösser verlassen wir das Loire Tal wieder und fahren in den Norden. Rund drei Stunden Autofahrt liegen vor uns, bevor wir DAS grosse Highlight unserer Reise erreichen. Schon ewig lange wollten wir hier hin und nun sind wir bald endlich da: Mont-St-Michel wir kommen. Die Fahrt geht Dank guter Autobahnen und wenig Verkehr rasch vorbei. Um fünf Uhr beziehen wir unser Cottage mit fast direktem Ausblick auf das Highlight. Schon aus der Ferne vermag die Insel im Meer zu beeindrucken. Für heute belassen wir es bei diesem Anblick und feiern noch ein wenig Melias Geburi. Papa macht ein Feuer und ein paar Würstli. Zum Dessert gibt es ein paar reich verzierte Mille feuille à la Anina. Das Geburikind ist glücklich und zufrieden und dann irgendwann doch noch ins Bett zu kriegen.

Mont St. Michel
Damit wir die grosse Flut nicht verpassen, stellen wir den Wecker. Wir haben zufälligerweise einen der wenigen Tage im Monat erwischt, wo die Insel vollständig von Wasser umgeben ist und somit auch wirklich zur Insel wird. Vom Parkplatz aus laufen wir die rund 3 Kilometer zur Insel. Es ist garstig, windig und ziemlich kalt. Trotzdem geniessen wir den Spaziergang – notabene ohne andere Touristen. Tatsächlich ist Mont St. Michel bei unserer Ankunft am Ende des Stegs zu Fuss nur mit nassen Füssen zu erreichen. Die Flut versperrt die letzten paar Meter auf zur Insel. Den Touristen bleibt nichts anderes übrig als geduldig zu warten bis der Übergang einigermassen frei ist. Das Wasser wird von Minuten zu Minuten sichtbar weniger. Irgendwann nutzen auch wir die Gelegenheit zwischen zwei Wellen und überqueren die letzten Meter auf die Insel. Einige Familienmitglieder bekommen trotzdem nasse Schuhe… Die Wasserhöhe kann in dieser Gegend zwischen Ebbe und Flut 15 Meter (!) ausmachen. Das ist Gezeitenrekord in Europa. Auf der Insel angekommen, laufen wir auf dem Hauptweg zum Kloster. Alles was man hier kaufen kann, ist total überteuert. Das merken wir spätestens als wir uns die teuersten Gummibärli ever kaufen. Leider haben wir den Gramm Preis nicht vorab gecheckt. Wie viel wir bezahlt haben, bleibt unser Geheimnis. Nur so viel, es war 4x mehr als in einem normalen Laden. In der Abbey lassen wir uns dem offiziellen Rundgang entlang treiben. Die Szenerie beeindruckt uns sehr und wir sind glücklich, dass wir es endlich hierher geschafft haben. Unter einem grossen Baum gibt’s ein Sandwich. Es gilt die gierigen Möwen von uns fern zu halten. Dank den riesigen Ästen gelingt uns dies zum Glück ohne Probleme. Danach ist es auch schon wieder Zeit die beeindruckende Insel zu verlassen. Wir sind uns einig, dass der Mont St. Michel unsere Erwartungen zu 100% erfüllt hat. Mit dem Shuttle fahren wir zurück zum Parkplatz. Nach einem kurzen Stopp im Ferienhaus steht noch ein bisschen Shopping auf dem Programm. Im Décathlon und Carrefour decken wir uns mit allen möglichen Dingern ein. Teilweise sind die Klamotten um sehr viel günstiger als zu Hause. Vor allem finden wir für die Kids T-Shirts, die in Bern nicht jeder an hat. Auf dem Rückweg suchen wir noch einmal einen anderen Blick auf die Insel. Jetzt sollte das Wasser den tiefsten Stand erreicht haben. Trotzdem fällt unsere kleine Wanderung wegen dem Schlamm eher ins Wasser resp. in den Schlamm. Den Abend verbringen wir in unserem Cottage und werfen noch einmal den Grill an. Das Wetter ist top. Die Sonne scheint weiter, aber der Wind ist garstig wie eh und je. Am Abend hätten wir nochmals die Möglichkeit die volle Flut zu bestaunen. Aber der Tag war lang und wir belassen es bei dem was wir bereits gesehen haben. Wir sind immer noch alle begeistert und werden Mont Saint Michel bestimmt in bester Erinnerung behalten.

France, Mont Saint Michel

Sur l’autoroute
Heute verbringen wir die meiste Zeit im Auto. Damit wir eine bestimmte Bootsfahrt machen können (mehr dazu Morgen), mussten wir unseren Zeitplan um einen Tag optimieren. Das Boot fährt nicht jeden Tag. Nach dem letzten Blick auf Mont Saint Michel in der Morgensonne geht es wieder südwärts. Fast 5 Stunden später machen wir einen kurzen Stopp beim Kloster Saint-Savin sur Gartempe. Natürlich gehört dieses auch zum Unesco Weltkulturerbe. Grund sind die uralten Fresken an der Decke der dazugehörigen Kirche. Nach dem kurzen Stopp nehmen wir die letzten zwei Stunden unter die Räder. In Royan beziehen wir quasi direkt am Meer das Hotel. Das Wetter ist immer noch eher kühl und windig. Trotzdem hat es schon Surfer im Meer und einige Unerschrockene, die in der Badehose am Strand sitzen. Daneben gibt es aber auch welche, die mit der Winterjacke und der Mütze die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings geniessen. Wir bewegen uns irgendwo dazwischen. Die Girls konnten nämlich den kurzen Hosen nicht widerstehen. In einer Pizzeria mit Meerblick geniessen wir zum Abschluss des Tages ein feines Znacht.

Leuchtturm von Cordouan
Während der Autofahrt habe ich gestern zufälligerweise gelesen, dass unsere heutige Bootsfahrt allenfalls etwas abenteuerlicher werden könnte, als erwartet. Je nach Gezeiten ist der Leuchtturm, den wir besuchen werden und sich notabene mitten im Meer befindet, nur durch das Wasser watend (= Wasser max. bis zu den Oberschenkeln) erreichbar. Umso gespannter sind wir nun alle was uns heute erwarten wird. Der erste Teil der Fahrt ist schon mal easy und ruhig. Mit einem grossen Schiff tuckern wir in Richtung Leuchtturm. Irgendwann können wir rechts von diesem eine lange Sandbank ausmachen. Und irgendwann kurz davor müssen wir dann auch vom grossen Schiff auf ein kleineres Amphibienfahrzeug umsteigen. Nach einer kurzen Fahrt im Wasser werden die Räder herunter gelassen und wir fahren die letzten Meter im ca. knöcheltiefen Wasser zum Leuchtturm. Entgegen meinen Befürchtungen kann uns das tolle Gefährt sogar direkt zum Leuchtturm bringen und wir steigen trockenen Fusses aus. Der Leuchtturm von Cardouen ist 60 Meter hoch und der einzige Leuchtturm, welcher mitten im Meer steht und offiziell besucht werden kann. Vor kurzem wurde dieser unter anderem deshalb zum Unesco Weltkulturerbe ernannt. Wir separieren uns von der offiziellen Führung und machen uns mit einem Prospekt auf Deutsch bewaffnet alleine auf Entdeckungsreise. 301 Stufen führen nach oben. Die Flut hat sich seit unserer Ankunft schon beachtlich zurück gezogen und wir können nun auch bereits den eigentlichen Steg mehr oder weniger ausmachen. Im Leuchtturm gibt es auch eine Kapelle und einen Königsraum. Ein König war zwar nie hier, aber immerhin war man so stets auf alles vorbereitet. Zwei eindrückliche Stunden später treffen wir am Ende des Steges quasi im offenen Meer wieder auf die Gruppe. Das Wasser hat sich nun derart weit zurückgezogen, dass man sogar zum grossen Schiff laufen kann. Wir verzichten darauf. Spätestens jetzt hätten wir die Schuhe ausziehen müssen. Zudem ist die Fahrt auf einem Schiff auf Rädern mindestens so toll. So oder so ist es einmalig quasi mitten im Meer Boden unter den Füssen resp. Rädern zu haben. Schon fast am richtigen Ufer angekommen, ist der Wasserstand dann immer noch derart tief, dass wir sogar nochmals ins kleinere Boot wechseln müssen. Der grosse Kahn kann nicht in den Hafen fahren und anlegen. Zufrieden und beeindruckt, haben wir schliesslich wieder festen Boden unter den Füssen.

France, Cordan, Lighthouse

Unser Nachtlager schlagen wir heute in einem für die Austernzucht berühmten Gebiet unweit von Bordeaux auf. Direkt an einem hippen Hafen beziehen wir ein tolles Zimmer – quasi ein Wasserbungalow. Zum Apéro gilt es Ernst: es gibt für Mama und Papa zum ersten Mal in ihrem Leben Austern. Wir setzen uns in eine Bar und lassen uns von der engagierten Inhaberin zeigen, was wir nun genau machen müssen. Zu unserem Erstaunen schmecken die Dinger gar nicht mal soooo schlecht.

Dune du Pilat et Bordeaux
Die höchste Düne von Europa, die Dune du Pilat, ist knapp über 100 Meter hoch. Heute wollen wir diese Düne besteigen. Wer will kann über eine Treppe relativ bequem in die Höhe. Wir wählen den natürlichen Weg und steigen im Sand nach oben. Der kühle Sand an den Füssen ist wunderbar. Auch der Ausblick ist cool. Die Düne endet direkt im Meer und dank der klaren Sicht und den unterschiedlichen Farben besonders eindrücklich. A taste of Namibia, nur mit der „falschen“ Sandfarbe, meinen die Kids. Am frühen Nami treffen wir in Bordeaux ein. Wir parkieren das Auto in der Hotel-Garage und machen uns auf die Stadt zu erkunden. Bordeaux gehört auch zum Unesco Weltkulturerbe. Die Stadt ist wirklich charmant und das französische Flair schlägt uns praktisch an allen Strassenecken entgegen. Leider haben fast alle Brunnen kein Wasser. Damit fällt leider auch das berühmte Wasserspiel resp. die Wasserspiegelung buchstäblich ins Wasser resp. ins Trockene. Stattdessen widmen wir uns dem kulinarischen Wohl: Gelati für die Kinder, Aperol für die Eltern. Gefolgt von Canele, einem kleinen Gugelhopf, den nur die Eltern fein finden. Zum Abschluss ein Glas Wein für die Eltern und ein Aperoplätti für alle. Wer auf der Durchfahrt ist: Bordeaux ist wirklich ein Besuch wert.

France, Bordeaux, Church

Saint-Emilion
Nur eine kurze Fahrt vor Bordeaux entfernt, liegt Saint-Emilion. Ein schmuckes Städtchen mit vielen Weinbergen, welches es wie viele Weingegenden zum Unesco Weltkulturerbe geschafft hat. Bei sommerlichen Temperaturen schlendern wir durch die engen Gassen. Es hat kaum Touristen. Einmal mehr haben wir das Gefühl in der totalen Nebensaison unterwegs zu sein. Warum das so ist, bleibt ein Rätsel. Im Städtchen selber hat es diverse alte Bauwerke, die man besichtigen kann. Zum Teil holt man einfach den Schlüssel im Tourismus-Büro und steigt zum Beispiel selber auf den Kirchenturm. Leider kann man die unterirdische Kirche nur mit einer Tour besuchen. Dieses Bauwerk lassen wir deshalb aussen vor. Wir sind trotzdem länger als erwartet in diesem Kaff unterwegs.

France, Saint Emilion

Nach einem Schluck Wein verlassen wir Saint-Emilion wieder und fahren weiter ins Val Vézère. Eigentlich ist erst der morgige Tag dieser Region und seinen zahlreichen Höhlen gewidmet. Da wir aber noch genug Zeit haben, wollen wir schon heute eine Sight anschauen. Hier in der Gegend hat der europäische Frühmensch – le cro-magnon – gewohnt und die Region zählt wegen der vielen Höhlenzeichnung aus dieser Zeit zum Weltkulturerbe. Die angesteuerte Sight, ein Museum, ist am Samstag leider geschlossen und die Alternative, auch ein Museum, haut uns nicht gerade aus den Socken. Wir erfahren immerhin wie sie hier gelebt haben könnten und was man so an Überbleibsel von ihnen gefunden hat. Aber diesen Eintritt hätten wir uns auch sparen können. Heute Nacht kommen wir in einem alten Landhaus unter. Die Wohnung ist derart toll und günstig, dass wir den ganzen Abend den Hacken suchen. Vergeblich 🙂

Val Vézère
An 16 Orten im Val Vézère wurden Hunderte von Höhlenmalereien aus verschiedenen Epochen entdeckt. Diese zählen zu den frühsten Kunstwerken Europas und sind 15´000 Jahre und mehr alt. Wie bereits gestern erwähnt, befinden wir uns in Unesco Gebiet. Die erste Höhle, die wir besuchen, ist eine Kopie. Das Original hat zu fest unter den Besuchern gelitten, so dass man in einer Höhle gleich daneben kurzerhand einen Nachbau hingestellt hat. In einer grösseren Gruppe lassen wir uns die Malereien – fast ausschliesslich Tierzeichnungen – zeigen. Wir sind sehr erstaunt, wie filigran und genau die Zeichnung sind. Die Menschen damals scheinen richtige Künstler gewesen zu sein. Danach versuchen wir es nochmals im Museum, wo wir gestern auf geschlossen Türen gestossen sind. Dieses Mal ist offen und wir erfahren auf eine interessante Art und Weise noch mehr von den Menschen und den Tieren, die hier während der Eiszeit gelebt haben. Am Nachmittag schliesslich haben wir uns intuitiv für die Höhle angemeldet (pro Tag sind nur 80 Personen zugelassen), in der als einzige in dieser Region noch Originalmalereien bestaunt werden können. Sehr eindrücklich, wenn man bedenkt, wie alt die Kunstwerke sind. Sogar die Kids sind voll bei der Sache. Eine Stunde weiter südlich verbringen wir in Cahors die Nacht. Wir machen nur einen kurzen Walk in der Altstadt, treffen aber vor allem auf viel (Hunde-)Kacke (oder haben die hier Kühe?) und übermässig viele dubiose Gestalten. Nicht wirklich einladend das Kaff. Da wir auch keine Lust auf das Hotelrestaurant haben, zaubern wir nochmals eine Nudelsuppe aus dem Vorrat.

3x Unesco
Heute erwarten uns drei Unesco Welterbe. Den ersten Stopp machen wir im kleinen Städtchen Albi. Hier steht die grösste Backsteinkathedrale. Aussen ist das Bauwerk entsprechend nüchtern und einfach gehalten. Beim Betreten aber rutscht uns allen ein „WOW“ über die Lippen. Das Innere ist so ziemlich genau das Gegenteil vom Äussern. Jeder Millimeter ist verziert, bemalt, verschnörkelt. Obwohl einem das fast zu viel werden könnte, sind wir beeindruckt.

France, Albi, Church

Nach einem kurzen Spaziergang durch das schöne Albi fahren wir zum Museum vom Canal du Midi. Vor 400 Jahren wurde diese Verbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer gebaut. 328 Schleusen mussten dafür gebaut werden. Dass diese vornehmlich für Hausboote der Touristen immer noch funktionieren, können wir wenig später live erleben. Der letzte Programmpunkt des Tages ist Carcassone. Leider hat sich der erste Sommerschub nach ein paar für diese Jahreszeit sehr heissen Tagen sehr schnell wieder verabschiedet. Mit warmen Kleider ausgerüstet, starten wir bei grauem und windigem Wetter die Entdeckungsreise durch die mittelalterliche Befestigung. Noch rund 1000 Menschen sollen hier heute wohnen. Die meisten Häuser beheimaten aber Souvenirshops oder Restaurants. In den Sommermonaten muss es hier sehr voll sein mit Touristen. Leider ist das Schloss schon geschlossen. So bleibt uns nicht viel mehr als uns planlos durch die Gassen treiben zu lassen. Irgendwann ist Essenszeit und wir verlassen uns bei der Auswahl voll und ganz auf Google Maps. Tatsächlich werden wir nicht enttäuscht. Wir lassen den Abend mit einer sehr feinen und sehr zahlbaren Pizza in einer gemütlichen Beiz mit toller Bedienung ausklingen. Eigentlich hätten wir nicht gedacht, dass dies an diesem doch sehr touristischen Ort, möglich ist.

Wind
Der Tag beginnt trüb und grau. Beim Frühstück stürmt es gar. Wie durch ein Wunder wird der Himmel ein paar Minuten später blau und wir beschliessen nochmals in die Burg zu gehen. Schliesslich haben wir das Schloss ja gestern nicht mehr besuchen können. Wir werden vom Wind quasi über die Stadtmauer geblasen.

France, Carcasonne, Castel

Danach gehört unsere Zeit nochmals dem Canal du Midi. Vom völlig untouristischen Ort, welcher nur über einen Feldweg erreichbar ist und wo der Fluss in einer Brücke kanalisiert über einen anderen Fluss führt, über den 120 Meter langen Tunnel bis zur grössten Schleusensammlung ist alles dabei. Wir sind uns einig, dass dies alles nur noch mit einer Fahrt im eigenen Hausboot zu toppen ist.

France, Béziers, Écluses

Danach wäre eigentlich Strand angesagt. Leider windet es immer noch derart stark, dass wir das eingepackte Apéro sehr bald wieder zurück zum Parkplatz schleppen und uns stattdessen auf zu unserem nächsten Haus machen. Nach dem ersten, eher schlechten Eindruck – alles ist ziemlich unaufgeräumt und so gar nicht einladend – fühlen wir uns bald wohl. Der riesige wilde Garten und der grosse Pool gehören nur uns alleine. Die Inhaber sind nicht da und wir werden von einer Freundin empfangen. Einigen ist es bei 16 Grad definitiv zu kalt für den Pool. Die anderen entgegnen cool, dass wir diesen Winter ja auch im Thunersee waren und schwups vergnügen sie sich im Pool. Zum Znacht zaubert der Grillmeister der Familie etwas auf die Teller. Und Dank dem Interieur fühlen wir uns sogar fast ein bisschen wie in Costa – nur mit viel Wind und ohne Edith.

Unterwegs im Hinterland
Da die Temperaturen auch heute zu garstig sind für einen Strandbesuch haben wir genug Zeit für einen Ausflug ins Hinterland. Erstmals besuchen wir ein altes, kleines Kaff. Also wenn dieses nicht schon einmal mal Schauplatz für einen Hollywood-Knüller war, dann wird es sicher bald von irgendwelchen Scouts für genau das entdeckt werden. Das Kaff heisst übrigens La Courvertoirade und ist eigentlich Carcaconne in klein. Danach fahren wir zum Cirque de Navacelles.

France, Cirque de Navacelles

Die grosse Karformation liegt in Mitten eines Unesco Weltnaturerbes, im Gebiet der Causses und Cevennen. Es gibt hier bestimmt mehr Schafe als Einheimische (inkl. einer Touristin, die manchmal aussieht wie ein Schaf, würden die Kids nun sagen :-P) und wunderschöne Aussichten mit Weitsicht. Im Kaff direkt im Cirque fällt die unsere Sicht dann endlich auch auf die erste Crêpes. Damit verhindern wir knapp, dass wir zwei Wochen in Frankreich waren und keine Crêpes gegessen haben. Kulinarisch haben wir in diesen Ferien folgende Erkenntnisse gewonnen: es geht nichts über eine Boulangerie und/oder eine Patisserie. Eigentlich könnte – nein, man sollte – sich in Frankreich ausschliesslich davon ernähren.

Noch älter…
Unseren letzten richtigen Ferientag starten wir in Nimes beim Maison Carrée, einem der besten erhaltenen Tempel der Römer. Effektiv scheint hier in all den Jahren kein einziges Steinchen abhanden gekommen zu sein. Es fehlen eigentlich nur die Römer. Auch das Amphitheater, einige Meter weiter, ist vollständig erhalten. Leider suchen wir den Charme hier aufgrund der vollständigen Bestuhlung vergebens.

France, Nîmes, Amphitheater

Nach einem „All you can eat-Buffet“ mit Sushi – Tochter 1 bemerkt beiläufig, dass sie wohl im Himmel angekommen sei – fahren wir weiter in die Region Ardèches. Hier wollte ich ja schon ewig mal hin. Umso erfreuter bin ich, dass wir nun für mich relativ unerwartet hier gelandet sind. Ziel ist die Höhle Chauvet 2, die tatsächlich mitten in diesem Gebiet liegt. Da wir noch genug Zeit haben bis zur Höhlenbesichtigung schauen wir uns zuerst noch den berühmten Fluss und die Pont d’Arc an. Im Sommer muss es hier wimmeln vor Touristen, die mit einem Kanu den Fluss hinunter paddeln. Wir sind uns alle einig, dass die alte Aareschlaufe den Vergleich nicht scheuen muss. Danach sind die Höhlen von Pont d’Arc an der Reihe. Diese benennen sich bescheiden als das erste grosse Meisterwerk der Menschheit. Tatsächlich gibt es hier Höhlen, die vor 36´000 Jahren eine heilige Stätte der Menschen des Aurignacien waren. Das heisst, dass hier Zeichnungen in Höhlen nachgewiesen werden konnten, die nochmals rund 15´000 Jahre alter sind, als die, die wir im Val Vézère bereits gesehen haben. Nicht vorstellbar, welche Zeitdauer dies ist und unnütz zu erwähnen, dass dies alles auch zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Die Originalhöhlen sind für die Allgemeinheit seit je verschlossen. Auch hier gibt es aber einen Nachbau, welcher mit einer Tour und guten Vorab-Informationen besucht werden kann. Die Kunstwerke in der Fake-Höhle (so nennen sie die Kids) sind in Anbetracht der Zeit unglaublich. Krass, was die Menschen die hier vor dieser unvorstellbar langen Zeit gelebt haben, für Zeichnungen an den Höhlenwänden verewigt haben. Der Tag ist nun bereits weit vorgeschritten und wir checken im letzten Hotel der Reise ein. Zum Znacht gibt es alles was wir noch in den Vorräten finden. Alle werden satt und sind parat für das Abschlusskonzert der Reise. Die Kids sind im Element und sorgen für eine tolle Vorstellung.

France, Vallon-Pont-d'Arc, Ardèche

Adieu, merci et à bientôt!
Leider geht jede Reise einmal zu Ende. So auch diese. Wir durften in den letzten zwei Wochen so viel neues entdecken. Die Tour de France war top. Auch wegen den vielen Orten, die wir besuchen durften, haben sich die zwei Wochen fast wie ein Ewigkeit angefühlt. Der Lieblingsort von uns allen ist und bleibt der Mont St-Michel. Aber auch alles andere werden wir in bester Erinnerung behalten.
Am letzten Tag geht es mehr oder weniger direkt nach Hause. Für Papa halten wir noch an einem See, wo früher die Pfahlbauer gewohnt haben. Da es aber eigentlich gar nichts zu sehen ist, fahren wir bald weiter. Ein letzter Stopp für Futter und Einkäufe, dann sind wir auch schon zurück im winterlichen Bern. Adieu, merci et à bientôt!